Sondex Cup


Was ist das?

 

Der Sondex Cup ist ein etwas anderes Turnierformat, als es die meisten von euch kennen. Ausgehend von der ELO der Teilnehmer werden je Gruppen a 6 Personen gebildet und jede Gruppe trägt an 3 Tagen in 5 Runden ihr eigenes kleines Rundenturnier aus. Hier hat somit jeder einzelne Teilnehmer eine reele Chance auf den ganz persönlichen Turniersieg. In der ELO-stärksten Gruppe (Elo-Durchschnitt 2464) wird zudem um den Titel des Stadtmeisters von Kolding (Dänemark) gespielt.

Dabei wurden die ersten 3 Gruppen live ins Internet und in einen Hörsaal mit Kommentator übertragen.

Wie war es?

 

Zunächst einmal weit im Norden, aber das haben Turniere in Dänemark nunmal so an sich. Am Freitag, den 08.04.2016 trafen wir uns mit Melanies Kollegen zu einem netten Frühstück und dann ging es vormittags ab auf die Autobahn hoch in den Norden.

Nach einer ungewohnt staufreien Fahrt an Hamburg vorbei erreichten wir nach einigen Stunden die dänische Grenze, an der bereits ein Begrüßungskommittee auf alle Einreisenden wartete.

Auf einen sicheren Aufenthalt in Dänemark
Auf einen sicheren Aufenthalt in Dänemark

Angekommen in dem relativ südlich gelegenen Kolding (mit knapp über 50.000 Einwohnern die zehntgrößte Stadt Dänemarks) hatten wir noch genug Zeit, vor Partiebeginn unser Hotel zu beziehen. Unser Hotel war zwar ein wenig in die Jahre gekommen, doch ansonsten wirklich eine Unterkunft, in der es sich aushalten lässt.

Schöne Architektur, alles mittelmäßig auf dem neuesten Stand, toller Service: Das Hotel Saxildhus
Schöne Architektur, alles mittelmäßig auf dem neuesten Stand, toller Service: Das Hotel Saxildhus

Sicherlich sollte ich noch erwähnen, dass der Turnierveranstalter Titelträgern sowohl das Startgeld in Höhe von 250 DKK erlässt, als auch das Hotel übernimmt. Von daher konnten wir umso zufriedener mit dem Hotel sein =)

Auf zum 5 Gehminuten entfernten Spielort, ein Pläuschchen gehalten, und auf ging es auf Entdeckungstour.

Melli, die rasende Reporterin legt sofort los
Melli, die rasende Reporterin legt sofort los

Schachlich sollte es dann auch schon bald losgehen, also flott noch vorbereiten! Denn seit dem frühen Morgen am Freitag standen nicht nur die Gruppen, sondern auch die jeweiligen Paarungen fest. Dabei spielte ich in Gruppe 1 und Melanie in Gruppe 3. Normalerweise wäre Melli in Gruppe 2 zu verorten gewesen, leider lief es aber in der letzten Zeit nicht so gut bei ihr.


Runde 1:

Melli spielte gegen den jungen Dänen Kristian Seegert. Sah alles anfangs noch gut aus, verpasste ich die Zeitnotphase und fand Melli am Brett mit 3 Bauern weniger vor. Ich bin ebenso wie Melli ein Spieler, der niemals aufgibt und ich suche in jeder Stellung nach Gewinnmöglichkeiten. Aber ich konnte mir keinen Partieverlauf vorstellen, in dem Melli noch hätte irgendein Gegenspiel generieren können. Zum Glück weit gefehlt =) Zwischenzeitlich sah es sogar noch nach einem Sieg für Melli aus, doch dann einigte man sich im Remisendspiel mit jeweils unter 20 Sekunden auf der Uhr auf ein Remis (Bedenkzeitmodus war 120 min für 40 Züge + 30 min für den Rest ohne Inkrement).

