F. Osmanodja - M. Lubbe

Die Partie wurde beim German Masters der Frauen 2019 in Magdeburg gespielt. Sie beinhaltet jede Menge lehrreiche Aspekte wie zum Beispiel Spiel mit und gegen das Läuferpaar, Figurenaktivierung und Ausnutzung von Bauern- sowie Felderschwächen.

Event "chess24.com"] [Site "chess24.com"] [Date "2019.05.29"] [Round "4.1"] [White "Osmanodja, Filiz"] [Black "Lubbe, Melanie"] [Result "1-0"] [ECO "B23"] [WhiteElo "2260"] [BlackElo "2278"] [Annotator "Melanie"] [PlyCount "173"] [EventDate "2019.??.??"] [WhiteTeam "Deutschland"] [BlackTeam "Deutschland"] [WhiteTeamCountry "GER"] [BlackTeamCountry "GER"] {[%evp 0,173,19,31,72,49,54,48,46,-1,-1,-20,25,29,32,34,28,-35,1,11,10,-25,43, -10,-31,-51,-21,-29,-34,-41,-35,-39,-47,-57,-54,-41,-45,-83,-82,-64,-56,-50, -20,-47,-53,-73,-84,-93,-87,-83,-62,-73,4,0,-33,-30,0,0,0,0,10,11,8,-3,0,0,0,0, 5,12,62,61,55,55,55,61,66,59,87,81,80,71,71,50,79,71,93,73,66,22,14,14,2,1,0,0, 6,43,22,27,42,45,49,58,61,44,48,54,78,108,111,117,116,121,129,125,134,118,121, 137,144,160,160,154,159,162,158,142,147,108,142,108,142,140,152,123,137,123, 147,147,173,175,179,125,143,125,141,107,112,137,147,156,182,177,227,249,309, 318,386,404,477,341,388,404,403,462,463,457,483,655,715,669,674,666,686,758] Die Partie wurde 2019 beim German Masters der Frauen in Magdeburg gespielt. Mit 1,5/3 war bei mir noch alles im grünen Bereich, wohingegen Filiz mit 0/3 denkbar schlecht ins Turnier gestartet war. Filiz hat sich aber schon sehr oft mit einer enormen mentalen Stärke zurück ins Turnier gekämpft - deswegen darf man sie zu keinem Zeitpunkt unterschätzen.} 1. e4 c5 2. Nc3 {Die Zugfolge hat Filiz 2016 schon mal gegen mich gewählt. Damals hat sie nach Sc6 mit 3.f4 fortgesetzt. Die Partie endete nach langem Kampf Remis.} Nc6 3. Bb5 { Hier gibt es einige spielbare Fortsetzungen für Schwarz. Der Hauptzug ist aber Sd4.} Nd4 4. Bc4 (4. Nf3 {ist auch gut spielbar für Weiß} Nxb5 5. Nxb5 d6 6. d4 Nf6 7. Nc3 $14) 4... e6 5. Nge2 (5. Nf3 {auch möglich, aber nicht ganz so beliebt wie Sge2. In manchen Varianten bekommt Weiß mit einer Fesslung durch den Läufer auf g4 Probleme.}) 5... a6 ({Häufiger wird hier} 5... Nf6 {gespielt.}) 6. a4 Ne7 {Meine Idee bestand darin, den Springer nach c6 zu überführen und somit den Springer auf d4 zu festigen.} 7. O-O (7. Nxd4 $6 {bringt Weiß nichts.} cxd4 8. Ne2 d5 $11) 7... Nec6 8. f4 {Die weiße Idee besteht nun darin, Schwarz am Königsflügel und im Zentrum unter Druck zu setzen.} Be7 9. d3 O-O 10. Be3 {Die Eröffnungsphase ist mehr oder weniger abgeschlossen, beide Seiten haben sich so gut es geht entwickelt. Nun geht es darum, den richtigen Plan zu finden.} Rb8 {Ich war mit meiner Stellung in diesem Moment recht zufrieden. Der Lc8 spielt zwar noch nicht mit, mit b5-b4 kann ich aber schnell Raum am Damenflügel gewinnen und anschließend meine Figuren aktivieren. Für Weiß ist es hingegen nicht so einfach, einen Plan voranzutreiben.} 11. Ng3 (11. e5 $2 {hilft nur Schwarz weiter, der nun das Feld f5 zur Verfügung hat.} Nf5 12. Bf2 d5 $15) ({Auch} 11. f5 $2 {ist keine gute Idee.} b5 12. Ba2 Nxe2+ 13. Qxe2 b4 $15 {Und Weiß kann den Angriff am Königsflügel nicht so schnell verstärken.}) 11... Nb4 $1 {Die richtige Idee: zwingt Weiß dazu das Läuferpaar aufzugeben.} 12. Bxd4 cxd4 13. Nce2 d5 { und Schwarz hat alles erreicht was er sich wünschen kann. Man hat das Läuferpaar und Kontrolle über das Zentrum.