Partieanalyse: N. Lubbe - M. LUBBE

In dieser Partieanalyse erfährst du:

  • wie man sich gegen den Ehemann vorbereitet
  • wie man die gegnerischen Figuren einschränkt und Raum gewinnt
  • wie man mit einem zentralen Freibauern spielt

Die Partie wurde in der ersten Runde des Braunschweiger GM-Turniers 2019 gespielt, das Niko im weiteren Verlauf seine erste GM-Norm sowie den Turniersieg einbrachte.

[Event "Braunschweig GM"] [Site "chess24.com"] [Date "2019.10.21"] [Round "1.2"] [White "Lubbe, Nikolas"] [Black "Lubbe, Melanie"] [Result "1-0"] [ECO "B06"] [WhiteElo "2431"] [BlackElo "2242"] [Annotator "Melanie"] [PlyCount "107"] [EventDate "2019.??.??"] [WhiteTeam "Deutschland"] [BlackTeam "Deutschland"] [WhiteTeamCountry "GER"] [BlackTeamCountry "GER"] {Gegen jemanden zu spielen, den man sehr gut kennt, ist immer eine besondere Herausforderung. Besonders schwierig finde ich es, alle zwischenmenschlichen Emotionen und Gedanken während der Partie auszuschalten. Das ist gar nicht so einfach, wenn einem der eigene Ehemann gegenüber sitzt - wie in der ersten Runde des Braunschweiger GM-Turniers 2019.} 1. d4 {Eine weitere Herausforderung stellt in so einem Kontext die Eröffnungsvorbereitung dar. Man kennt den Gegenüber mit seinen theoretischen Schwächen und Vorlieben sehr gut und weiß, dass es andersherum genauso ist. Deswegen wird meist nicht von den Hauptwaffen Gebrauch gemacht sondern früh versucht, die bekannten Pfade zu verlassen. Auch ich habe hier nicht meine Hauptfortsetzung 1...Sf6 gewählt.} g6 2. g3 (2. e4 {Mit Übergang in die Moderne Verteidigung.}) 2... Bg7 3. Bg2 d6 {Die Entwicklung des Sg8 wird noch zurückgehalten. Noch ist nicht klar, ob der Springer auf f6 oder e7 besser steht. Ggf. wird auch erst f5 und anschließend Sf6 gespielt.} 4. e4 Nd7 {Soll e7-e5 unterstützen.} (4... c5 {wäre ebenfalls möglich um das Zentrum anzugreifen. Wichtig ist, dass Schwarz früher oder später mit e5 oder c5 den Kampf ums Zentrum aufnimmt.}) 5. Ne2 e5 6. O-O { Weiß möchte im Zentrum noch nicht die Spannung lösen, indem er sich für dxe5 oder d5 entscheidet.} Ne7 7. dxe5 {Der Zug hat mich etwas überrascht, da Weiß hier freiwillig die Spannung im Zentrum auflöst. Wahrscheinlich wollte Niko die Option exd4 aus der Stellung nehmen, was zwar aus schwarzer Perspektive das Zentrum aufgibt, allerdings die h8-a1 Diagonale geöffnet lässt.} (7. Nbc3 {wurde hier am häufigsten gespielt. Eine mögliche Fortsetzung:} O-O 8. Be3 c6 $14) 7... dxe5 (7... Nxe5 $6 {ist auch eine Überlegung wert, überlässt jedoch Weiß das Zentrum. Außerdem steht der Springer dort in möglichen f2-f4 Vorstößen drin.}) 8. Be3 O-O {Nach der Eröffnungsphase war ich mit meiner Stellung recht zufrieden. Weiß hat zwar durch den Anzugsvorteil und den ungünstig positionierten Sd7 eine etwas bessere Stellung erreicht, dennoch habe ich mich mit diesem Stellungsbild wohl gefühlt.} 9. Na3 {entwickelt die letzte Leichtfigur ohne den Se2 zu beschränken (was nach 9.Sbc3 der Fall gewesen wäre).} (9. c4 {wäre der etwas natürlichere Zug gewesen.