Trainingsplan für Schachspieler*innen

In diesem Beitrag erfährst du, wie du richtig Schach trainierst: welche Trainingsinhalte besonders wichtig sind und welche Methoden dir dafür zur Verfügung stehen. Außerdem empfehlen wir dir ein paar nützliche Tools für dein Schachtraining.

Wie bei allen anderen Lebensbereichen gilt auch im Schach: eine kontinuierliche und signifikante Verbesserung deiner Spielstärke erreichst du am besten mit regelmäßigem Training und einem effizienten Trainingplan. Dieser sollte vor allem auf deine Ziele sowie deine Stärken und Schwächen abgestimmt sein. Spaß und Abwechslung sollten aber auch nicht zu kurz kommen - sonst leidet die Motivation und damit der Trainingserfolg.

Welches Schach-Ziel möchtest du erreichen?

Egal ob du gerade mit Schach begonnen hast oder auf den IM-Titel hinarbeitest, ein klares Ziel hilft dir dich zu motivieren und zu fokussieren. Am besten wählst du ein klar messbares Ziel - wie etwa eine konkrete Elozahl, einen Titel oder eine Platzierung bei einem bestimmten Turnier. Je nach erwartetem Zeithorizont der Zielerreichung kannst du dir auch Zwischenziele setzen, die dir auf dem Weg als Orientierung dienen.

Noch mehr zum Thema Zielsetzung erfährst du in unserem Blogbeitrag:

Mit welchen Themen solltest du dich im Training beschäftigen?

Sobald du dein Schach-Ziel vor Augen hast, kannst du dir einen zielgerichteten Trainingsplan erstellen. Dieser sollte grundsätzliche alle der folgenden Themen enthalten, die jeweilige Gewichtung ist dann aber von deinen individuellen Stärken und Schwächen abhängig - dazu kommen wir im nächsten Abschnitt.

Eröffnungstraining

Jede Schachpartie beginnt mit der Eröffnungsphase, in der deine Theoriekenntnisse zum Einsatz kommen. Wenn du dich in deinen Systemen gut auskennst, flexibel auf deinen Gegner reagieren kannst und die aus der Eröffnung resultierenden Stellungsbilder verstehst, kannst du im Optimalfall bereits einen signifikanten Vorteil erzielen. Dies ist meist jedoch nicht allein mit der Vorbereitung auf einen bestimmten Gegner realisierbar, sondern erfordert kontinuierliche Arbeit am eigenen Repertoire.

Wiederhole die kritischen Varianten, damit du sie im Ernstfall fehlerfrei spielen kannst. Verfolge Großmeister-Partien zu deinen Eröffnungssystemen um neue Ideen zu entdecken und Fallstricke zu erkennen. Du kannst deine Eröffnungen auch in Blitzpartien üben um kritische Varianten zu identifizieren und neue Ideen auszuprobieren.

Wie du dich für eine Eröffnung entscheidest und diese dann von Anfang an lernst, kannst du in unserem Trainingsbeitrag lesen:

Hier findest du Tipps für die konkrete Partievorbereitung:

Strategietraining

Eine Stellung richtig einzuschätzen und daraus einen erfolgreichen Plan zu entwickeln, gehört zu den größten Herausforderungen in einer Schachpartie. Deswegen ist es hilfreich, grundlegende Strategien und Manöver zu kennen. Dazu gehören beispielsweise das Spiel mit und gegen das Läuferpaar, die Behandlung unterschiedlicher Bauernstrukturen, die Ausnutzung von Felderschwächen und vieles mehr.

Strategische Themen lassen sich am besten mit einem Trainer erarbeiten, da dieser auf Rückfragen eingehen und Themen individuell vertiefen kann. Es gibt aber auch viele gute Bücher und Online-Kurse, die ihr für euer Strategietraining nutzen könnt.

Ein paar Buchempfehlungen sowie konkrete Trainingsinhalte findet ihr in unserer Trainingsrubrik:

Taktiktraining

Auch das Taktiktraining sollte ein wesentlicher Bestandteil deines Trainingsplans sein. Eine gute Visualisierungs- und Rechenfähigkeit hilft dir dabei, deinen Mattangriff zum erfolgreichen Ende zu bringen oder auch Fallen deines Gegners zu entdecken und zu verhindern.

Im Vergleich zu den anderen Bereichen ist Taktiktraining am einfachsten selbstständig umzusetzen und kann auch als kurzer Zeitblock von z.B. 15 Minuten in den Alltag integriert werden. Inzwischen gibt es viele Apps, die das Taktiktraining auch unterwegs unkompliziert ermöglichen. Für alle die es lieber klassisch mögen, hier unsere Taktikbücher-Empfehlungen:

Endspieltraining

Neben dem Taktiktraining eignen sich auch Endspielstellungen gut, um die Visualisierung zu trainieren. Denn mit nur wenigen Figuren auf dem Brett, fällt es uns leichter lange Varianten zu berechnen und die entstehenden Stellungen einzuschätzen.