} 14. Bb3 (14. exd5 $2 {Weiß sollte das Feld d5 nicht dem schwarzen Springer überlassen.} b5 {als kleiner Einschub um schon mal b7 für den Lc8 freizumachen.} 15. axb5 axb5 16. Bb3 Nxd5 $17) 14... dxe4 15. Nxe4 ({Auf} 15. dxe4 $2 {kann Schwarz direkt mit d3 nachlegen.} d3 16. cxd3 Nxd3 $19 {[%cal Ra7g1] und Weiß hat zu große Probleme auf den schwarzen Feldern.}) 15... b6 {mit der Idee den Lc8 nach b7 zu entwickeln.} (15... b5 $15 {wäre noch etwas besser als der Partiezug gewesen.}) 16. N2g3 Nd5 (16... g6 $17 {verhindert f5 und auch, dass der Springer nach h5 kommt.}) 17. Bxd5 {Der Springer wird auf e3 sonst zu unangenehm.} Qxd5 18. Nh5 {Weiß versucht Gegenspiel zu generieren. Es droht Dg4.} f5 {wehrt das weiße Gegenspiel ab und vertreibt den Springer von e4. Der Nachteil ist, dass nun die Bauernstruktur festgelegt wird und man die Kontrolle über e5 verliert.} (18... Bb7 $4 19. Qg4 g6 20. Nhf6+ $18) (18... Qd8 $17 {wäre eine gute und weniger verpflichtende Alternative zum Partiezug gewesen.}) 19. Nd2 g6 (19... Bb7 $1 20. Qe2 g6 21. Ng3 Rfc8 $17 {und Schwarz steht wegen des Läuferpaars und der aktiveren Figuren sehr gut.}) 20. Ng3 { Bis hierhin ist alles optimal für mich gelaufen. Ich habe eine sehr gute Stellung erreicht, hier jedoch nicht den richtigen Plan verfolgt. Am besten wäre es gewesen, mit Lb7 und Tfc8 die Entwicklung abzuschließen und Weiß langsam weiter unter Druck zu setzen.} e5 $5 21. fxe5 (21. Re1 $1 Bf6 22. fxe5 Bxe5 23. Qf3 $15 {und Weiß profitiert plötzlich von der offenen e-Linie.}) 21... Qxe5 22. Re1 Qc7 (22... Qc5 {ist vielversprechender.}) 23. Nf3 Bf6 24. Ne2 Qd6 (24... Rd8 $17) 25. Qd2 Bd7 $2 {Das falsche Feld für den Läufer. Meine Idee war es, damit das Feld e6 weiter gedeckt zu halten - habe jedoch die Partiefortsetzung unterschätzt.} (25... Bb7 $1 {wäre besser gewesen, da man die Dame auf d6 dann mit einem Turm decken kann.} 26. Qf4 ({Vor} 26. Nf4 $4 {braucht man keine Angst zu haben.} Bxf3 27. gxf3 Bg5 $19) 26... Rfd8 $17) 26. Qf4 $1 {Ein sehr starker Zug, der die ungünstige Konstellation der schwarzen Schwerfiguren ausnutzt.} Qxf4 (26... Qc5 {wäre die Alternative gewesen, die Weiß mit} 27. h4 $132 {jedoch auch gutes Gegenspiel verspricht.}) 27. Nxf4 $11 {Wie ist die Stellung einzuschätzen? Ich würde es mal als dynamisches Gleichgewicht bezeichnen. Dynamisch deswegen, weil es viele Ungleichgewichte in der Stellung gibt. Zum einen das Materialverhältnis: Läuferpaar gegen Springerpaar. In den meisten Stellungen würde man das Läuferpaar bevorzugen, hier haben die Springer jedoch gute Einbruchsfelder und die Läufer können aufgrund der schwarzen Bauernstruktur nicht ihre volle Wirkung entfalten. Ein weiteres Ungleichgewicht besteht in der Bauernstruktur: Schwarz verfügt über drei Bauerninseln und einen vereinzelten d-Bauern, der auch gut von Weiß angegriffen werden kann. Im weißen Lager könnte der c2 eine Schwäche darstellen.} Rfe8 $2 ({Am stärksten wäre hier die folgende Abwicklung gewesen.} 27... Rbc8 28. Ne6 Rfe8 29. Nexd4 g5 30. c3 g4 31. Nd2 Bxd4+ 32. cxd4 Rxe1+ 33. Rxe1 Bxa4 $11) {Nun kann Weiß mit} 28. Nd5 {die Initiative ergreifen } Bg7 29. b3 {deckt den a4. Schwarz muss jetzt schon sehr genau spielen. B6 ist schwach, a6 ebenfalls (Sc7-Drohungen), der Lg7 ist an das Feld f6 und den Bauern d4 gebunden. Der Ld7 kann auch nicht ziehen, weil sonst Gabeln auf e7 oder c7 möglich wären.