Patrick Wiebe - WGM M.Lubbe

Hier eine weitere Verlustpartie im Rahmen unserer Titel Challenge. Gegen Patrick Wiebe bin ich zu viel Risiko eingegangen, was in einer schönen Angriffspartie bestraft wurde.

[Event "Erfurter Schachfestival"] [Site "?"] [Date "2018.12.30"] [Round "8"] [White "Wiebe, Patrick"] [Black "Lubbe, Melanie"] [Result "1-0"] [ECO "A16"] [WhiteElo "2236"] [BlackElo "2345"] [Annotator "Melanie"] [PlyCount "73"] [EventDate "2018.??.??"] [SourceVersionDate "2018.12.31"] {Die Partie wurde in der letzten Runde des Erfurter Schachfestivals 2018 gespielt. Das Turnier lief nicht besonders gut für mich, mit einem Schlussrundensieg hätte ich aber noch eine ganz gute Platzierung erreichen können.} 1. c4 Nf6 2. g3 g6 3. Bg2 Bg7 4. Nc3 O-O 5. d3 (5. Nf3 {Ist die Hauptvariante.} d6 6. O-O ({Weiß kann auch jederzeit} 6. d4 {einschieben}) 6... e5 $14) 5... d6 {Wie so häufig strebte ich mit Schwarz den königsindischen Aufbau an. Weiß hat sich mit 5.d3 für einen selteneren aber nicht ungefährlichen Aufbau entschieden. Der Vorteil besteht darin, dass man dem Schwarzen erst mal keine Angriffspunkte im Zentrum bietet und in Ruhe die Stellung verbessern kann. Außerdem funktionieren die "Standardpläne" des Nachziehenden häufig nicht so gut gegen den d3-Aufbau.} 6. Bg5 {Die Idee ist Dd2 zu spielen, bzw. h6 zu provozieren.} (6. e4 {nebst Sge2 ist die Hauptfortsetzung für Weiß}) 6... h6 (6... Nbd7 7. Qd2 c6 8. Bh6 {[...] 1-0 (51) Carlsen,M (2850)-Jones,G (2623) Berlin 2015}) 7. Bd2 c5 ({Auch möglich und häufiger in der Praxis gespielt:} 7... e5 8. e4 Nc6 9. Nge2 Nd7 10. O-O Nc5 11. Be3 Nd4 $11) 8. a3 Nc6 9. Rb1 {Weiß versucht b4 durchzusetzen.} a5 { Und Schwarz stellt sich dagegen.} 10. Nf3 e5 11. O-O {Weiß hat aufgrund der Felderschwächen d5 und b5 eine etwas angenehmere Stellung.} Ne8 {Der falsche Plan. Ich wollte mittels f5 am Königsflügel spielen, hätte mich aber besser aufs Zentrum konzentrieren sollen.} (11... Be6 12. Ne1 d5 $11) 12. Ne1 { Ein typisches Manöver: der Springer wird über c2 an den Damenflügel überführt.} f5 {Wer A sagt muss auch B sagen.} 13. Nc2 a4 $5 {Eine interessante Idee gegen b4. Der Nachteil: der Bauer kann nicht einfach verteidigt und somit schnell zur Schwäche werden.} 14. b4 $6 {Genau das was ich erreichen wollte: den Vormarsch am Damenflügel erschweren ohne eine Schwäche zu behalten.} (14. Na1 Qa5 $14) ({Am stärksten wäre gewesen:} 14. Ne3 $1 Nd4 15. Be1 $14 {Prophylaktisch gegen Sb3 gerichtet. Mit der Idee: Sed5 und e3.}) 14... axb3 15. Rxb3 Nf6 {Hier war ich mit meiner Stellung recht zufrieden. Das weiße Spiel am Damenflügel wurde erschwert, meine Figuren stehen harmonisch und die Stellung befindet sich im dynamischen Gleichgewicht.} 16. Nd5 {Sb6 könnte unangenehm werden, deswegen ist der Abtausch des Sd5 die richtige Entscheidung.} Nxd5 17. Bxd5+ (17. cxd5 {ist auch möglich.