Halbzeit beim GRENKE Chess Open


Nach 5 von 9 gespielten Runden ist es an der Zeit, einen ersten Zwischenstand aus Karlsruhe zu vermelden. Hier zunächst noch mal meine Prognosen, die ich vor Beginn des Turniers aufgestellt habe:

  • Richard Rapport gewinnt mit einem halben Punkt Vorsprung vor Li Chao und Markus Ragger das Turnier
  • Einer der „Prinzen“ (Matthias Blübaum, Dennis Wagner, Alexander Donchenko, Rasmus Svane) schafft es unter die TOP 10
  • Beste Frau im Turnier wird Elisabeth Pähtz
  • Niko und ich holen zusammen 12 Punkte, spielen mindestens 1000 Züge und höchstens 5 Remis

Im A-Open haben noch zwei Spieler eine weiße Weste: Vitaly Kunin und Milos Perunovic. Dahinter folgen 9 Spieler mit 4,5 Punkten, darunter auch Li Chao und Markus Ragger, die laut meiner Prognose auf Platz 2 und 3 landen sollten. Mein Turnierfavorit Richard Rapport hat leider schon zwei Remis abgegeben und liegt derzeit auf Rang 36.

 

Die deutschen Nachwuchshoffnungen schlagen sich bisher ganz gut: Matthias Blübaum ist derzeit auf dem geteilten 9. und Dennis Wagner auf dem geteilten 19. Platz. Etwas weiter hinten liegen Rasmus Svane mit 4 Punkten auf Platz 56 und Alexander Donchenko mit 3,5 Punkten auf Platz 63. Ein TOP 10-Platz ist also durchaus noch realistisch.

Meine Prognose zum Frauenpreis scheint sich dagegen bisher nicht zu bewahrheiten, wobei Elisabeth mit 3,5 Punkten durchaus noch gut im Rennen liegt. Nach ihrem heutigen Sieg gegen den norwegischen Großmeister Torbjorn Ringdal Hansen liegt derzeit jedoch Elena Levushkina mit 4/5 Punkten in Führung. Auch Judith Fuchs spielt ein sehr gutes Turnier. Heute musste sie sich jedoch leider nach langem Kampf gegen Jorden van Foreest geschlagen geben.

 

Den Namen van Foreest kann man beim GRENKE Chess Open übrigens gleich vier Mal auf der Teilnehmerliste lesen. Neben Jorden spielen noch seine Brüder Lucas und Pieter sowie die kleine Schwester Machteld  mit. Lucas und Jorden kenne ich aus meinem Niederländischen Team SISSA Groningen. Beide sind international erfolgreiche Nachwuchstalente und haben bei jedem Mannschaftskampf gefühlte 50 Elo mehr als noch beim Spiel davor. Von Machteld habe ich bisher noch nichts gehört. Das wird sich aber bestimmt bald ändern, die 8-Jährige führt mit einer Elozahl von 1781 die weltweite Rangliste ihrer Altersgenossen an. Im B-Turnier liegt sie derzeit mit 3 Punkten auf Platz 64.

Angeführt wird das B-Turnier derzeit von Bosiljko Jurkic und Oliver Handel mit jeweils 5 Punkten. Beste Frau im Feld ist Jasmin Mangei mit 4 Punkten. Im C-Turnier ist Sabari S. Nair der einzige Spieler mit voller Punktzahl.

Meine Prognose zu den von Niko und mir gespielten Zugzahlen ist leider nicht überprüfbar. Zu spät ist mir aufgefallen, dass bei Partien ohne Inkrement die letzten Züge häufig nicht mitgeschrieben werden. Gefühlt kommen wir aber locker an die 1000 Züge ran, da ich bisher drei Partien bis ganz zum Schluss und in einer Runde sogar die längste Partie des Turniers gespielt habe. Leider komme ich generell nicht so gut mit der mir ungewohnten Zeit (2h/40Züge +30 Minuten für den Rest der Partie) zurecht. In den drei besagten Partien holte ich lediglich ein Remis, wobei ich in zwei Partien davon mit jeweils zwei Mehrbauern deutlich auf Gewinn stand.

 

Dementsprechend bin ich mit meinem Zwischenstand von 2,5 Punkten überhaupt nicht zufrieden. Die Gesamtpunktzahl von 12 Punkten ist für Familie Lubbe aber noch erreichbar, da Niko mit 3,5 Punkten bisher ganz gut gepunktet hat. Ansonsten besteht noch die Chance, unsere Remis-Quoten-Prognose zu erfüllen: bisher haben wir erst 2 Unentschieden gemacht.

 

„Leider“ hatte ich während der Runden wenig Zeit, die anderen Partien zu beobachten und die ein oder andere für euch zu kommentieren. Ich kann euch aber die Berichte von Georgios Souleidis empfehlen, der auf der Veranstalterseite (http://www.grenkechessopen.de/de/) die jeweiligen Highlights des Tages zusammenfasst.

Ein paar Anekdoten habe ich jedoch am Rande auch mitbekommen. So kam beispielsweise in der Partie Yankelevich – Naiditsch der sogenannte Quickplay-Finish zur Anwendung. Laut FIDE-Regeln dürfen Spieler bei unter 2min Bedenkzeit fordern, dass fortan ein Zeitzuschlag von 5s pro Zug eingeführt wird. Diese Regelung soll verhindern, dass eine Partie durch „Zeitspiel“ beendet wird und geht mit einem automatischen Remisangebot an den Gegner einher. Arkadij war diese Regelung jedoch völlig unbekannt, weshalb er diese zunächst nicht anerkennen wollte. Da die Stellung inzwischen jedoch auch nicht mehr als ein Unentschieden hergab, musste er wohl oder übel in das Remis einwilligen. Interessant, dass auch ein erfahrener Nationalspieler nicht mit allen Regeln vertraut ist – wobei ich verteidigend einwerfen muss, dass Arkadij vermutlich fast ausschließlich Turniere mit Inkrement spielt, wo diese Regel natürlich keine Bedeutung hat.

 

Einem Spieler war heute im wahrsten Sinne des Wortes zum Kotzen zumute – leider suchte er sich ausgerechnet ein Plätzchen neben meinem Brett dafür aus. An der Turnierorganisation sollte das Unwohlsein jedoch nicht gelegen haben – diese läuft nämlich wie gewohnt reibungslos ab. Lediglich die Auslosung der Nachmittagsrunde könnte etwas früher erscheinen, gestern wurden die Paarungen erst nach offiziellem Beginn der vierten Runde bekanntgegeben. Ein umfassenden Feedback zu den Turnierbedingungen und natürlich die finalen Ergebnisse gibt es dann von mir nach der letzten Runde. Bis dahin ist noch mal Kämpfen angesagt, damit ich zum Schluss ein positives Fazit ziehen und vielleicht auch eine spannende Partie für euch kommentieren kann.

Frohe Ostern!

Eure Melanie