M. Lubbe - A. Feuerstack

Aus meiner Partie gegen IM Aljoscha Feuerstack beim Lüneburger A-Open 2019 habe ich so einiges über Endspiele lernen können. Nach einer ruhigen Eröffnungsphase fanden wir uns bald in einem Turm/Läufer und schließlich in einem Turmendspiel wieder. Mit einem geschickten Manöver konnte mein Gegner seine Bauern am Königsflügel mobilisieren und damit ein Wettrennen einleiten, das er für sich entscheiden konnte.

Mein Tipp: schaut euch unbedingt die Variante mit 64.Kxa7 an - der Gewinnzug sehr beeindruckend.

[Event "Lüneburg - A Group"] [Site "chess24.com"] [Date "2019.08.08"] [Round "6.5"] [White "Lubbe, Melanie"] [Black "Feuerstack, Aljoscha"] [Result "0-1"] [ECO "B15"] [WhiteElo "2258"] [BlackElo "2450"] [Annotator "Melanie"] [PlyCount "148"] [EventDate "2019.??.??"] [WhiteTeam "Deutschland"] [BlackTeam "Deutschland"] [WhiteTeamCountry "GER"] [BlackTeamCountry "GER"] {[%evp 0,148,16,28,65,58,60,37,43,25,31,31,40,27,28,44,33,22,39,33,26,24,41,20, 40,30,51,47,39,24,63,51,45,33,42,43,47,49,49,23,19,8,6,0,9,-3,0,6,4,-16,-5,-5, -6,-10,-12,0,0,0,10,4,24,20,-9,-22,53,33,59,-8,32,21,19,22,7,0,7,0,0,0,0,0,0, -1,-6,-10,-10,-10,-6,0,0,0,0,0,31,28,18,0,0,-8,0,-22,-22,0,0,-87,-99,-108,-105, -111,-111,-179,-187,-222,-278,-278,-287,-292,-215,-218,-275,-406,-170,-168, -289,-296,-326,-324,-320,-313,-313,-595,-806,-982,-982,-992,-1002,-1022,-1022, -1022,-1032,-1032,-1032,-29979,-29976,-29977,-29972,-29973,-29980,-29989, -29986,-29987,-29988]} 1. e4 c6 2. d4 d5 3. Nc3 dxe4 4. Nxe4 Nf6 {Schwarz möchte direkt den aktiven weißen Se4 tauschen, nimmt dafür einen Doppelbauern in Kauf.} ({Die häufigste Fortsetzung ist hier} 4... Bf5) ({ Gefolgt von} 4... Nd7) 5. Nxf6+ exf6 (5... gxf6 {ist ebenso spielbar.} 6. c3 Bf5 7. Nf3 e6 8. g3 Bd6 9. Bg2 Nd7 10. O-O $14) 6. c3 Bd6 7. Bd3 O-O 8. Ne2 ({ Häufiger gespielt wird} 8. Qc2 Re8+ 9. Ne2 h5 10. O-O h4 11. h3 {mit einer sehr interessanten, für beide Seiten gut spielbaren Stellung.}) 8... Re8 9. O-O (9. Qc2 {Zugumstellung zu 8.Dc2}) 9... Nd7 10. Bf4 {mit der Idee den guten schwarzen Läufer zu tauschen.} Nf8 {macht Platz für Dame und Läufer und kann später über g6 oder e6 aktiviert werden.} 11. Bxd6 Qxd6 12. Ng3 { Wenn Schwarz nichts dagegen unternimmt, kann der Springer ggf. unangenehm auf f5 auftauchen.} g6 {schränkt den weißen Springer ein und nimmt den Druck von h7.} 13. Ne4 Qd8 14. Re1 {Kleiner Trick: Weiß droht nun Sxf6} Be6 (14... a5 $4 15. Nxf6+ Qxf6 16. Rxe8 $18) 15. Qf3 (15. Nc5 {ist auch gut spielbar. Die Stellung nach} Qc7 16. Re3 $14 {ist etwas angenehmer für Weiß, aber nah am Ausgleich.}) 15... f5 16. Nc5 Bd5 17. Rxe8 Qxe8 18. Qg3 (18. Qe3 $11) 18... Qb8 ({Nach} 18... b6 {hat Weiß mehrere gute Optionen seinen Springer umgruppieren. } 19. Nb7 (19. Nb3 {[%cal Yb3d2,Yd2f3,Yf3e5,Yd2c4,Yc4e5]}) 19... Qe7 20. Nd6 { [%cal Rd6f5,Yd6c4,Yc4e5]}) 19. Re1 $6 {sieht logisch aus, ist aber nicht die beste Idee. Weiß kann von der e-Linie kaum profitieren und sollte daher besser direkt am Damenflügel die Initiative suchen.