Eröffnungskatastrophe

Neben meiner ganz persönlichen schachlichen Katastrophe gibt es vom vierten Tag beim Lüneburger Schachfestival aber auch wieder einige Highlights zu berichten:

A-Open

Ich glaube ich stand in meiner gesamten Schachlaufbahn noch nie so schnell auf Verlust wie heute. Nach fünf Zügen hätte ich eigentlich aufgeben können. Das Schlimmste: Niko hat genau diesen Fehler auch schon mal (bei der Deutschen Meisterschaft) gemacht und ich habe diese Partie auch noch für unsere Halloween-Lernstunde (Partien zum Gruseln) kommentiert.

Meine Stellung heute
Meine Stellung heute
Stellung aus der Partie Graf - Lubbe
Stellung aus der Partie Graf - Lubbe

Das Problem ist, dass Schwarz nach 5.dxe5 nicht wiederschlagen kann. Nach 5...dxe5 folgt 6.Dd5 +-, auf 5...Sxe5 folgt 6.Sxe5 dxe5 7.Dh5 mit Bauerngewinn.

Es ist ein schwacher Trost, dass mir so eine Katastrophe gegen einen 300 Elo stärkeren Gegner passiert ist. Die Erfahrung war auf jeden Fall schmerzhaft genug, dass sie mir nun Erinnerung bleibt. Manchmal bewahrheitet sich leider die Aussage, dass man manche Fehler erst selbst machen muss :-).

Runde 3: Blick in den Turniersaal      © Simon Ochsmann
Runde 3: Blick in den Turniersaal © Simon Ochsmann
Vor der Runde noch mit Lächeln im Gesicht ;-) © Simon Ochsmann
Vor der Runde noch mit Lächeln im Gesicht ;-) © Simon Ochsmann

Neben meinem Gegner sind nach drei Runden im A-Open noch elf weitere Spieler ungeschlagen:

A-Open: Stand nach der dritten Runde
A-Open: Stand nach der dritten Runde

GM-Turnier

GM-Turnier: Ergebnisse der vierten Runde
GM-Turnier: Ergebnisse der vierten Runde

Auch im GM-Turnier konnte Sergei Ovsejevitsch wieder siegreich sein und kommt somit in beiden Turnieren zusammen auf bemerkenswerte 7/7 Punkte.

Ebenfalls gewinnen konnte IM Parvanyan. Sein Qualitätsopfer gegen Jakob Pajeken hat Nachahmungspotential:

Mit 26...Sb6! lässt Schwarz die Qualität auf b4 stehen, die Weiß besser nicht hätte schlagen sollen
Mit 26...Sb6! lässt Schwarz die Qualität auf b4 stehen, die Weiß besser nicht hätte schlagen sollen
Durch das freigewordene c5-Feld können die Springer nun gemeinsam die weißen Bauern angreifen und abholen
Durch das freigewordene c5-Feld können die Springer nun gemeinsam die weißen Bauern angreifen und abholen
Am Ende waren die Springer und die verbundenen Freibauern zu stark
Am Ende waren die Springer und die verbundenen Freibauern zu stark

IM-Turnier

Im IM-Turnier ist Lara Schulze weiterhin ungeschlagen, heute konnte sie gegen Aarav Dengla gewinnen. Punktgleich ist nur Oliver Stork, der heute ebenfalls gewinnen konnte. Hier die Bilder zur Partie:


Ein weiteres Highlight war die Partie Chennaoui - Kahlert: Die Partie war lange Zeit im dynamischen Gleichgewicht, bis Yasin im 46. Zug eine schöne Kombination fand. Der weitere Partieverlauf erinnert an eine Studie:


Nach 46.Lxb7! hat Schwarz keine Wahl - er muss den Läufer schlagen 46...Txb7. Nun kann Weiß mit 47.Tc7 den Turmtausch erzwingen: 47...Txc7 48.bxc7 Tc2. Schwarz kann den Bauern gerade noch aufhalten, mit 49.Tb7 (Diagramm 2) droht Weiß jedoch erneut die Umwandlung. 49...Kg6 ist der einzige Zug, der nicht direkt verliert. Nun erhält der c7 Unterstützung von seinem Nachbarn: 50.d5. Mit 50....Kh5! (Diagramm 3) ergreift Schwarz die einzige Chance: mit einer Königswanderung Grundreihenmatt zu drohen.50...Le7 funktioniert stattdessen nicht, da Schwarz mit Tempo seinen Turm umgruppieren kann: 51.Tb6+ nebst Tc6+-

Nach 50...Kh5 hätte 51.Tb6 Vorteil erzielt, die Partiefortsetzung führt forciert zu einem (sehr schönen!) Remis:

51.d6 Kh4 52.d7 Kg3 (Diagramm 4) 53.c8=D Lc3! (Diagramm 5). Um das Matt zu verhindern, muss Weiß 54.Tb1 spielen und nun kann Schwarz Dauerschach auf der zweiten Reihe geben: 54....Th2 55.Kg1 Tg2 56.Kf1 Tf2 ...