Ich durfte meine erste Partie mit Weiß gegen IM Attila Gergacz beginnen, gegen den ich bereits in meinem einzig anderen Turnier in Dänemark mit Weiß gewonnen hatte. Ich hatte zwar klar die bessere Stellung, doch ein Durchkommen war nicht einfach. Mit sehr wenig Zeit auf der Uhr verpasste ich kurz vor dem 40. Zug eine Taktik (bzw. spielte sie nicht, weil ich nichts riskieren wollte).

Seht ihr die beste Fortsetzung?

Weiß am Zug gewinnt.
Weiß am Zug gewinnt.

Im weiteren Partieverlauf konnte ich positionell wichtig den Läufer abtauschen, einen Turm nach a4 stellen und es im stetigen Wechsel auf a- und h-Linie probieren. In der zweiten und finalen Zeitnot unterlief Attila dann ein schwerwiegender Fehler in der Verteidigung, den ich jedoch erneut nicht gänzlich bestrafte.

Weiß am Zug gewinnt.
Weiß am Zug gewinnt.

Dxh6 sichert zwar einen Vorteil, jedoch kann Schwarz durchaus auf Remis hoffen. Ich spielte Df6+, wonach nach Dxf6, Txh6+ Kg7?? ein forciertes Matt entsteht. Schwarz hätte seine Stellung jedoch noch mit Kf7 nebst Tg8 zusammenhalten können.

Der erste Tag endete somit mit 1,5/2 Punkten für uns mit einem ordentlichen Ergebnis.

Runde 2 und 3:

Ich konnte leider nicht immer Melanies Partien sehen, aber die Ergebnisse waren leider nicht so toll. Die 2. Runde verloren und 3. Runde Remis =(

Melanie in Runde 2 gegen Halvard Hagesather
Melanie in Runde 2 gegen Halvard Hagesather

Ich spielte in der 2. Runde gegen den Großmeister Allan Stig Rasmussen und konnte nach einigem hin und her die folgende Stellung erreichen:

Schwarz am Zug erreicht Vorteil, aber wie? =)
Schwarz am Zug erreicht Vorteil, aber wie? =)

Die Aufklärung folgt, da ihr ohnehin noch ein Diagramm aus der Partie bekommt :). Das starke Bauernopfer c5 entfesselt den Läufer auf a8 und bringt langfristiges Spiel gegen den weißen König.

Einige Züge später bekam ich dann meine einmalige Chance und verwandelte in einen Sieg, könnt ihr sehen wie?

Stellung nach Se4-d2 ?
Stellung nach Se4-d2 ?

In Runde 3 trat ich mit Weiß gegen Rasmus Skytte an und spielte ein Doppelfianchetto. Er spielte nicht die beste Variante, jedoch in Kenntnis der "Theorie" aus Eigenanalyse. Er sagte mir nach der Partie, dass ich die einzigen Züge gefunden habe, die den weißen Vorteil bewahren. Am Ende ein taktischer Fehlgriff von Rasmus und ich konnte mit 3/3 ins Turnier starten.

Etwas gierig den Bauern a2 gefuttert, aber wie kann Weiß die Dame fangen?
Etwas gierig den Bauern a2 gefuttert, aber wie kann Weiß die Dame fangen?

Runde 4 und 5:

Melli traf in Runde 4 auf Jonas Bjerre, der mit gerade einmal 11 oder 12 Jahren bereits ein Rating von über 2400 ELO-Punkten hat. Zum einen natürlich auf den veränderten ELO-Faktor bei Jugendlichen zurückzuführen, aber der Kleine hat auch echt gut gespielt. Taktisch hat er eine gute Angriffspartie gespielt und konnte Material gewinnen. Im besseren Endspiel für Jonas mit Qualität mehr konnte sich dann aber Mellis Erfahrung gegen die Jugend "durchsetzen" und es endete in einem Remis.

Melanie war in diesem Turnier erneut mehrfach an der letzten Partie beteiligt, hier gegen Jonas Bjerre.
Melanie war in diesem Turnier erneut mehrfach an der letzten Partie beteiligt, hier gegen Jonas Bjerre.

