Rückblick 2. Bundesliga in Augsburg


Am 30. und 31.01.2016 war es wieder soweit und der Ruf der 2. Bundesliga führte uns tief hinunter in den Süden Deutschlands. Nicht weit von der Spitalgasse (der Heimat der Augsburger Puppenkiste) traten wir unsere Mannschaftskämpfe gegen Forchheim und Göggingen an. Wie so oft und das ist für die 2. Liga schon erwähnenswert spielten wir in unser Stammbesetzung.

Forchheim - Neuberg

Zunächst spielten wir am Samstag gegen den SC Forchheim, der im Moment unmittelbar vor uns in der Tabelle ist und damit wirklich direkte Konkurrenz zum Klassenerhalt darstellt. Die Wichtigkeit dieser Runde kann man für den Klassenerhalt wohl kaum unterschätzen, da eine Niederlage wohl schon fast den sicheren Abstieg bedeutet hätte.

Schachtechnisch kann ich natürlich nur in Maßen berichten, da ich selber eine Partie zu spielen hatte. Beginnen wir wohl mit der entscheidenden Stelle in meiner Partie:

IM Lubbe (2513) - GM Jirovsky (2449)
IM Lubbe (2513) - GM Jirovsky (2449)

Bis dato war ich sehr zufrieden mit meiner Vorbereitung und konnte nach einigen kamikazeartigen Zügen meines Gegners diese Stellung erreichen. Natürlich wäre hier Sxb5 angesagt, nebst Txa1 und Sc7 Zwischenschach! Die Engine bewertet diese Stellung mit +4 und daran habe ich auch keine Zweifel. In der Partie war ich mir auch sicher, diese Stellung sei gewonnen, doch ich wollte es "einfacher" und "besser" machen und wählte eine nur leicht bessere Fortsetzung. Ich spielte Tac1? Dd5 d4! Se7 Sxb5 Se7 0-0 Sc7 und nahm nur die Qualität mit. Nachdem ich später einen wichtigen Bauern einstellte war leider nichts mehr zu machen und statt einen traumhaften Sieg habe ich nur ein Remis eingefahren.

Erwähnenswert ist auf jeden Fall noch die Leistung von Siar Wahedi, der es geschafft hat seinem Gegner Alexander Seyb (Elo: 2417) bereits nach 7 Zügen die Lust auf die Partie zu nehmen. Alexander musste nämlich gegen 1.e4 c5 2. a3!? antreten, gefolgt von h4!? im vierten oder fünftgen Zug. Dann reichte es ihm und er bot Remis, was Siar aus objektiver Betrachtung der Sachlage ( ausgeglichene Stellung, 120 Elo weniger) annahm.

Melanie hatte eine sehr komplexe Stellung und konnte problemlos bis ins tiefe Mittelspiel gegen ihren Gegner GM Jansa mithalten. Und irgendwann geschah es wie erhofft: Melanie griff in die Taktikkiste und zockte dem ausgebufften Großmeister zwei Bauern ab. Doch leider wechselt die Psychologie des Schachs häufig in Gewinnstellungen und man spielt sehr angespannt, weil man es nicht mehr "versauen" möchte. Nach über 7 Stunden Spiel und fast 100 Zügen konnte sich GM Jansa dann in ein remises Turmendspiel flüchten. Schachlich hat er bärenstark gekämpft, menschlich kam er an diesem Tag nicht gerade gut an. Als er es nach langem Kampf ins Turmendspiel mit guten Remisaussichten schaffte, begann er stetig sowas wie "is ja Remis, muss man nicht spielen" etc zu brummeln. Melanie verbrauchte anschließend fast all ihre Bedenkzeit um noch Gewinnversuche zu unternehmen und als ihre Uhr gerade noch 10 Sekunden anzeigte drehte sich Jansa zu mir um und begann mir erzählen zu wollen, dass es doch sinnlos sei, die Stellung weiterzuspielen. Und dass bei 10 Sekunden auf Melanies Uhr!? Ihr könnt euch vorstellen, wie ich ihn angefaucht habe...