Darüber hinaus solltest du aber auch die wichtigsten theoretischen Endspiele sowie allgemeine Endspielprinzipien (aktiviere den König, Türme gehören hinter die Freibauern etc) kennen. Dieses Wissen hilft dir bereits im Mittelspiel die richtigen (Abtausch-) Entscheidungen zu treffen.

Mentaltraining

Neben den grundlegenden Schachthemen Eröffnung, Mittelspiel, Endspiel und Taktik kannst du dich auch mentalen Themen widmen, die deine Leitung am Schachbrett beeinflussen. Diese Themen sind sehr individuell und können zum Beispiel das Zeitmanagement in der Partie, Umgang mit Misserfolgen oder Konzentration am Brett umfassen.

Was sind deine Stärken und Schwächen im Schach?

Grundsätzlich solltest du alle beschriebenen Themen in dein Schachtraining integrieren, diese aber abhängig von deinen schachlichen Stärken und Schwächen gewichten. Dabei gilt, dass du am meisten an den Themen arbeiten solltest, die dir in der Partie die größten Schwierigkeiten bereiten.

Vielleicht sind dir diese Schwächen bereits bewusst, meist lohnt es sich aber eine detaillierte Analyse der eigenen Stärken und Schwächen vorzunehmen. Das erreichst du am besten über die Analyse deiner eigenen Partien.

Partieanalyse

Bei der Partieanalyse handelt es sich um eine der wichtigsten Trainingsmethoden überhaupt. Am besten analysierst du jede deiner gespielten Turnierpartien so ausführlich, bis du die Schlüsselmomente identifiziert und wesentliche Fehler erkannt hast.

Auf diese Weise kannst du kontinuierlich deine Stärken und Schwachen ermitteln und daran dann gezielt arbeiten. Übersiehst du beispielsweise häufig einen taktischen Schlag oder hast Schwierigkeiten in geschlossenen Stellungen den richtigen Plan zu finden? Triffst du falsche Abtauschentscheidungen oder findest dich bereits in der Eröffnung in einer nachteiligen Stellung wieder? Dann sind genau das die Themen, die in deinem Trainingsplan priorisiert werden sollten.

Mehr Spaß und Trainingseffekt bringt eine Partieanalyse mit einem Trainer oder Trainingspartner. Insbesondere ein Trainer kann durch seine Spielstärke und seine Trainingserfahrung häufig Schwächen identifizieren, die man eigenständig nicht entdecken konnte. Daher bietet es sich an, für die Stärken- und Schwächenanalyse sowie die daraus resultierende Erstellung eines Trainingsplans einen Schachtrainer beratend einzubeziehen.

Auf die Verwendung einer Schach-Engine solltest du im ersten Schritt deiner Partieanalyse wenn möglich verzichten. Versuche dir zunächst selbst Gedanken zu machen und mit eigenen Berechnungen die Stellung zu verstehen. Anschließend kannst du die Engine dann nutzen, um deine Gedanken, Berechnungen und Stellungseinschätzungen zu überprüfen. In Eröffnungs- und Mittelspielstellungen  kannst du teilweise auch eine Partiedatenbank zur Hilfe nehmen. Vielleicht haben andere Spieler die Stellung bereits auf dem Brett gehabt und interessante Ideen gespielt!?

Wie viel Zeit möchtest du in dein Schachtraining investieren?

Nachdem du die Themen identifiziert hast, an denen du schwerpunktmäßig arbeiten möchtest, kannst du dir einen konkreten Trainingsplan erstellen. Dafür solltest du dir zunächst überlegen, wie viel Zeit du in dein Schachtraining investieren kannst/möchtest.

Ich persönlich habe mir ein Wochenziel von 7h Trainingszeit gesetzt und verteile diese auf die einzelnen Wochentage. Dabei trainiere ich unter der Woche morgens vor der Arbeit die Themen, die ich auch in kürzeren Einheiten gut trainieren kann (Taktik und Eröffnung), am Wochenende beschäftige ich mich dann ausführlicher mit Strategie- und Endspielthemen.

Je nachdem wie konkret du deine Trainingszeit planst, kannst du diese auch in einen Trainingsplan eintragen. In dem Bespiel rechts sind die einzelnen Einheiten detailliert beschrieben. Alternativ kannst du dir aber auch bestimmte Themen/Videos/Bücher etc. pro Woche oder Monat vornehmen.

Wichtig ist nur, dass du die Trainingsinhalte nach deinem Trainingsziel ausrichtest und dieses nicht aus den Augen verlierst.

Schach-Trainingsplan

Wenn ein Turnier oder Mannschaftskampf ansteht, kannst du deinen Trainingsplan entsprechend anpassen. Kurz vor einem Wettkampf darf das Eröffnungs- und Taktiktraining im Vordergrund stehen. Konkrete Tipps zur Turniervorbereitung findest du hier:

Nach dem Wettkampf wertest du deine Ergebnisse und Partien aus und lässt die Erkenntnisse in deinen Trainingsplan einfließen.

