Studium der Schachwissenschaften


Ein "Studium der Schachwissenschaften"?  Etwas derartiges gibt es nun in Braunschweig, Niedersachsen.
Ein "Studium der Schachwissenschaften"? Etwas derartiges gibt es nun in Braunschweig, Niedersachsen.

Dank der immer weiter voranschreitenden Professionalisierung gibt es heutzutage eine fast unüberschaubare Anzahl an Studiengängen. Ist ja auch eine feine Sache, da kann sich jeder sein Steckenpferd rauspicken. Die Art und Weise der Wissensvermittlung an Universitäten hat ja auch so einiges für sich.

Aber was hat das mit uns Schachspielern zu tun? Bisher eigentlich überhaupt nichts, das Studium der Schachwissenschaften gibt es leider nicht. Der klassische Aufbau des Schachtrainings ist ja der: Es gibt einen Trainer im Verein oder auch privat und dann hat man abgesprochene Trainingszeiten. Und das war´s dann auch im Wesentlichen.

Warum nicht mal die Vorteile des universitären Bildungssystems auf das Schach übertragen? Diese Frage stellte sich der Braunschweiger Rechtsanwalt und dem Schach verfallene Jürgen Carsten. Also ging es an die Umsetzung dieser Idee...Mittlerweile gibt es sie, die "Schachhochschule Braunschweig" und sie feiert in wenigen Monaten bereits ihr erstes Jubiläum.

Ich bekam eine Anfrage, ob ich mich in die Liste bekannter Gastdozenten einreihen möchte. Da wurde ich neugierig und habe mir das Gesamtkonzept mal angeschaut, worüber ich euch jetzt einen Überblick geben möchte.

Was ist die Schachhochschule?

Die Schachhochschule Braunschweig ist ein Projekt des Braunschweiger Rechtsanwalts Jürgen Carsten. Ursächlich für die Gründung war das bei uns weit verbreitete 1-Trainer-System und die damit einhergehenden Probleme. Ohne einen zu großen Aufriss zu machen, lässt sich der Grundgedanke leicht nachvollziehen, indem man sich folgende Frage stellt: In welcher Ausbildung gibt es dauerhaft nur Unterricht von einem einzigen Dozenten?

Zusammengefasst ist die Braunschweiger Schachhochschule demnach so etwas wie eine private Schachschule, organisiert nach dem Vorbild der universitären Lehre mit mehreren Dozenten und Gastdozenten.

Was bietet die Schachhochschule?

Im Gegensatz zu den verbreiteten Schachschulen bietet die Schachhochschule die schachliche Ausbildung durch verschiedene Trainer an. Zunächst einmal wird das Jahr in Trimester unterteilt, die ihre jeweiligen Schwerpunkte in der Ausbildung haben.

Innerhalb eines Trimesters ist das Konzept immer ähnlich:

- Regelmäßiger Unterricht durch die Hauptdozenten

- Spezielle Seminare durch Gastdozenten (zB Niclas Huschenbeth, Ilja Zaragatski, meine Wenigkeit =))

- Veranstaltung eines Schachturnieres

- Des Weiteren besteht die Möglichkeit des Einzelcoachings und der Turnierbegleitung

Für wen lohnt es sich?

Ähnlich einer Hochschule gibt es ebenso für die Schachhochschule einige Voraussetzungen, um sich einschreiben zu können. Obligatorisch ist natürlich die Entrichtung der Studiengebühren :).

Weiterhin dient die Schachhochschule nicht dem Erlernen vom Schach, sondern der Professionalisierung von Vereinsspielern. Zulassungsvoraussetzung ist daher eine Deutsche Wertzahl (DWZ) von mindestens 1500.

Erklärtes Ziel ist Erlangung von Meistertiteln.

Meiner Meinung nach am besten geeignet ist die Schachhochschule für Personen mit folgendem Profil:

- DWZ 1500+

- Wille, einen Meistertitel im Schach zu erlangen

- Wohnort in der Nähe Braunschweigs

- Bereitschaft, auch ein paar Euro für sein Hobby auszugeben (Preise: 199€ pro Trimester, bei erstmaliger Anmeldung kommt noch eine Verwaltungsgebühr hinzu, bei Ausnutzung aller Angebote ergibt es knapp über 5€ pro Seminarstunde)

Wie kann ich Student der Schachhochschule werden?

Die Anmeldung an der Schachhochschule ist denkbar einfach. Formular auf der Homepage der Schachhochschule Braunschweig ausfüllen und los geht´s.

Weiterhin besteht wie es auch an Universitäten üblich ist, die Möglichkeit Gasthörer zu werden.

Meine Dozententätigkeit

Erzählen und von der Homepage ablesen kann man ja immer viel. Im Rahmen meiner eigenen Dozententätigkeit habe ich mir jedoch persönlich ein Bild von der Schachhochschule machen können. Besonders gefallen hat mir als Dozent dabei die lockere, aber dennoch zielorientierte Lernatmosphäre. Man befindet sich dort als Lernwilliger also unter Gleichgesinnten. Solltet ihr also dem oben genannten Profil entsprechen, dann schreibt euch doch mal für ein Trimester ein.

 

Ich selber widme mich in einem zweitätigen Blockseminar dem positionellen Spiel mit Hauptaugenmerk auf das Spiel mit und gegen das Läuferpaar. Ob mittlerweile noch Plätze für Gasthörer am 01.06.2016 frei sind, könnt ihr bei der Leitung der Schachhochschule erfragen.

 

Auf jeden Fall werde ich euch nach Abschluss des Blockseminars noch eine kleine Zusammenfassung der Veranstaltung geben, damit man mal sehen kann, was einen schachlich so zu erwarten hat.

 

Bis dahin,

Nikolas

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Kommentare: 3
  • #1

    Sven Dörge (Sonntag, 29 Mai 2016 22:58)

    Hallo Nikolas,
    Vielen Dank für deinen Bericht. Ich fand deine Unterrichtsstunde sehr gut und komme gerne wieder.
    Viele Grüße
    Sven

  • #2

    Stefan (Donnerstag, 04 August 2016 22:20)

    Hi,
    wäre es gegen Zahlung der Studiengebühren auch möglich, sämtliche Unterrichtsmaterialien zu erhalten? (Z.B. für Interessierte, die nicht in der Nähe von Braunschweig wohnen?)

  • #3

    Nikolas (Donnerstag, 04 August 2016 22:29)

    Hallo Stefan,
    ob es diesen Service gibt, kann ich dir leider nicht sagen. Gerne kann ich beim Leiter der Schachhochschule nachfragen. Eventuell ließe sich ja sogar ein Live-Stream etablieren, sozusagen die Schachhochschule 2.0.
    Schreib uns doch bitte eine kurze Mail, dann werde ich dir die Ergebnisse meiner Recherchen direkt zukommen lassen.

    LG
    Nikolas