Interview: Amateur Chess Organisation


 

Melanie Ohme spielt bei der Deutschen Frauen-Nationalmannschaft und studiert Psychologie an der Universität Mannheim. Sie ist 21 Jahre alt, hat derzeit 2361 ELO und spricht mit uns über Ihre Ansichten im Schach und Ihren Alltag an der Universität. Zur Zeit vertritt sie Deutschland bei den Europäischen Team Mannschaftsmeisterschaften in Griechenland.

 

1. Was ist Ihr Lieblingsgetränk?

Hm, das ist ja eine schwere Frage zu Beginn… aber ich tendiere stark zu selbstgemachtem Bananen-Milchshake.

2. Wer ist Ihr Lieblingsautor?

Agatha Christie

3. Was ist das beste oder interessanteste Buch das Sie jemals gelesen haben?

„Und dann gabs keines mehr“ von Agatha Christie – superspannender Krimi mit einzigartigem Ende (als ich das Buch gelesen hieß es noch 10 kleine Negerlein)

4. Was ist Ihr Lieblingsfilm?

Stolz und Vorurteil

5. Welche Musik hören Sie gerne?

Das hängt ganz von meiner Stimmung ab. Manchmal höre ich David Garret, manchmal Johnny Cash und meistens schalte ich einfach nur das Radio ein und singe die Charts mit :-)

6. Haben Sie einen Lieblingskünstler?

Salvador Dali. Ich könnte seine Kunstwerke stundenlang betrachten und versinke jedes Mal fasziniert in der Detailliertheit seiner Bilder.

7. Was war Ihr bestes Resultat?

Der 5. Platz bei der Jugend-WM 2004 in Heraklion.

8. Was war die beste Partie, die Sie je gespielt haben?

Da gibt es leider keine, die ich über alle anderen heben könnte. Aber ich arbeite noch daran … :-)

9. Haben Sie ein Idol im Schach oder im Leben?

Nicht direkt. Ich bewundere aber Menschen wie Martin Luther King, die sich mit unglaublichem Elan für die Rechte anderer einsetzen und für moralische Werte wie Gleichberechtigung und Frieden kämpfen.

10. Welches Schachbuch hatte den größten Einfluss auf Sie?

Vor vielen, vielen Jahren habe ich „Mein System“ von Aaron Nimzowitsch durchgearbeitet. Ich glaube das Buch hat mein damaliges Schachverständnis sehr verbessert und den Grundstein für meine heutige Spielstärke gelegt.

Melanie Ohme während einer Schachpartie – Quelle: Wikipedia

11. Was denken Sie sind Ihre Schwächen und Stärken im Schach?

Meine größte Schwäche im Schach ist ohne Frage mein mangelhaftes Theoriewissen. Ich bin einfach zu faul lange und komplizierte Varianten zu lernen und begnüge mich deshalb oft mit weniger guten Stellungen nach der Eröffnung. Hier ist auf jeden Fall noch viel Arbeit nötig… Als meine Stärke würde ich meine Rechenfähigkeit bezeichnen. Ich liebe scharfe Stellungen und scheue mich nicht vor aufwendiger Variantenberechnung.

12. Was ist es, das sie am meisten am Schach begeistert und dafür sorgt, dass Sie sich täglich damit befassen?

Am Schachspiel fasziniert mich besonders die unglaubliche Vielfalt an Stellungsbildern. Jede Partie ist einzigartig und beinhaltet ihre eigenen Besonderheiten und Kombinationsmechanismen. So lerne ich täglich neue Facetten des königlichen Spiels kennen und lieben.

13. Wer würden Sie gerne sein, wenn Sie nicht Sie wären?

Diese Frage übersteigt meine Vorstellungskraft. Ich bin eigentlich ganz zufrieden damit, dass ich ich bin und eben nicht jemand anderes. :-) Aber ich würde gern mal für einen Tag ein Mann sein…

14. Welche Eigenschaften achten Sie an Menschen besonders?

Mir ist Ehrlichkeit sehr wichtig. Ich schätze Leute, die immer offen und ehrlich sind und ihre eigene Meinung haben und auch äußern. Zudem lache ich sehr gern und viel und habe deshalb auch gern humorvolle Menschen um mich. :-)

15. Welche 3 Menschen würden Sie zu einem gemeinsamen Abendessen einladen?

Eigentlich meine Eltern und meinen Freund. Aber ich würde mich auch gerne mal mit Barack Obama, Angela Merkel und dem Papst unterhalten…

16. Wie sind Sie zum Schach gekommen?

Ich habe das Schachspielen im Alter von vier Jahren von meinen Eltern gelernt. Beide waren früher aktiv im Schachsport tätig und rücken auch heute noch ab und zu die Figuren.

17. Was ist Ihr liebstes Schachzitat?

Gottfried Wilhelm Leibniz: „Die erstaunliche Logik und die mathematische Exaktheit stellen das Schachspiel auf eine Stufe mit jeder exakten Wissenschaft, während Schönheit und Bildhaftigkeit seiner Ausdrucksform in Verbindung mit künstlerischer Phantasie es in einer Reihe mit allen anderen Künsten rücken lässt.“

18. Was würden Sie tun, wenn Sie nicht mehr Schach spielen könnten?

Ich würde endlich mehr Zeit fürs Studium haben, könnte öfter Geige üben und eine neue Sprache erlernen und hätte vielleicht sogar noch Kapazitäten für einen richtigen Urlaub… trotzdem: eine sehr unangenehme Vorstellung.

19. Werden Sie wie Viktor Kortschnoj mit 80 noch Turnierschach spielen?

Ich würde es jedenfalls nicht ausschließen. Bisher habe ich den Spaß am Schach nicht verloren und ich hoffe, dass sich das in den nächsten Jahrzehnten auch nicht ändern wird.

20. Wie sieht ein normaler Tag von Ihnen aus?

Ich stehe gegen 7 Uhr auf und schlüpfe erst mal in meine Sportsachen. Dann jogge ich ca. 40 Minuten den Neckar entlang und überlege mir, was ich an dem Tag so alles unternehmen möchte. Anschließend fahre ich in die Uni und lausche gespannt meinen Psychologie-Vorlesungen. :-)

Mein Mittagessen nehme ich mir meist von zu Hause mit. Abends koche ich zusammen mit meiner Mitbewohnerin und quatsche mit ihr ein bisschen. Dann setze ich mich an meinen Schreibtisch und fasse die letzten Vorlesungen zusammen (ja, das mache ich wirklich). Gelegentlich schlage ich auch mal ein Schachbuch auf. Ich muss aber gestehen, dass das in letzter Zeit eher selten der Fall war. Bevor ich ins Bett gehe (so gegen 24 Uhr) telefoniere ich noch eine Weile mit meinem Freund.

21. Und wie sieht ein perfekter Tag aus?

Hm, das ist wirklich schwer zu sagen. Meist falle ich abends ins Bett und denke: „Das war heute wieder ein schöner Tag.“ Ich finde ein perfekter Tag kann ganz unterschiedlich aussehen… eine Shopping-Tour mit dem Freund, ein Ausflug mit der Familie oder eben auch ein spannender Uni-Tag. Ich halte es ganz wie Mark Twain und gebe jedem Tag die Chance der schönste meines Lebens zu werden.

22. Gibt es etwas, dass Sie gerne lernen würden?

Ich würde unglaublich gern mehr Sprachen können.