} (19. Qxb8 Rxb8 20. a4 $14 ) 19... Ne6 20. Nxe6 (20. c4 $2 {wäre ein Fehler.} Nxc5 21. dxc5 (21. cxd5 $4 Qxg3 22. hxg3 Nxd3 $19) 21... Be6 $15) 20... Qxg3 21. hxg3 Bxe6 22. a3 { Schlüsselstellung 1: In der Partie habe ich die Stellung etwas falsch eingeschätzt. Ich hatte das Gefühl, aufgrund der schwarzen Bauernstruktur am Königsflügel und meiner Bauernmajorität am Damenflügel besser zu stehen. Tatsächlich hat Schwarz hier aber einen kleinen Vorteil, da er seinen König besser aktivieren und einen Minoritätsangriff am Damenflügel starten kann.} Rd8 (22... a5 $15) 23. Re5 $6 (23. b4 {richtet sich gegen c5.}) 23... b6 (23... Kf8 $15) 24. Be2 {Die Umgruppierung des Läufers ist eine gute Idee, da er auf d3 momentan nicht gut steht.} Kg7 25. Bf3 $6 {Zu früh. Ich hätte das Manöver mit f4 noch weiter vorbereiten sollen.} (25. f4) 25... Rd6 (25... c5 $1 {ein sehr starker Zug. Schwarz verteidigt seinen c6-Bauern aktiv und greift gleichzeitig das weiße Zentrum an. Durch einen hübeschen Zwischenzug ist der c5 indirekt gedeckt.} 26. dxc5 (26. d5 Bd7 27. b3 a5 $15 {Weiß hat zwar nun einen Freibauern, dieser verstellt aber den eigenen Läufer. Außerdem ist die Struktur am Damenflügel gut angreifbar.}) 26... Kf6 $1 27. Re1 bxc5 $15 { Die schwarzen Figuren sind aktiver, der b2 schwach. Auf} 28. b4 {kan Schwarz mit} Rd2 $1 {reagieren.} 29. bxc5 Ra2 30. c6 Rxa3 31. Rc1 Ra5 $17) 26. b4 Kf6 27. a4 Bd7 {wirft einen Röntgen-Blick auf a4. Somit muss Weiß immer mit c5 rechnen. Außerdem hat Schwarz mit Te6 die Option, die Türme zu tauschen. Das kann mit dem aktiven schwarzen König eine gute Möglichkeit für Schwarz sein. } 28. Re1 {prophylaktisch gegen Te6 gerichtet. Bereitet zudem einen Schwenk auf den Damenflügel vor.} (28. a5 $6 Re6 29. Rxe6+ $5 {repariert die schwarze Bauernstruktur.} (29. Re2 Rxe2 30. Bxe2 Ke6 $11) 29... fxe6 $15) 28... g5 $6 { diese Änderung der Bauernstruktur kommt eher Weiß zugute.} 29. a5 $2 { eine unnötige Veränderung der Bauernstruktur, die es Schwarz ermöglicht, die Initiative wiederzuerlangen.} (29. Kf1 {mit der Idee Le2-d3 wäre hier besser gewesen. Weiß überstürzt nichts und verbessert langsam die eigenen Figuren.} Re6 30. Be2 h6 31. Rd1 $16) 29... bxa5 30. bxa5 g4 31. Be2 Re6 (31... Be6 $15) 32. Kf1 c5 $5 {Interessant, aber objektiv nicht die beste Fortsetzung. } 33. dxc5 (33. d5 Re4 34. c4 $11 {stellt zwar die Bauern auf Weiß, über die b-Linie kann Weiß aber guten Druck aufbauen.}) 33... Bc6 (33... Re5 34. Rb1 Bc8 35. Bb5 Rxc5 36. c4 $15) 34. Rd1 {droht Lc4 nebst Td6+.} Ke7 (34... Bxg2+ { führt zu einem ausgeglichenen Turmendspiel.} 35. Kxg2 Rxe2 $11 {Eine interessante Variante entsteht nach:} 36. Rd6+ (36. Rd7 {sieht verlockend aus. Nach} Re5 37. Rxa7 Rxc5 {muss Weiß aber genau spielen, um nicht in Nachteil zu geraten.