Welche Schachsoftware braucht man?

Das moderne Turnierschach ist eine Welt, in der man ohne computergestütztes Training nicht mehr weit kommt. Sei es für allgemeines Training, Partieanalysen, Vorbereitungen auf Partien oder auch das Erstellen und Pflegen eines Eröffnungsrepertoires - Computer sind aus dem Schach nicht mehr wegzudenken.

 

Viele ambitionierte Schachspieler verlieren schnell den Überblick zwischen den verschiedenen Angeboten und stellen sich die Frage: "Welches Schachprogramm passt zu mir?"

Wir geben euch einen Überblick über die beste Schachsoftware und was ihr davon wirklich braucht.

Schachsoftware - Ein Überblick

Zunächst einmal müssen wir eine Unterteilung vornehmen, denn Schachsoftware lässt sich grob in vier Kategorien einteilen:

 

1. Datenbank-Management

Entsprechende Software zum Datenbank-Management gibt euch eine Nutzeroberfläche, in der ihr arbeiten könnt. Sie ist das Grundgerüst eurer Ausstattung und ist vergleichbar mit dem Betriebssystem eines Computers.

2. Partiesammlungen

Eine Schachdatenbank ist eine Ansammlung von Stellungen und Partien. Die Partien aller großen und auch vieler kleinen Schachturniere werden heutzutage digitalisiert. Einige Unternehmen haben sich darauf spezialisiert, diese Partien zu sammeln und teilweise noch zu kommentieren.

Wichtig sind diese sogenannten "großen" Datenbanken vor allem für die gezielte Vorbereitung auf einen Gegner (Welche Eröffnungen spielt er? Was sind seine Stärken und Schwächen?) sowie zum Training (Wie haben Großmeister bestimmte Eröffnungen/Stellungen gespielt?).

Innerhalb der großen Datenbanken gibt es noch weitere Unterscheidungen, dazu später mehr.

3. Schach-Engines

Eine Schachengine ist ein (separates) Programm, dessen Aufgabe das Schachspielen ist. Es kann Stellungen und damit auch die Qualität von Zügen bewerten. Zur Analyse von Partien eingesetzt ist eine Engine sozusagen der Computer-Coach, der einem sagt, welche Züge gut und welche schlecht waren. Ebenso kann eine Engine für die Vorbereitung genutzt werden, um Eröffnungsschwächen der Gegner optimal auszunutzen oder gänzlich neue Eröffnungsideen auszuarbeiten.

4. Spezielles Lernmaterial

Unter speziellem Lernmaterial kann man alle Ausarbeitungen zu verschiedensten Themen zusammenfassen. Zum Beispiel Lernvideos zu Eröffnungen, zum Mittelspiel oder zu Endspielen. Die Auswahl an qualitativ hochwertigem Lernmaterial ist enorm und soll uns in einem anderen Beitrag beschäftigen.

Das habe ich verstanden...

Was genau brauche ich nun?

Ihr solltet euch nun zu den jeweiligen Kategorien die passende Software besorgen. So geht ihr vor:

 

1. Datenbank-Management

Anfänger bis Profis:

ChessBase 14 ist nicht nur unsere, sondern auch die Nummer 1 der meisten Schachspieler und fast (wir kennen keine Ausnahmen) aller Profis. ChessBase 14 ist derzeit die aktuellste Version, mit ChessBase 12 oder 13 könnt ihr aber auch nichts falsch machen.

 

2. Partiesammlungen

Anfänger:

Am Anfang eurer Schachkarriere genügt es eventuell noch, wenn ihr euch eine sogenannte "Big DataBase" zulegt. Diese könnt ihr euch herunterladen und offline nutzen oder benutzt den in ChessBase 14 inkludierten Zugang zur Online-Datenbank. Sie beinhaltet alle bis dato erfassten Schachpartien und dient euch als Grundlage eurer Partievorbereitung und zur Eröffnungs-/Mittelspiel-Analyse (Was spielen Großmeister in dieser Stellung?).

Ebenso könnt ihr die umfangreiche Datenbank von Chess24 nutzen. Nachteil: Chess24 ist eine webbasierte Lösung und kann dementsprechend nur mit Internetzugang genutzt werden.

 

Vereinsspieler:

Vereinsspieler greifen am besten zu kommentierten Datenbanken. Platzhirsch und auch unsere Empfehlung ist hier die "Mega DataBase" in ihrer jeweils aktuellen Fassung.

