Offene Internationale Bayrische Meisterschaft 2017

Mit 484 Teilnehmern aus 35 Nationen, 23 Großmeistern und einem Preisfond von 16300€ ist die OIBM eines der größten und stärksten Turniere Deutschlands. Grund genug, dem Tegernsee mal einen Besuch abzustatten - zumal wir als Norddeutsche nur selten in den Genuss einer so schönen Berg-Wald-See-Kulisse kommen. Dafür nahmen wir auch die 6,5-stündige Anreise in Kauf und machten uns am 27.10.2017 auf den Weg nach Bad Wiessee.

Ausrichter & Organisation

Untergebracht waren wir vor Ort im Gasthof zur Post - einem gemütlichen Hotel direkt am Tegernsee und ca. 4,5 km entfernt von Spielort Gut Kaltenbrunn. Diese Entfernung konnte entweder mit einem längeren Spaziergang oder mit den vom Veranstalter organisierten Shuttle-Bussen überwunden werden.

Der Spielort feierte dieses Jahr trotz der langjährigen Turnierhistorie Premiere - bis 2016 wurde noch in Bad Wiessee gespielt. Optisch machten die umgebauten Stallungen des Gut Kaltenbrunn auf jeden Fall etwas her, allerdings waren die Spielbedingungen nicht ganz optimal. Die Live-Bretter (davon gab es immerhin 44 Stück) grenzten an den Analyse- und Gastrobereich, was leider einen hohen Geräuschpegel mit sich brachte. Auch war es recht kalt und auf dem Weg zu den Toiletten musste man den Analysebereich durchqueren. Aber ein paar Anfangsschwierigkeiten bringt ein Ausrichterwechsel wohl immer mit sich....

 

Insgesamt kann man das Organisationsteam rund um Sebastian Siebrecht auf jeden Fall loben. Unterbringung und Transfer waren gut organisiert, vor Ort wurde leckeres Essen zu fairen Preisen angeboten und zu jeder Runde gab es einen Bericht mit Bildern und schachlichen Highlights.

Für mich persönlich war darüber hinaus der Tegernsee mit seinen schönen Laufstrecken ein absoluter Grund das Turnier in guter Erinnerung zu behalten :-)

Turnierverlauf

Das Turnier selbst startete direkt mit einem Paukenschlag: vier Titelanwärter Alexander Zubov (2623 Elo), Rinat Jumabayev (2603 Elo), Alexander Fier (2573 Elo) und Niclas Huschenbeth (2596) verpassten aufgrund eines stornierten Flugs die erste Runde.

Das kam den anderen Titelträgern natürlich zu Gute, die sich bis zum Schluss einen spannenden Kampf um den Titel lieferten. Insbesondere Ahmed Adly und Kaido Kulaots waren von Anfang an den Spitzenbrettern vertreten und machten am Ende das Rennen unter sich aus, wobei bis zur letzten Runde noch 15 weitere Spieler in Reichweite des Turniersiegs waren.

Nach einem Start mit 6/6 sah alles nach einem souveränen Sieg für Ahmed Adly aus. Doch in Runde 7 unterlag er dem Esten Kaido Kulaots, der damit die Führung übernahm. Am Ende waren beide Spieler mit 7,5/9 punktgleich; die leicht bessere Wertung bescherte Adly letztendlich den verdienten 1. Platz.

Andrey Esipenko (Foto: https://www.schach-tegernsee.de/)
Andrey Esipenko (Foto: https://www.schach-tegernsee.de/)

Überzeugen konnte auch der junge Russe Andrey Esipenko, der stets vorne mitmischte und am Ende eine GM-Norm erzielen konnte.

 

Damit war er nicht der einzige Jugendliche, der während des Turniers positiv aufgefallen ist. Die beiden Schweizer Daniel Fischer und Yasin Chennaoui konnten jeweils einen Großmeister souverän besiegen und damit ihre ganz persönlichen Highlights erzielen. Herzlichen Glückwunsch!

 

Yasin Chennaoui (Foto: https://www.schach-tegernsee.de/)
Yasin Chennaoui (Foto: https://www.schach-tegernsee.de/)

Für uns beide lief es unterschiedlich gut. Während Niko leider noch nicht wieder zu alter Form zurückfinden konnte, war ich mit meinem Abschneiden (6/9 Punkte, +24 Elo, 2. Frauenpreis) ganz zufrieden.

Eine Entscheidung in unserer Titel Challenge ist aber noch nicht in Sicht. Wir halten euch diesbezüglich natürlich auf dem Laufenden ;-)