} Nd4 18. Nxd4 exd4 $15 {Und Schwarz steht aufgrund der harmonischeren Bauernstruktur etwas angenehmer}) 17... Kh7 18. e3 {Richtet sich gegen f4 von Schwarz und bereitet selbst f4 vor.} Qe7 (18... Qc7 {wäre wohl etwas besser gewesen, weil durch die Deckung des b7 dann der Lc8 entwickelt werden kann.}) 19. f4 $6 { Mit diesem Zug nimmt Weiß den Kampf ums Zentrum auf. Allerdings muss Weiß nun auch Felder- und Bauernschwächen in Kauf nehmen.} Ra7 $11 {Deckt den Bauern b7 um anschließend die Entwicklung abschließen zu können.} (19... Be6 {Diese interessante Idee hatte ich in der Partie leider nicht gesehen.} 20. Bxe6 Qxe6 21. Rxb7 Rab8 22. Rxb8 Rxb8 23. Bc3 d5 $44 {Und Schwarz hat aufgrund der Figurenaktivität genügend Kompensation für den Bauern.}) 20. Qf3 Bd7 ( 20... Qc7 {hätte mir Stress erspart, da die Dame nun bei der Deckung des b7 unterstützt.}) 21. Rfb1 Nd8 {Schwarz hat alles unter Kontrolle, muss aber genau spielen.} 22. Rb6 Ba4 {Ein Einschub um den weißen Springer schlechter zu stellen.} 23. Ne1 Bc6 {Jetzt ist der a3 angegriffen.} 24. Bc1 e4 $6 { Ich hätte hier die Spannung halten müssen. Der Partiezug erschwert das schwarze Spiel im weiteren Verlauf auch wenn die Stellung weiterhin ausgeglichen ist.} ({Tatsächlich ist} 24... Rf7 $11 {hier der beste Zug, mit dem Schwarz den Ausgleich hält.}) 25. dxe4 fxe4 26. Qd1 Rf5 $2 {Die erste größere Ungenauigkeit.} (26... Bc3 27. Ng2 Ba5 $14) 27. g4 Rf8 28. Ng2 $14 { Eine schwierige Stellung für Schwarz. Es gibt wenige aktive Ideen, die Weiß nicht noch zusätzliche Angriffspunkte verschaffen.} g5 {Kein objektiver Fehler aber ein riskanter Zug, nach dem das Spiel sehr scharf wird.} 29. Qd2 gxf4 (29... Nf7 $14) 30. exf4 (30. Nxf4 Qh4 31. Qg2 Qe1+ 32. Qf1 Qh4 33. h3 $14 ) 30... Bd4+ (30... Ne6 $11 {hält den Ausgleich} 31. Bxc6 $2 bxc6 32. Rxc6 $4 Nd4 $19 {[%cal Rd4c6,Rd4f3]}) 31. Kh1 Bxd5 32. cxd5 Qe5 {Gute Idee, falsches Feld.} (32... Qg5 33. Rxd6 Qxg4 $11 {mit sehr komplexem Spiel}) 33. Bb2 (33. fxe5 $4 Rf1#) (33. Qa2 $1 $16 {deckt den d5. Langfristig hat es Schwarz schwer, alle Schwächen zusammenzuhalten.}) 33... Qxd5 34. Ne3 Qa2 35. Ra1 {Bis hierhin war es eine sehr spannende Partie mit kleineren Ungenauigkeiten auf beiden Seiten, die sich stets im dynamischen Gleichgewicht befand. Hier dann in Zeitnot der fatale Fehler:} (35. Qc2 {wäre eine andere mögliche (und komplizierte) Fortsetzung gewesen.} Rxf4 36. Rxd6 Nf7 37. Bxd4 Qxc2 38. Nxc2 Nxd6 39. Bxc5 Ra6 40. Nb4 $11) 35... Bxe3 $4 (35... Qf7 36. Bxd4 cxd4 37. Qxd4 Qxf4 38. Rf1 {Ich hatte nur bis hierhin gerechnet und die Variante leider zu früh abgebrochen.} Qe5 $11 {hält die Stellung aber noch zusammen.}) 36. Qxd6 $1 (36. Qxe3 Qd5 $11) 36... Qe6 37. Qxf8 {Mein Fazit zur Partie: eine typische umkämpfte Königsindisch-Partie, in der ich mit f5 und g5 etwas zu viel Risiko eingegangen bin. Insgesamt bin ich dennoch bis Zug 35 ganz zufrieden.} 1-0