Saisonfinale niederländische Liga


Wo soll ich anfangen? Es liegt eine absolut verrückte Saison mit dem JSV SISSA hinter uns mit vielen Höhen und einem gedämpftem Ende.

Wie alles begann:

Vor drei Jahren begann ich für den JSV SISSA aus Groningen zu spielen, bedingt durch Melanies Masterstudium der Psychologie in Groningen. Wir stiegen in die höchste niederländische Klasse auf und mussten dort in unserem ersten Jahr ordentlich einstecken. Nur knapp entkamen wir dem Abstieg, doch diese Saison sollte anders verlaufen. Dank einiger Neuzugänge, aber auch durch ordentlichen Spielstärkezuwächse der Teammitglieder gehörten wir diese Saison zu den Topmannschaften.

Von den SISSAnen seien vor allem die Van Foreests zu erwähnen:

Jorden Van Foreest: 2457 -> 2551

Lucas Van Foreest: 2170 -> 2368

 

So kam es, dass wir nach 7 von 9 Runden an der Spitze der Tabelle waren. Leider haben wir in der 8. Runde einen herben Rückschlag gegen unseren Verfolger einstecken müssen. Ich selber habe meinen Teil dazu beigetragen, indem ich gegen GM Zhaoqin Peng mit Weiß völlig überzogen und verloren habe. Wie mir gestern mitgeteilt wurde, wissen ungefähr 2 Millionen niederländische Haushalte von dem grandiosen Sieg der zigfachen niederländischen Meisterin gegen den deutschen IM...Sei´s drum, so ist Schach: Es kann nicht immer gut laufen.

Demnach haben wir nach der 8. Runde den Verfolgerplatz eingenommen und am 23.04.2016 fand die Ligaendrunde in Overveen statt.

Das Spiellokal in Overveen.
Das Spiellokal in Overveen.
Der Spielsaal mit Liveübertragung der jeweils ersten 2 Bretter.
Der Spielsaal mit Liveübertragung der jeweils ersten 2 Bretter.

In diesem wirklich beeindruckenden Spiellokal sollte demnach folgendes passieren: Wir gewinnen die letzte Runde und En Passant sollte zumindest einen Mannschaftspunkt abgeben. Im Anschluss würden wir den Titel feiern...

Ich nehme es vorweg: En Passant hat sich klar durchsetzen können und der Titel war für uns aus eigener Kraft nicht mehr zu erreichen. Hinzu kam, dass wir selber als Elo-Favorit gegen HWP Sas van Gent ziemlich ins straucheln kamen.

Aufgrund meiner Zeiteinteilung (nach 20 Zügen nur noch 3 Minuten plus 30 Sekunden pro Zug) habe ich von meinen Teamkollegen leider nicht allzu viel mitbekommen. Ich konnte gerade so überblicken, dass wir auf jeden Fall nicht als klarer Sieger aus dem Wettkampf gehen. Wir hatten zwar an einigen Brettern gewonnen, mussten aber ebenso viele Niederlagen einstecken. Wieso aber habe ich meine Zeit so falsch eingeteilt? Nunja, ich habe sehr viel Zeit verbraucht, um ein Figurenopfer meines Gegners zu berechnen. Und es stellte sich heraus, dass die endstandende Stellung alles andere als einfach war, was mich zusätzlich wertvolle Minuten kostete. Aber seht selbst:

Figur mehr, dafür ist der weiße König im Zentrum gefangen.
Figur mehr, dafür ist der weiße König im Zentrum gefangen.

Hier hatte ich nur noch wenige Minuten, durch einen Fehler meines Gegners konnte ich mich jedoch schlagartig befreien und die Partie gewinnen. Die Analyse mit wirklich unmenschlichen Varianten (bedenkt jeweils, dass man diese Varianten optimalerweise bereits im 12. Zug hätte sehen sollen!!!) findet ihr hier.

Besondere Erwähnung soll auch der Sieg von Lucas van Foreest erhalten:

Lucas hat es in dieser Saison wahrhaftig geschafft, über sich (seine ELO) hinauszuwachsen. Mit einer Performance von 2631 (!!) hat der junge Niederländer seine erste GM-Norm einkassieren können. Seine überschwängliche Freude über diese Leistung seht ihr hier:

Der Mittelfinger: In den Niederlanden eine Siegerpose?
Der Mittelfinger: In den Niederlanden eine Siegerpose?

 

Lucas Van Foreest: Den Namen solltet ihr euch merken. Ich bin mir sicher, er wird noch eine beeindruckende Schachkarriere hinlegen. Zu seiner Person sei so viel gesagt: dieser Junge ist absolut verrückt, aber auf eine meist lustige Art. Gleichzeitig ist er aber auch mit Abstand der schlaueste Bursche, der mir je untergekommen ist.

Zurück zum Geschehen am Brett. Es stand ausgeglichen und eine wirklich entscheidende Partie spielte Ilja Zaragatski. Bei einer Niederlage wäre der Mannschaftskampf verloren gewesen, aber der kreative Großmeister zauberte nur so am Brett.

Ilja opfert den Springer, um Läufer d4 zu verhindern.
Ilja opfert den Springer, um Läufer d4 zu verhindern.

Läufer d4 droht den schwarzen Turm als letzte Verteidigunsinstanz zu beseitigen. Mit 5 Sekunden auf der Ilja entschied sich Ilja dafür, dass der Turm um jeden Preis geschützt werden muss.

cxb3, cb3, Ld4, Dc2+ (lockt den Läufer nach g2), Lg2, Dc3!!

Den Springer zu opfern genügt jedoch nicht
Den Springer zu opfern genügt jedoch nicht

Objektiv leider nicht korrekt springt auch noch die schwarze Dame in die Bresche. Was tut man nicht alles um wichtige Verteidiger zu schützen. Das Weiß objektiv gesehen total auf Gewinn steht ist zwar klar, aber einfach war es nicht...und so entstand nach wenigen Zügen die folgende Stellung:

Eine Dame geopfert, dafür zwei neue bekommen.
Eine Dame geopfert, dafür zwei neue bekommen.

Leichte Fehler in der weißen Angriffsführung und schon bleibt Weiß nichts anderes übrig, als das Dauerschach zu geben.

Man bestaune bei dieser Partie, dass Ilja über die volle Partie gesehen stolzer Besitzer von 3 Damen war!! =)

Somit kamen wir auf einen Endstand von 5:5.

Wie bereits erwähnt war dieser erneute Rückschlag für uns nicht von großer Bedeutung, denn En Passant hatte bereits gewonnen und der zweite Platz war uns ohnehin sicher.

 

Was bleibt, ist die Erinnerung an eine wirklich tolle Saison mit vielen Siegen, einem tollen Team und einem mehr als verdienten guten 2. Platz, der natürlich gefeiert wurde ;)

Irgendwann werden wir den Titel schon noch bekommen!

 

Ole ola SISSA ;)

 - Nikolas