}) 36... Re6 37. Rb6 $5 Ke5 (37... axb6 $4 38. cxb6 Ke5 39. b7 Re8 40. a6 $18) (37... Ke7 38. Rb7+ (38. a6 Kf6 39. f3 $11) 38... Kf6 39. Rb6 $11) 38. a6 Kd5 39. Rb7 Rxa6 40. Rxf7 $11) 35. Rb1 Re5 36. a6 Kd7 {verhindert Tb7+} (36... Rxc5 37. Rb7+ Ke6 (37... Bxb7 $4 38. axb7 $18) 38. Rxa7 Rxc3 39. Ke1 $11 ) 37. Bb5 Rxc5 38. Bxc6+ Rxc6 (38... Kxc6 $2 39. Rb7 Rxc3 40. Rxa7 Ra3 41. Rxf7 Rxa6 42. Rf6+ Kb5 43. Rxf5+ $16) 39. Rb7+ Rc7 40. Rb3 Rc6 41. Rb7+ Rc7 42. Rb3 Ke6 {Das Endspiel ist objektiv ausgeglichen - kein Grund sich auf Remis zu einigen. Hier haben beide Seiten noch Ideen.} 43. Ke2 Rc6 {um den weißen Turm schlechter zu stellen.} 44. Ra3 Rc5 45. Kd3 h5 46. c4 f4 $1 {Schwarz muss die Initiative am Königsflügel suchen.} 47. Kd4 (47. gxf4 {wäre auch möglich gewesen.} h4 {nun hat Schwarz bald einen gefährlichen entfernten Freibauern.} 48. Ra1 Rh5 (48... h3 49. f3 ({Das Schlagen auf h3 sollte Weiß vermeiden} 49. gxh3 $2 gxh3 50. Rh1 Rh5 51. Ke4 h2 $19 {hier gerät Weiß nämlich schnell in Zugzwang-Situationen.}) 49... g3 50. gxh3 Kf5 51. Ke3 Rxc4 52. Ra5+ Ke6 53. Rg5 $11) 49. Rh1 h3 50. Rh2 $11 {und Weiß muss die Stellung aushalten.} ({Aber nicht} 50. gxh3 $4 Rxh3+ $19)) 47... Rf5 48. c5 $2 {Der Wendepunkt.} (48. Ra2 { wäre hier notwendig gewesen.} fxg3 49. fxg3 Kd6 50. Rb2 Ra5 51. Rb7 Rxa6 52. Rxf7 $11) 48... Rd5+ 49. Kc4 Rd2 50. gxf4 {Alle anderen Züge verlieren direkt. } h4 $1 {verschenkt keine Zeit.} (50... Rxf2 51. Re3+ Kd7 52. Rd3+ Kc7 53. g3 $11) 51. Ra1 {zu passiv.} (51. Re3+ Kd7 52. Re5 Rxf2 53. Rf5 $15 h3 $2 54. gxh3 gxh3 55. Rxf7+ $14) 51... Rxf2 52. Rh1 Rxf4+ 53. Kb5 Rf2 (53... g3 {ist auch stark.} 54. c6 Rf5+ 55. Kc4 Rf2 56. Rxh4 Rxg2 57. Kd3 $17) 54. Re1+ $2 { Der finale Fehler.} (54. Rxh4 {wäre notwendig gewesen.} Rxg2 55. Kc6 $11 { und die Stellung ist objektiv ausgeglichen, praktisch aber alles andere als leicht zu spielen.}) 54... Kf6 55. c6 Rxg2 56. Rc1 (56. c7 $2 Rb2+ 57. Kc6 Rc2+ 58. Kb7 g3 $19) 56... Rb2+ $1 57. Kc5 Rb8 (57... Ke7 $19) 58. c7 {Das Wettrennen beginnt.} Rc8 59. Kc6 h3 60. Rh1 Kg5 61. Kb7 Rxc7+ 62. Kxc7 Kh4 63. Kb7 g3 64. Rf1 (64. Kxa7 {wäre ein besserer Versuch gewesen.} g2 65. Rg1 { Hier muss Schwarz nämlich noch} Kh5 $3 {finden.} (65... h2 66. Rxg2 h1=Q 67. Rb2 f5 68. Rb6 Kg5 69. Kb8 $11) 66. Kb8 h2 67. Rxg2 h1=Q 68. Rb2 Qc6 $1 { Der Unterschied ist nun, dass Weiß nicht seine Idealaufstellung schafft.} 69. Ka7 (69. a7 Qd6+ 70. Kb7 Qe7+ 71. Kb8 Qe5+ 72. Kc8 Qxb2 73. a8=Q Qh8+ $19) 69... f5 $19) 64... g2 65. Rxf7 h2 (65... g1=Q $2 66. Rh7+ Kg3 67. Rg7+ Kh2 68. Rxg1 Kxg1 69. Kxa7 h2 70. Kb8 h1=Q 71. a7 $11) 66. Rh7+ Kg3 67. Rg7+ Kf4 68. Rxg2 h1=Q 69. Kxa7 Qxg2 70. Kb8 {Weiß ist einen Zug zu langsam. Würde der Bauer bereits auf a7 stehen, wäre die Stellung remis.} Qb2+ 71. Ka8 Qc3 72. Kb7 (72. a7 Qc8#) 72... Qb4+ 73. Ka8 Qc4 74. Kb7 Qb5+ {Ich finde die Partie vor allem wegen des interessanten Turmendspiels sehr lehrreich. Wenn beide Seiten Freibauern auf unterschiedlichen Flügeln haben, kommt es häufig darauf an wer schneller ist - und nicht wer über mehr Bauern verfügt. Schwarz hat in der Partie seine Königsflügel-Majorität sehr gut ausnutzen und in Bewegung bringen können. Die Variante nach 64.Kxa7 hätte auch aus einer Studie sein können.} 0-1
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