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Warum du Schach spielen solltest

In Deutschland gibt es rund 100.000 in Vereinen gemeldete Schachspieler. Hinzu kommen immer stärker wachsende Schulschach-Initiativen und zahlreiche Schach-Liebhaber, die nicht im Verein sondern online oder im Freundeskreis Schach spielen. Warum ist Schach so beliebt? Welche Vorteile bietet der Schachsport? Und wie kann man vom Schach für das Berufsleben profitieren?

Hier meine Gründe warum auch du Schach spielen solltest:

Schach verbindet

Gens una sumus - Wir sind eine Familie. Das Motto des Weltschachbundes äußert sich nicht nur in der uneingeschränkten Duz-Kultur sondern vor allem auch in dem starken Gemeinschaftsgefühl unter Schachspielern. Trifft man auf einer Party oder im Berufsleben unverhofft auf Gleichgesinnte, fühlt man sich direkt durch das gemeinsame Hobby verbunden.

Im Verein, bei Turnieren oder anderen Schachveranstaltungen kommt man mit den unterschiedlichsten Leuten ins Gespräch, was ich als sehr wertvoll und bereichernd empfinde. Vor allem weil dabei weder Herkunft, Alter, Geschlecht oder Bildungsstand eine Rolle spielt und ich so schon viele Einblicke in mir vorher unbekannte Berufsfelder und Kulturen bekommen habe. Nicht zuletzt entstehen beim Schach viele Freundschaften und Partnerschaften - auch international.

Schach ist multikulti

Ich habe bisher an fünf Schacholympiaden teilgenommen und war jedes Mal von dem Aufeinandertreffen der zahlreichen Länder und Kulturen fasziniert. Aber nicht nur die prestigeträchtigen großen Events sind international aufgestellt, auch deutsche Open-Turniere bieten häufig ein buntes Teilnehmerfeld.

Durch die gemeinsame Unterbringung bei den Turnieren erlebt man sich nicht nur am Schachbrett, sondern auch beim Essen, beim Sport, beim geselligen Beisammensein oder der Spieler-Party. Es wird geredet, getanzt, gelacht. Es entstehen Freundschaften und man lernt andere Ansichten und Bräuche kennen. Bei all der Vielfältigkeit sprechen am Schachbrett dann aber doch alle die gleiche Sprache :-).

Schach ist generationsübergreifend

Schach ist eine der wenigen Sportarten, die man bis ins hohe Alter auf gutem Niveau betreiben kann. Das führt dazu, dass bei den Turnieren und Ligawettkämpfen meist mehrere Generationen aufeinandertreffen und auch Familienmitglieder unterschiedlichen Alters gemeinsam ein Turnier bestreiten können. Lässt sich also prima mit dem jährlichen Familienurlaub verbinden!

Schach ist flexibel

Jederzeit und überall: Schach ist zeit- und ortsunabhängig und damit wunderbar flexibel. Streng genommen braucht man nicht mal ein Schachbrett, da man mit etwas Übung auch "blind" spielen kann. Auf Online-Plattformen kann man auch ohne physisch anwesenden Gegner Freundschaftspartien oder Wettkämpfe austragen - und zwar zu jeder erdenklichen Uhrzeit.

Damit ist Schach übrigens auch ein krisensicheres Hobby, was sich gerade zur aktuellen Corona-Pandemie bemerkbar macht. Darüber berichtet auch der folgende Artikel:

Aber auch abgesehen vom Online-Schach lässt sich unser Hobby nahezu überall ausüben: im Zug, am Strand, auf der Wanderung, im Restaurant oder auch im Bett - alles was man braucht ist ein Schachbrett, das man in der entsprechenden Ausführung (z.B. als Reiseschach) theoretisch sogar in einer Hosentasche verstauen kann.

Schach ist kostengünstig

Und damit sind wir auch schon beim nächsten Punkt: Schach ist günstig. Das betrifft zum einen die Ausstattung, die gerade für dein Einstieg sehr erschwinglich ist. Siehe auch:

Als ambitionierter Turnierspieler investiert man in einen Laptop, der einen bei der Partievorbereitung und beim Training unterstützt und die zugehörige Schachsoftware:

Aber auch das ganze Drumherum wie Vereinsbeiträge, Trainerkosten, Startgelder bei Turnieren etc. ist im Vergleich zu anderen Sportarten überschaubar.

Warum sollte man Schach spielen?

