WGM M. Lubbe - Jakob Pfreundt

Die folgende Partie ist beim GRENKE Chess Open 2018 in Karlsruhe entstanden und wurde als achte Verlustpartie im Rahmen der Titel Challenge kommentiert.

[Event "GRENKE Chess Open"] [Site "?"] [Date "2018.04.01"] [Round "6"] [White "Lubbe, M."] [Black "Pfreundt, J."] [Result "0-1"] [ECO "B70"] [WhiteElo "2304"] [BlackElo "2394"] [Annotator "Melanie"] [PlyCount "134"] [EventDate "2018.??.??"] [SourceDate "2018.04.08"] [SourceVersionDate "2018.04.08"] 1. e4 c5 2. Nf3 g6 3. d4 cxd4 4. Nxd4 Nc6 5. Nc3 ({Die Zugfolge des "Beschleunigten Drachen" gibt Weiß die Möglichkeit, hier mit c4 den Morczy-Aufbau zu wählen, was sonst mittels Sf6 und Angriff auf e4 verhindert wird.} 5. c4 {Der Aufbau führt in der Regel zu leicht angenehmeren Stellungen für Weiß, aber auch zu einer ganz anderen Partie :-)}) 5... Bg7 6. Nb3 Nf6 7. Be2 O-O 8. O-O d6 9. Bg5 {Da ich gegen Drachen und beschleunigten Drachen meist den gleichen Aufbau wähle, kommt es häufig über Zugumstellungen zur gleichen "Ausgangsstellung". Hier hat Schwarz verschiedene Fortsetzungen, bei dem Partiezug handelt es sich um die Hauptvariante.} Be6 {unterstützt die Idee d6-d5 und räumt das Feld c8 für den Turm.} 10. Kh1 {bereitet f4 vor.} ({ Direktes} 10. f4 {würde Schwarz ermöglichen, b5 ohne weitere Vorbereitung zu spielen.} b5 11. Bxb5 Qb6+ 12. Kh1 Nxe4 $15) 10... h6 ({Häufiger werden} 10... Na5 {und}) (10... Rc8 {gespielt}) 11. Bh4 {hält den Druck gegen e7 aufrecht und plant Sd5.} g5 12. Bg3 d5 {Durch das h6-g5-Manöver konnte Schwarz den Lg5 mit Tempo vertreiben und ein Zwischenschlagen auf f6 verhindern. Die Idee dahinter: der Durchbruch im Zentrum mittels d5.} 13. Nc5 {nutzt aus, dass das Feld c5 nun nicht mehr kontrolliert ist.} (13. exd5 Nxd5 14. Nxd5 Qxd5 15. c3 $11) 13... d4 ({Nach} 13... dxe4 14. Nxe6 fxe6 15. Bc4 {hat Weiß das leicht angenehmere Spiel aufgrund der geschwächten schwarzen Bauernstruktur.}) 14. Nb5 (14. Nxe6 $2 {bringt hier nichts, da nach} fxe6 {der Sc3 die Deckung des e4-Bauern aufgeben muss.}) 14... Bc8 {Auf den ersten Blick steht Weiß mit seinen Springern und dem Lg3 sehr aktiv. Allerdings können die Springer sehr leicht wieder vertrieben werden und Weiß muss sich auch um den e4 kümmern.} 15. e5 (15. Nc7 {bringt auch keinen Vorteil.} Rb8 16. Nd5 e5 $11) (15. Bc7 Qe8 16. Bg3 {der Versuch einer Zugwiederholung scheitert} e5 $1 17. Nc7 Qe7 18. Nxa8 Qxc5 $17) 15... Nd5 16. Nxd4 Nxe5 17. c3 {befestigt den Sd4 und beschränkt die Wirkung des Lg7.} Nf4 {holt sich das Läuferpaar, schwächt aber auch die schwarze Bauernstruktur.} 18. Bxf4 gxf4 19. Qc2 {Die Stellung befindet sich ungefähr im Ausgleich.} Qb6 20. b4 (20. Ncb3 {wär ebenfalls möglich gewesen.