Der Vorteil: In der Mega Database findet ihr zahlreiche hochwertig kommentierte Partien. Über die Referenzsuche in bestimmten Stellungen könnt ihr euch gezielt die kommentierten Partien anschauen und erhaltet tiefe Einblicke und Erläuterungen. Gerade um Pläne und Ideen auf unbekanntem Terrain zu verstehen sind die kommentierten Partien Gold wert.

 

Profis:

Ihr wollt Eröffnungen für euer Repertoire oder auch für gezielte Vorbereitungen im absoluten Detail analysieren? Unfassbar tiefe Einblicke (meist zu tief um praxisrelevant zu sein!) gewährt euch die "Corr DataBase", eine Datenbanksammlung von Fernschach-Partien!

Fernschachpartien werden meist über Wochen und Monate unter Zuhilfenahme von Computern und Eröffnungsbüchern gespielt. Das schachliche Niveau der dort gespielten Eröffnungen ist also das absolute Maximum. Wir empfehlen die Fernschach-Datenbank wirklich nur und ausschließlich absoluten Eröffnungs-Nerds und Experten. Spieler bis zu einem Fide-Rating von 2500 können und sollten auf die Corr DataBase verzichten.

Weitere Spielereien sind Endspiel- und Eröffnungsdatenbanken. Unserer Meinung nach braucht ihr solche Datenbanken aber nicht. Endspiele lernt man mit Trainern und Büchern, für spezielle Eröffnungen kann man sich genauso gut per Filter hochwertige Partien aus der Mega DataBase ziehen.

Empfehlung: Spart euch das Geld.

 

3. Schach-Engines

Anfänger bis Profis:

Die in ChessBase 14 mitgelieferte Analyse-Engine ist sicherlich für viele Vereinsspieler ausreichend, aber nicht für jeden empfehlenswert. Für hochwertige Partie- und Eröffnungsanalysen empfehlen wir sich eine kommerzielle Engine zulegen.

Doch welche Engine ist die Beste? Ganz ehrlich: Die Spielstärkeunterschiede der Top-Engines finden sich auf einem Niveau, das derart tief im Detail steckt, dass es keine praktischen Auswirkungen mehr hat. Persönlich arbeiten wir gerne mit Komodo und auch Houdini, die wir auch beide uneingeschränkt empfehlen können. Stockfish beispielsweise hat aber auch einen guten Ruf.

Kostenlose Versionen:

Viele Hersteller bieten ihre älteren Versionen inzwischen kostenlos oder stark reduziert an. Wir persönlich investieren regelmäßig in die neusten Versionen, um in der Eröffnungsanalyse die besten Ergebnisse erzielen zu können. Für viele Spieler sind jedoch Engines wie Komodo 9, die inzwischen frei am Markt verfügbar sind, völlig ausreichend.

Entscheidend ist, für welche Zwecke ihr die Engine benötigt. Als Gegner in einer Schachpartie oder Hilfe bei der Partieanalyse? Dann ist eine finanzielle Investition nicht unbedingt notwendig. Wollt ihr aber in bestimmten (Eröffnungs-)Stellungen in die Tiefe gehen und hier vielleicht sogar Neuerungen entdecken oder schnell die beste Computerempfehlung erhalten? Dann lohnt es sich, ein paar Euro mehr auszugeben.

Kaufübersicht und ungefähre Preise

Bevor ihr nun wie wild alle Einzelprodukte kaufen geht, lest lieber noch einen Abschnitt weiter!

Im Nachfolgenden geben wir euch eine Übersicht über am Markt verfügbare Bundles. Das sind Produktpakete, bei denen ihr noch ein wenig Geld sparen könnt!

Je nachdem für welche Option ihr euch entscheidet, solltet ihr zumindest mal im ChessBase Shop und bei Amazon vorbeischauen. Teilweise gibt es hier oder dort Aktionen, die Links zu den einzelnen Paketen findet ihr nachfolgend.

Grundausstattung

Für Anfänger


Option 1:

  • ChessBase 14 mit Online-Datenbanknutzung
  • Separate Engine

 

Kosten: ca. 160€.

Option 2:

  • ChessBase 14 Startpaket mit integrierter Big DataBase
  • Separate Engine

Kosten: ca. 250€.