}) 9... b6 10. Qd2 Ba6 (10... Nf6 {wäre eine gute Idee gewesen: baut Druck gegen e4 auf, bereitet den Damentausch vor und aktiviert die schwarzen Figuren.}) 11. Rfd1 Nf6 {Einen Zug später ist die Idee nicht mehr so stark, da Weiß nun dem Damentausch ausweichen kann und der Läufer auf a6 nicht optimal steht.} 12. Qe1 (12. Qxd8 $2 {entlastet Schwarz.} Rfxd8 $11) 12... Qc8 13. c4 {schränkt den La6 ein und schafft Raum. Außerdem wird die Kontrolle des d5-Feldes verstärkt.} Qe6 14. Nc3 Ng4 (14... Bxc4 { ist sehr riskant.} 15. Nxc4 Qxc4 16. Rac1 $14 {Sd5 liegt in der Luft, die Dame hat kaum geeignete Rückzugsfelder. Weiß hat durch das Läuferpaar und die aktiven Figuren starke Kompensation.}) 15. Bg5 f6 16. Bd2 Nc6 {Der Springer strebt nach d4. Allerdings sind die restlichen schwarzen Figuren recht unkoordiniert, was Weiß auch direkt ausnutzt.} 17. Nd5 Rf7 18. h3 Nh6 19. Be3 {Mit großem Vorteil für Weiß.} Kh8 {Es drohte Dd2 mit Angriff auf den Sh6. Durch Kh8 verschafft man dem Springer nun ein Rückzugsfeld auf g8.} 20. Nb5 Rc8 21. Qd2 Ng8 {Schwarz kann geradeso noch alles zusammenhalten.} 22. a4 { Die Idee besteht darin, als nächstes mit b4 den Druck am Damenflügel weiter zu erhöhen. Aus praktischer Sicht wäre jedoch erst b4 ratsamer gewesen, um die Verwicklungen aus der Partiefortsetzung zu vermeiden.} (22. b4 $16) 22... Na5 23. Qc3 c6 {Nun wird es taktisch.} (23... c5 {wäre die bessere Alternative gewesen. Nun ist b4 nicht mehr so einfach möglich und der Springer kann über c6 nach d4 überführt werden.}) 24. Nxa7 Nxc4 (24... Rxa7 $2 25. Nxb6 Rcc7 26. Qxa5 $18) 25. Nxc8 cxd5 26. exd5 Qxc8 {Schwarz hat 2 Figuren für einen Turm, der d-Freibauer ist aber sehr stark.} 27. d6 Rd7 28. Bd5 (28. b4 {stellt Schwarz direkt vor große Probleme.} Nxd6 29. Qxc8 Bxc8 30. Bxb6 $18) 28... Nxe3 (28... Nxd6 $2 29. Be6 Qxc3 30. bxc3 Rd8 31. Bxb6 $18) 29. Qxc8 $5 (29. Qxe3 Rxd6 30. Bxg8 Rxd1+ 31. Rxd1 Kxg8 32. Qxb6 Bf8 33. Rd8 Qc4 34. Qxf6 $18 {und die weißen Schwerfiguren sind zu stark.}) 29... Bxc8 30. fxe3 Rd8 (30... Rxd6 $4 31. Bxg8 Rxd1+ 32. Rxd1 Kxg8 33. Rd8+ $18) 31. Rac1 $6 {eine Ungenauigkeit mit der der weiße Vorteil schwindet.} (31. b4 $16 { mit der Idee sich mit a5 einen zweiten Freibauern zu bilden.}) 31... Bd7 32. b3 f5 $2 (32... Bf8 $11 33. Bc6 $2 Bxh3 $15) 33. Bc6 $1 Be6 34. b4 Bf8 35. a5 bxa5 36. bxa5 Rxd6 37. Rxd6 Bxd6 38. a6 {und der nächste Freibauer läuft.} Bb8 39. Rc5 Ne7 40. Rxe5 $1 Bxe5 (40... Nxc6 41. Rxe6 Nb4 42. Re8+ $18) 41. a7 Nxc6 42. a8=Q+ Nb8 {3 Figuren für die Dame ist gar kein so schlechtes Materialverhältnis. Die Figuren stehen aber leider sehr unkoordiniert und sind dazu noch ungedeckt.} 43. Qa3 Nc6 44. Qc5 {Jetzt geht etwas verloren.} Bf7 (44... Bd7 45. Qf8#) 45. Kf2 (45. Qxc6 $18 {wäre natürlich auch möglich gewesen.}) 45... Kg7 46. Qxc6 h5 47. Qd7 {Der Rest ist eine "Frage der Technik".} Bf6 48. Kf3 Be5 49. g4 fxg4+ 50. hxg4 hxg4+ 51. Kxg4 Kf6 52. Qd8+ Ke6 53. Kg5 Bg7 54. e4 1-0
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