} Kf8 {um den in der Luft liegenden Gabeldrohungen aus dem Weg zu gehen.} (29... Rb7 {ist objektiv betrachtet zwar nicht besser als die Partiefortsetzung, aus praktischer Sicht aber einfacher zu spielen. Sc7 wird verhindert, demnächst kann Schwarz nun auch Lc6 spielen}) 30. Rxe8+ Bxe8 (30... Rxe8 $2 31. Nxb6 Bc6 32. Kf2 $16) 31. Nc7 {es droht Sf6+, daher muss ich den Bauern a6 aufgeben.} Bf7 32. Nxa6 Rc8 33. Ra2 {Die Stellung befindet sich immer noch im Ausgleich. Weiß hat zwar einen Bauern gewonnen, der Sa6 steht aber sehr abseits und kann nicht so einfach ins Spiel zurückgebracht werden.} Bf6 $2 {Die Idee: weitere Felder zu kontrollieren. Ist allerdings zu langsam, den Weiß kann schnell seinen anderen Springer zur Unterstützung heranholen.} (33... Ke8 $11) 34. Nd2 {Die Drohung Sc4 ist sehr unangenehm für Schwarz.} Rc6 35. Nc4 {nun droht Sb8} Re6 36. Kf1 Bd8 37. Ra1 Rc6 (37... g5 $16 {scheint hier der beste Zug zu sein. Die Stellung ist aber auch hier unangenehm für Schwarz.}) 38. Nb4 Rf6 39. Ne5 {Weiß tanzt dem Schwarzen mit den Springern auf der Nase herum. Es droht Sd7!} Be8 40. Nf3 Rd6 41. Ne5 g5 42. h3 h5 {Meine Hoffnung: die Stellung weiter zu öffnen und Diagonalen für meine Läufer zu finden.} 43. Nc4 Re6 44. Re1 $2 {Weiß sollte besser die Türme auf dem Brett behalten. Nach} Rxe1+ 45. Kxe1 {bekomme ich nun die Chance, mit} b5 $1 {eine meine Bauernschwächen aufzulösen.} 46. axb5 Bxb5 $11 {und die Stellung ist wieder im Ausgleichbereich, da das Läuferpaar mit Bauern an beiden Flügeln genügend Kompensation für den Minusbauern darstellt.} 47. Na2 {Um der Drohung Lxc4 nebst La5 auszuweichen. Und den Springer über c1 umzugruppieren.} Ke7 (47... h4 {wäre wichtig gewesen, um Weiß die Möglichkeit zu nehmen selbst h4 zu spielen.} 48. Nc1 Bf6 49. Ne2 Ke7 $11) 48. Nc1 Ke6 49. Ne2 Bf6 50. h4 $1 {Sehr starke Idee in der Stellung. Weiß nutzt aus, dass der Lf6 an d4 gebunden ist und Schwarz somit auf h4 schlagen muss. Dadurch erhält man das wichtige Feld f4 für den Springer.} gxh4 51. Nf4+ Kd7 52. Nxh5 {Weiß hat es geschafft, die schwarzen Bauern zu vereinzeln und dadurch wichtige Felder für die Springer zu schaffen. Es ist sehr schwer für Schwarz, alle Felder- und Bauernschwächen zu kontrollieren.} Bh8 53. Nf4 Bg7 $2 (53... Bf6 {wäre notwendig gewesen.}) 54. Ng6 Bf6 55. Nce5+ Kd6 56. Nf3 {Und nun geht bereits der nächste Bauer verloren. Ich habe zwar noch lange gekämpft und versucht, meiner Gegnerin noch so viele Probleme wie möglich zu bereiten, am Ende musste ich mich aber geschlagen geben.} Be8 57. Ngxh4 Ke6 58. g3 Bh5 59. Kf2 Bg7 60. Ng2 Be8 61. Nf4+ Kd6 62. Ne2 Kc5 63. Nh4 Bd7 64. Kf3 Be5 65. Ng6 Bc6+ 66. Kf2 Bf6 67. Ngf4 Bd7 68. Ke1 Be5 69. Kd2 Kb4 70. Ng6 Bf6 71. Nef4 Kc5 72. Kc1 Bc6 73. Kb2 Bf3 74. Ka3 Kd6 75. b4 Bc6 76. Kb3 Bb5 77. Nh4 Bxh4 78. gxh4 Ke5 79. h5 Be8 80. h6 Bf7+ 81. Kb2 Bg8 82. b5 Kd6 83. Ka3 Kc5 84. Ka4 Kb6 85. Nh5 Bh7 86. Nf6 f4 87. Nd5+ {Fazit zur Partie: die Eröffnungsphase ist sehr gut für Schwarz gelaufen. Ich konnte das Läuferpaar erobern und meine Figuren optimal platzieren. Durch die Ungenauigkeit 25...Ld7 konnte Weiß in einem günstigen Moment die Damen tauschen und in ein Endspiel mit beiderseitigen Chancen abwickeln. Im Endspiel habe ich dann ungenau gespielt und insbesondere das h4-Manöver von Weiß zugelassen. Dadurch wurden Bauern und Felder geschwächt, was Filiz sehr gut ausgenutzt hat.} 1-0

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