}) 20... Qg6 21. Qxg6 Nxg6 22. Bf3 {aktiviert den Läufer und bindet die schwarzen Figuren an den b7.} Rb8 23. Rfe1 Ne5 24. Be4 $6 {Ich wollte meinen zweiten Läufer nicht auch noch geben. Das Problem von Le4 ist aber, dass der Sc5 nun kein vernünftiges Rückzugsfeld mehr hat.} (24. Be2 { wär deswegen besser gewesen.} b6 25. Na6 $11) 24... b6 25. Nd3 Nxd3 26. Bxd3 { Dieser Abtausch hat Schwarz geholfen sich zu entknoten. Sobald Schwarz seine Entwicklungsprobleme gelöst hat, kann er von dem starken Läuferpaar profitieren.} e6 {verhindert Txe7 und kontrolliert das Feld f5.} (26... Rb7 $15 {wäre auch eine gute Option gewesen.}) 27. Rac1 (27. Nc6 Rb7 28. Rac1 { stört die Koordination der schwarzen Figuren noch etwas länger. Auch hier muss Weiß jedoch um Ausgleich kämpfen.}) 27... Bb7 {Schwarz hat nun die Entwicklung abgeschlossen und aufgrund des Läuferpaars sowie der geschwächten weißen Bauernstruktur am Damenflügel einen leichten Vorteil.} 28. Be4 {Getreu dem Motto: beim Spiel gegen das Läuferpaar sollte man versuchen einen Läufer zu tauschen.} Rfc8 {Die Stellung ist schon sehr schwer für Weiß, da der Lg7 und die Türme enormen Druck ausüben. Deswegen hier der Versuch dynamisches Spiel zu entwickeln.} 29. Nb5 Bxe4 30. Rxe4 a6 $1 $17 { Leider gibt es nun kein aktives Feld für den Springer, der deswegen reumütig wieder zurück nach d4 muss.} 31. Nd4 (31. Nd6 $2 Rc6 32. Rd1 Rd8 $19) 31... Rc4 {[%cal Rc4e4,Rc4c1,Rg7d4] Fesselt sowohl den Sd4 als auch den c3. Es droht e5 mit Figurengewinn.} 32. f3 {deckt den Te4} Rd8 $1 (32... Rbc8 {ist nicht ganz so gut wie der Partiezug, aber immer noch stark.} 33. Ne2 Rxe4 34. fxe4 Rc4 35. Nxf4 Rxe4 $17) 33. Ne2 (33. Kg1 $4 Rdxd4 $19) 33... Rxe4 34. fxe4 Rd2 { der aktive Turm stellt Weiß vor große Probleme.} 35. Nd4 (35. Nxf4 Bxc3 36. a3 Ra2 $19) 35... Bxd4 36. cxd4 Rxd4 $19 {Das Turmendspiel ist hoffnungslos für Weiß.} 37. a3 Rxe4 38. Kg1 Re3 39. Rc6 Rxa3 40. Rxb6 Ra2 41. b5 axb5 42. Rxb5 Kg7 {Auch wenn Weiß noch ein paar Probleme bereiten kann, der Rest ist Technik.} 43. Rb8 e5 44. Re8 f6 45. Re7+ Kg6 46. Re8 Ra4 47. Kf2 e4 48. Re7 Kf5 49. Re8 Ra2+ 50. Kf1 e3 51. Re7 h5 52. Re8 h4 53. h3 Rf2+ 54. Kg1 f3 55. Rxe3 Rxg2+ 56. Kf1 (56. Kh1 Rg3 57. Kh2 f2 $19) 56... Kf4 57. Re6 f5 58. Rh6 Rh2 59. Rh8 (59. Rxh4+ Kg3 $19) 59... Rxh3 60. Kg1 Rg3+ 61. Kf1 Rg4 62. Kf2 Rg2+ 63. Kf1 Ra2 64. Kg1 h3 65. Rxh3 Ke3 66. Rh8 Ra1+ 67. Kh2 f2 {Eine positionelle Partie, in der Schwarz seinen Vorteil schrittweise ausgebaut und kein Gegenspiel zugelassen hat. Es gab keinen entscheidenden Fehler aus weißer Sicht, eher mehrere ungenaue Züge, die in der Gesamtheit dann zur Niederlage geführt haben.} 0-1