Schach ist vielseitig

Trotz des geringen finanziellen Aufwands ist das Schachspiel sehr vielseitig. Es gibt unterschiedliche Bedenkzeiten (Klassisch, Blitz, Bullet etc.) mit entsprechenden Meisterschaften in jeder Kategorie. Aber auch die verschiedensten Schach-Varianten wie Schach 960, Tandem, Hoppel-Poppel, Schlagschach, Geisterschach uvm.

Wer eine optische Abwechslung haben möchte, kann sich auch ein Schachbrett mit Starwars- oder Herr-der-Ringe-Figuren besorgen. Außerdem gibt es Gartenschach-Varianten mit extra großen Figuren, aufblasbare Schachbretter für das Schwimmbad, Schoko-Schach und Trinkschachspiele.

Und auch das Spiel selbst ist unglaublich abwechslungsreich: keine Partie gleicht der anderen, es gibt unzählige Varientenbäume und Motive. Ich finde es immer wieder faszinierend, ganz neue Stellungsbilder und Manöver zu entdecken und lerne mit jeder Partie etwas dazu.

Schach fördert die Konzentrationsfähigkeit

Die fünfstündige Abi-Prüfung oder die Nachtschicht vor Abgabe der Masterarbeit - für Schachsspieler kein Problem. Denn wir sind es gewohnt, mehrere Stunden am Stück zu konzentrieren und dabei bestmögliche Leistungen zu erbringen.

Ich werde häufig gefragt, ob mir mein Psychologie-Studium beim Schach weitergeholfen hat. Eigentlich war es eher anders herum: durch das Schachspielen habe ich gelernt, fokussiert zu arbeiten, auch in schwierigen Situationen nicht aufzugeben und lieber noch einen anderen Lösungsweg zu probieren.

Schach macht erfinderisch

Denn genau diesen Ansatz verfolgt man im Schach: man betrachtet Probleme nicht nur aus einem Blickwinkel, sondern wägt verschiedene Strategien gegeneinander ab, in der Hoffnung am Ende die richtige Entscheidung zu treffen.

Wenn die typischen bzw. gelernten Lösungswege nicht zielführend sind, muss man häufig nach neuen Strategien und kreativen Auswegen aus kniffligen Situationen suchen. Diese Herangehensweise macht erfinderisch und lässt sich auch auf Alltagsprobleme anwenden.

Schach kommt gut an

Zugegeben: Schach ist (noch) keine Trendsportart, mit der man vor seinen Kumpels in der Schule angeben kann. Aber Intelligenz ist anziehend. Und Schachspieler werden nun mal für besonders schlau gehalten. Das können wir ja einfach mal so stehen lassen und uns über dieses positive Image freuen.

Im Berufsleben wirkt sich eine Schachlaufbahn besonders positiv aus. Nicht nur aufgrund der oben beschriebenen Kompetenzen, sondern auch weil das Thema im Lebenslauf und auch beim beruflichen Small-Talk meist gut ankommt. Die meisten begegnen der Schachwelt mit großem Interesse und Respekt - eine gute Möglichkeit um mit dem Lieblings-Hobby zu punkten. Wenn der Chef selbst Schachspieler ist, umso besser!

Schach macht Spaß

Das Wichtigste zum Schluss: Schach ist einfach toll! Ich liebe die Kombination aus Wettkampf, Spiel und geistiger Anstrengung. Es macht Spaß, sich mit dem Gegner zu messen und dabei alles selbst in der Hand zu haben. Keine Zufälle, kein Glück - nur Berechnung und strategische Entscheidungen. Wer die besseren Entscheidungen trifft, gewinnt in der Regel die Partie. Aber nicht immer. Denn es passieren auch Fehler, die die ganze Arbeit zunichte machen. Die Emotionen, die mit solchen Momenten einhergehen, sind für mich ebenfalls besonders: man weint, man lacht, man flucht, man strahlt .... und das alles wegen ein paar Holzfiguren. Aber diese Figuren sind eben meine Welt. Und vielleicht auch (bald) deine!?

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Kommentare: 1
  • #1

    Bernhard Schmitz (Donnerstag, 16 Juli 2020 13:33)

    Schach ist komplex. Man wird ständig überrascht. Man merkt, dass man Schach nicht verstanden hat. Schach ist eine ständige Herausforderung. Und im Gegensatz zu Spielen wie Monopoly gibt es ausgeklügelte Theorien. Man kann ständig dazulernen.