Der Rest unserer Mannschaft hatte einen wirklich guten Tag und dank zweier Siege an den hinteren Brettern war es geschafft: Neuberg besiegt Forchheim mit 5:3 und es hätte deutlich höher ausfallen können.

Ich möchte hier niemanden außerordentlich loben, denn alle haben ihren Teil zum Sieg beigetragen. Erwähnenswert ist aber u.a. die Leistung von Christian, der am Wochenende auf 1,5/2 Punkte kam! Außerdem erwähne ich ihn, weil ich zufällig ein Foto von ihm geschossen habe =)

Heidrich - Künstler
Heidrich - Künstler

Oben habe ich es bereits erwähnt, Melanie spielte wie so häufig eeeeeeeewig. Daher auch hier noch ein kleines Foto als Beweis, dass sie mal wieder die längste Partie hatte (als ihr Ehemann kenn ich das schon und bin ans Warten und Hungern gewöhnt).

Jansa - Melanie Lubbe
Jansa - Melanie Lubbe

Anschließend folgte eine kleine Siegesfeier bei italienischem Abendessen und die Freude, an diesem Tag eine tolle Mannschaftsleistung hingelegt zu haben.


Neuberg - Göggingen

Am Sonntag spielten wir gegen den SK Göggingen, der nicht nur in dieser Saison ungeschlagen (besser ausgedrückt: Sie haben sogar immer gewonnen) ist, sondern laut Ansage kurz vor Partiebeginn sogar die letzten 25 Mannschaftskämpfe gewonnen hat. Falls es ein Einschüchterungsversuch war, so war er nicht von Erfolg gekrönt =).

Ein paar frühe Remisen und dann kam das Highlight: Christian Künstler gewinnt in einer sauberen Partie gegen GM Petar Arnaudov aus Bulgarien! SF Neuberg führt gegen Göggingen, damit hätte vorher wohl kaum einer gerechnet. Letztlich konnte Ivan Hausner jedoch nach einer schwankenden Partie gegen Klaus-Jürgen gewinnen, womit der Ausgleich wieder hergestellt war.

Es hing somit an der Familie Lubbe und lange Zeit sah es auch erfolgsversprechend aus. Nach einer etwas inkorrekten und verrückten Eröffnung und beiderseitigen Fehlern fand ich mich in folgendem Enspiel wieder:

Rozentalis - Lubbe
Rozentalis - Lubbe

Ich stand zwischenzeitlich mal deutlich schlechter, doch konnte mich mit Glück in diese Stellung retten. Tatsächlich ist sie deutlich mehr als nur "haltbar", der Computer bewertet sie sogar als leicht besser für mich. Während der Partie hatte ich keine Zweifel daran, dass ich diese Stellung halten kann (hatte sie als minimal besser für Weiß / Ausgleich eingeschätzt). Aber ich wollte mehr als die Stellung nur passiv zusammenhalten, ich war der Ansicht ich müsste die Stellung öffnen und meine Figuren aktivieren. War auch nicht schlecht, aber das Risiko zu verlieren stieg an. Lange Zeit war die Stellung dann im Ausgleich, bis ich mal wieder (wie am Tag zuvor) einen Bauern und damit die Partie einstellte.

Melanie hatte eine sehr komplizierte Stellung und war schon früh unter Druck geraten. Sie hat sich immer zäh verteidigt und dann war sie es, die ein schlechteres Turmendspiel verteidigte. Nach wieder fast 7 Stunden und 100 Zügen gelang es ihr leider doch nicht.

Eine derartige Gegenwehr gegen den Tabellenführer hatte dennoch keiner erwartet und Neuberg wurde prompt von Göggingen für seinen Kamfgeist gelobt.

Hier die Einzelergebnisse in der Übersicht:

In Realität war es deutlich knapper =)
In Realität war es deutlich knapper =)

Trotz zum Teil sehr weiter Anreise war es ein durchweg toll organisiertes Wochenende in einem sehr guten Spiellokal mit tollem Ergebnis für uns.

Wir freuen uns schon auf die nächsten Runden!


Euer Nikolas

 

PS: Laut Ligaorakel stehen die Chancen für den Klassenerhalt nun höher als die Abstiegschancen!


Kommentar schreiben

Kommentare: 0