Die letzte Partie von Melanie rundete das Turnier negativ ab. Ihr Gegner, der bis dato ein großartiges Turnier gespielt hat, geriet bereits früh ins Grübeln und kam in eine mehr als zweischneidige Stellung (vielleicht drei- oder vierschneidig..:). Doch wie es der Zufall wollte befanden sich beide in einer bekannten "Trickser-Variante", in der Weiß einen ganzen Turm opfern kann und dafür jedoch die schwarze Dame fängt. Durch diese Niederlage bleibt nur, dass Turnier mental abzuschließen und wieder zur alten Stärke zurückzufinden.

Ohne Bezug zum Text: Diese im Hotel entdeckte Füllfederhalterkuh wäre doch ein Statement am Brett :D
Ohne Bezug zum Text: Diese im Hotel entdeckte Füllfederhalterkuh wäre doch ein Statement am Brett :D

Meine 4. Runde verlief leider nicht ganz so wie geplant. Der Wunsch war natürlich ein Sieg mit Weiß, der mir bereits den frühzeitigen Turniersieg verschafft hätte. Doch Mikkel Antonsen wollte nicht so wie ich und so endete die Partie (nachdem ich ihm zumindest ein bisschen Kopfzerbrechen bereiten konnte) in einem Remis.

Der Zwischenstand:

Ich führe mit 3,5/4, gefolgt von Chatalbashev und Rasmussen mit 2,5/4, wobei Boris mit einem Sieg gegen mich in der letzten Runde aufgrund irgendwelcher Feinwertungen an mir vorbeigezogen wäre. Also war meine Aufgabe die Folgende: Mit Schwarz nicht verlieren!

Meine Vorbereitung gegen Boris war natürlich für die Katz, da er sich prompt für das sonst nicht gespielte Londoner System entschied. Zum Glück hatte ich mich in frühester Vergangenheit selber am Londoner System versucht und kannte mich daher ein wenig aus.

Nach wenigen Zügen erreichten wir eine objektiv ausgeglichene Stellung, die aber unglaublich schwer für Weiß zu spielen ist. Nach einigen kleinen Fehlern erreichte ich Vorteil, aber Boris hielt immer ordentlich dagegen und versuchte das Spiel kompliziert zu halten.

Schwarz am Zug in Chatalbashev - Lubbe
Schwarz am Zug in Chatalbashev - Lubbe

Im Diagramm gibt es einen unglaublich guten Zug für Schwarz, den weder ich noch Boris im Entferntesten auf dem Schirm hatten. Wer diesen Zug ohne Engine findet, dem bescheinige ich persönlich ein tiefes und ausgereiftes Verständnis des Schachspiels =)

Im Partieverlauf spielte ich Da6, gewann den Bauern a2. Boris spielte g4, g5 und dann führte ein Dauerschach ins Remis.

Also war meine Aufgabe geschafft, ich hatte mit 4/5 und einer Performance von fast 2700 das Turnier gewonnen.

Der 1.Preis: Titel des Stadtmeisters, Verewigung auf dem Wanderpokal, Preisgeld und dänische Tischdeckchen
Der 1.Preis: Titel des Stadtmeisters, Verewigung auf dem Wanderpokal, Preisgeld und dänische Tischdeckchen

Der Sondex Cup 2016 ist somit Geschichte, hier die Endstände der ersten Gruppen:

Was uns blieb war noch eine kleine Stadtwanderung am nächsten Morgen bevor wir die Heimreise nach Deutschland antraten.

Hier einige Impressionen aus Kolding:

Fazit:

Es gibt einige gute Gründe, warum auch ihr den nächsten Sondex Cup nicht verpassen solltet:

1. Das dänisches Flair von Kolding

2. Jeder kann "sein" Turnier gewinnen

3. Tolle Spielbedingungen

4. Für Titelträger: Kein Startgeld, Hotel sowie Vollverpflegung.

 

Meine teilkommentierten Partien zum durchklicken findet ihr hier:

 

 

Euer Nikolas

 

PS: Im Kommentarbereich könnt ihr gerne eure Lösungen und Ideen zum Besten geben.

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