Tipps und Tricks für dein Schachtraining

Zum Schluss möchten wir dir noch ein paar hilfreiche Tipps und Tricks für dein Schachtraining mit auf den Weg geben. Lass uns gerne auch einen Kommentar unter dem Artikel da, wenn du weitere Empfehlungen hast.

Trainingsmethoden

Wenn du die Möglichkeit hast: such dir eine(n) Trainingspartner*in. Das motiviert und hilft die Disziplin aufrecht zu halten. Außerdem könnt ihr zu Zweit gut Trainingspartien spielen und analysieren.

Nutze zudem die Chance, dir Live-Kommentierungen von Topspielern anzuschauen. Dadurch bekommst du einen guten Einblick in die Denkweisen der Meister und kannst vor allem strategisch viel dazu lernen.

Falls du der Typ dafür bist: tracke deine Trainingszeiten und/oder Fortschritte. Das könnte dann zum Beispiel so aussehen:

Schach-Trainingsplan, Tracking

Eine weitere Trainingsmethode, die mir persönlich hilft, sind kurze und knackige Trainingseinheiten von 25 Minuten. In dieser Zeit konzentriere ich mich komplett aufs Training und nutze eine Pause danach um wieder Energie zu tanken. Das funktioniert für mich besser als ein stundenlanges Training, bei dem dann irgendwann die Konzentration schwindet.

Hilfreich kann auch das Schaffen von Gewohnheiten sein. Also jeden Tag zu einer bestimmten Uhrzeit oder einem bestimmten Anlass (auf dem Heimweg von der Arbeit) zu trainieren. So fällt es dir zunehmend leichter, dein Schachtraining in den Alltag zu integrieren und kontinuierlich an dir zu arbeiten.

Tools für dein Schachtraining

Du liest gerne Schachbücher, vermisst aber unterwegs das Schachbrett zum Nachspielen? Dann schau dir mal die Forward Chess App an. Damit kannst du E-Books auf deinem Tablet lesen und direkt in der App die Züge nachspielen. Probier es mal aus.

Ein anderes Tool, das ich gerne für mein Schachtraining nutze, ist der Chess Position Trainer. Damit kannst du deine Eröffnungen trainieren, indem du Zugfolgen wiederholst und dich in den einzelnen Stellungen testest. Hier ein ausführlicher Testbericht:

Viel Erfolg!

Nun hast du genügend Hintergrundwissen, um deinen eigenen Schach-Trainingsplan zu entwickeln bzw. zu überarbeiten. Beim Erreichen deiner Ziele wünschen wir dir viel Erfolg, vor allem aber auch viel Spaß .... denn der sollte beim Training nie zu kurz kommen!


Schreib uns gerne, wenn du noch Tipps und Tricks für die Erstellung oder Umsetzung eines Schach-Trainingsplans hast. Wir sind auf deine Anmerkungen und Ideen gespannt.

Kommentare: 2
  • #2

    Melanie (Samstag, 20 Februar 2021 20:38)

    Hallo Jongkong,
    vielen Dank für deinen Beitrag. Ich denke schon, dass man mit einer strategischen Grundausbildung und einem starken Fokus auf Angriff und Taktik gute Ergebnisse - ggf. auch eine Wertzahl von über 2000 - erzielen kann. Es gibt einige gute Vereinsspieler, die für ihr kompromissloses Angriffsspiel bekannt und gefürchtet sind und positionell schlechte Stellungen ggf. noch mit taktischem Gegenspiel "retten" können.
    Irgendwann wirst du dann aber an eine Grenze kommen, die sich nur mit Training der anderen Bereichen überwinden lässt.
    Viele Grüße
    Melanie

  • #1

    Jongkong (Samstag, 20 Februar 2021 19:47)

    Hallo zusammen! Ich würde gerne wissen, ob ihr glaubt, dass man mit einem absoluten Schwerpunkt auf Taktiktraining eine DWZ von 2000 erreichen kann. Natürlich meine ich damit nicht, dass man zu 100% nur Kombinationsaufgaben löst. Ein bisschen was über Opposition im Bauernendspiel, Vorposten für Springer, die Bedeutung der 7. bzw. 2. Reihe, starke und schwache Felder, das Läuferpaar und so weiter sollten sicherlich bekannt sein. Gar keine Frage. Aber wenn man auf all diesen vorgenannten sozusagen positionellen Bereichen eine passable Grundlage hat, kann man dann alleine durch das Kennen von vielen vielen taktischen Motiven und durch saubere, präzise Variantenberechnung ungefähr bei 2000 landen? Es gibt ja sogar eine Aussage zu einem Buch von Jakob Neistadt, in dem 700 Aufgaben enthalten sind. Das Zitat lautet, dass der Rezensent jeden auffordert, dass er sich ernsthaft mit diesem Buch beschäftigt und dann sollte jeder, der das getan hat, mindestens ein Candidate Master (CM) geworden sein. Das wäre ja also noch mal deutlich über 2000 DWZ sogar... Was denkt ihr?