Gehobene Ausstattung

Für Vereinsspieler


Unsere Empfehlung:

  • ChessBase 14 MegaPaket mit Mega DataBase sowie Extras
  • Separate Engine

Kosten: ca. 330€.

ChessBase 14 Megapaket

Expertenausstattung

Für Profis


  • ChessBase 14 Premiumpaket mit zusätzlicher Corr DataBase und Endspieldatenbank
  • Separate Engine

Kosten: ca. 430€.



Ihr habt jetzt hoffentlich einen guten Überblick über die gängigste Schachsoftware und habt euer passendes Produkt gefunden. Bei weiteren Fragen zögert nicht uns eine Nachricht zu schreiben!

 

 

**Disclaimer:

Die von uns angegebenen Links sind Referenzlinks. Sie führen euch ohne Nachteile direkt zum Produkt. Wenn ihr auf die Produkte durch unseren Artikel aufmerksam geworden seid, dann unterstützt die Nutzung der Referenzlinks unsere Arbeit.

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Kommentar schreiben

Kommentare: 9
  • #1

    Houdini (Sonntag, 18 Juni 2017 11:46)

    Ein sehr guter Artikel. So will man die Tipps aufgelistet bekommen. Übersichtlich und praktisch. Top!

  • #2

    Dr. Röntgen (Mittwoch, 21 Juni 2017 16:43)

    Natürlich muss man keine Schach-Engine kaufen, es gibt genügend starke (und ich meine Magnus-hätte-nicht-den-Hauch-einer-Chance-starke) Schach-Engines umsonst im Internet.

  • #3

    Nikolas (Mittwoch, 21 Juni 2017 16:59)

    Danke für euer Feedback!
    Dr. Röntgen, du hast natürlich Recht, diese kostenlosen Engines gibt es. Folgendes ist zum Beispiel bei Komodo der Fall:
    Komodo 11 ist die aktuellste Version und kostet ca. 60€
    Komodo 10 ist auch bereits unfassbar stark und kostet ca. 17€.
    Komodo 9 ist ebenso grandios und kostet nichts!
    Aber jetzt frage ich euch:
    Was passiert, wenn wir alle nur die kostenlose Version abgreifen? Mit unserem Verhalten steuern wir den Markt und im obigen Beispiel wäre das Signal: "Arbeite nicht hart an einer grandiosen Engine, niemand zahlt Geld dafür!"
    Ich bin der festen Überzeugung, dass wir alle in der Verantwortung sind, dass gute Arbeit auch bezahlt wird.

  • #4

    Andreas (Montag, 26 Juni 2017 02:50)

    >Ich bin der festen Überzeugung, dass wir alle in der Verantwortung sind, dass gute Arbeit auch
    >bezahlt wird.

    Naja, es gibt auch Open Source Software. Viele Entwickler arbeiten gemeinsam daran kostenlose Software bereit zu stellen. Stockfish ist eine Open Source Engine und für den normalen Vereinsspieler aus meiner Sicht vollkommen ausreichend. Ich nutze Stockfish und ich habe damit auch kein schlechtes Gewissen, denn die Entwickler haben die Software explizit mit einer Open Source Lizenz entwickelt, damit sie frei verfügbar ist.
    Das mag man jetzt gut oder schlecht finden.
    Ein Großteil der Firmen und Start-Ups die mit SW-Entwicklung Ihr Geld verdienen, arbeiten mit freier Software wie Linux und Git. Wenn die das nutzen, warum ich nicht??
    Will sagen, man sollte sich keine Raubkopien holen, das ist Mist, aber Software die explizit von ihren Machern entwickelt wurde, damit sie frei verfügbar ist, die kann man sich schon holen.

  • #5

    Nikolas (Mittwoch, 28 Juni 2017 09:25)

    Hallo Andreas,
    ich gebe dir völlig Recht. Stockfish macht tatsächlich ebenso sehr gute Arbeit, wir werden unseren Artikel mal überarbeiten.
    Die Diskussion ist im Rahmen von Schachengines wohl auch etwas fehl am Platz, viel mehr stört mich die überragende Zurückhaltung vieler Spieler auch nur kleinste Beträge für ihr Hobby auszugeben. Wenn jeder Spieler, der z.B. die gängigen Schachseiten gern besucht und dort seine Freude hat auch bereit wäre seine Geldbörse einen Spalt weit zu öffnen...Wo kämen wir da hin? Bei den vergleichbar geringen Produktionskosten im Schachsport könnte so genialer Content produziert werden...

  • #6

    Andreas (Sonntag, 02 Juli 2017 12:44)

    >viel mehr stört mich die überragende Zurückhaltung vieler Spieler auch nur kleinste Beträge für ihr Hobby auszugeben.

    verstehe ich, sehe ich genauso. Ist schon seltsam, dass so wenige bereit sind für content im Netz zu bezahlen. Betrifft ja nicht nur Schach, selbst Spiegel Online hat Probleme seine Leser dazu zu bekommen, für Artikel zu bezahlen (Spiegel+ war eher ein Flopp).

    Andererseits, wenn ich von mir selber ausgehe, dann ist meine knappste Ressource aber nicht das Geld, sondern die Zeit. Ich versuche im Jahr 4 bis 5 Turniere zu spielen. Wenn man jetzt nicht nur so zusammengepresste Turnier wie Grenke spielen will (keine Kritik am Grenke Open, das war toll), dann kostet das halt schon mal die eine oder andere Woche Urlaub.
    Aber auch ganz normal unterm Jahr wird die Zeit knapp. Arbeit, Familie, Freunde, andere Interessen benötigen auch Zeit. Ich schaffe es aktuell, dass ich meine tägliche Taktik mache, aber viel mehr geht nicht. Ich habe z.B. das Magazin Schach64 aboniert, aber das stapelt sich gerade im Regal. :-(
    Aber ich schweife schon wieder ab, sorry.

    Zum Thema Schachsoftware noch ganz kurz.
    Fürs Taktiktraining unterwegs (in der Bahn, im Wartezimmer...) mag ich die App CT-ART 4.0.


    Schöne website, interessante Artikel!

    Gruß
    A.

  • #7

    Melanie (Sonntag, 02 Juli 2017 15:49)

    Vielen Dank für euer ausführliches Feedback.
    Insbesondere das Thema Engines wurde stark diskutiert. Deswegen haben wir nun noch einen Absatz über kostenfreie Versionen in den Artikel aufgenommen.

  • #8

    Benny (Dienstag, 04 Juli 2017 16:33)

    Netter Artikel, wenn auch etwas einseitig bezüglich der Auswahl. Ich persönlich vermisse in der Liste noch das Programm "Aquarium" von ChessOK, welches gerade zum Erforschen von Eröffnungen wunderbar geeignet ist und viele Funktionen zur Verfügung stellt, die es in Chessbase nicht gibt. Für mich eine gute und günstige Ergänzung.

    Bezüglich Apps auf dem Smartphone kann ich ebenfalls CT-Arts empfehlen. Durch die Zusammenarbeit der beiden Firmen ChessOK und ChessKing sind um die 20 Trainings-Apps erschienen, welche wirklich gut sind.

    Was die Engineauswahl betrifft, ist Stockfish nun schon ziemlich lange die Nummer 1 zum Analysieren, jedoch kann ich mir kaum vorstellen, dass heutzutage ein ambitionierter Schachspieler nur noch mit einer Engine analysiert. Während Stockfish schon mit wenig Bedenkzeit gute Ergebnisse liefert, kommt Komodo wie ein alter Diesel erst nach einiger Zeit in Fahrt, aber dann auch mit tollen Ergebnissen und interessanten Ideen. Vergessen dürfen wir hier aber auch nicht Rybka. Auch wenn diese Engine nicht mehr ganz oben mitspielt, ist es doch die einzige Engine, welche ab Version 3 in der Lage ist, Festungen zu erkennen und zu knacken. Deswegen sollte gerade in Stellungen in denen eine Seite ein Remis mit einer Festung abklammern will, diese Engine zum Analysieren mit eingesetzt werden.

    Nochmal Danke für den Artikel. Hübsche Webseite. Weiter so! :-)

  • #9

    Kai-Uwe Hoge (Freitag, 07 Juli 2017 11:41)

    Hallo,

    nicht so bekannt aber recht gut aus meiner Sicht (ICCF 2178 Elo) ist als Datenbank openingmaster. com. Da ist für einen recht günstigen Preis bereits eine Fernschachdatenbank enthalten.
    Dem Lob für "Aquarium" kann ich mich nur anschliessen.
    Nachdem ich andere Datenbank-Management-Programme (SCID vs. PC, Ches Assistant) ausprobiert habe: Chessbase ist in der Tat nicht zu übertreffen