Saisonfinale in Neuberg

Am 12. und 13. März fand die verschobene 3.+4. Runde der Bundesliga Ost statt. Wir haben neben unserem Reisepartner die Vereine Nickelhütte Aue sowie Bindlach-Aktionär bei uns in Neuberg begrüßen dürfen. Vor Beginn dieses Wochenendes standen wir auf Platz 6 der Tabelle, also 2 Plätze von einem theoretisch noch möglichen Abstieg entfernt. Die kumulierte Wahrscheinlichkeit aller zum Abstieg notwendigen Ereignisse belief sich laut Ligaorakel auf knapp 4%. Um das Ganze bildlicher zu beschreiben: Der Abstiegsrevolver hatte 25 Patronenkammern und dabei war lediglich eine dieser Kammern mit einer Kugel befüllt. Die Trommel dreht sich, rastet ein, der Abzug wird gespannt... Ob es geknallt hat, lest ihr nachfolgend...

Schachfreunde Neuberg vlnr Lutz, Schaffer, Hankel, Lubbe, Lubbe, Wahedi, Seifert, Künstler
Bereit für das Finale: Die Schachfreunde Neuberg

Tag 1: Neuberg - Bindlach-Aktionär

Am Samstag um 14:00 ging das schachliche Highlight der Saison für uns los. Bisher hatten wir uns über alle Erwartungen sehr gut in der 2. Bundesliga etabliert und konnten bereits mit 7 Mannschaftspunkten glänzen. Unsere verbleibenden Gegner gehörten jedoch zu den Schwergewichten der Oststaffel und so war uns bewusst, welch schwierige Aufgabe uns bevorstand.

Beginnen wir mit der Meldeliste unseres Gegners:

Bindlach ließ es sich nicht nehmen, nochmal alle Ressourcen für die letzten Runden zu mobilisieren. Richtig so! Leider sieht man in einigen Ligen eine regelrechte Wettkampfverzerrung, wenn starke Mannschaften aufgrund mangelnder Auf- und Abstiegschancen in dritt- oder viertklassiger Besetzung antreten. Nicht so an diesem Wochenende, obwohl Falko erst kurz zuvor vom Aeroflot Open aus Moskau zurückgekehrt war.

Schon früh ins Grübeln verfallen. Was hatte ich hier nur vorbereitet?
Schon früh ins Grübeln verfallen. Was hatte ich hier nur vorbereitet?

Am Anfang sah alles noch recht in Ordnung aus. Alle hatten halbwegs vernünftige Stellungen und an einem Brett zeichnete sich aus der verbrauchten Zeit des Gegners ab, dass unser Spieler wohl besser vorbereitet war. Aber dazu später mehr.

An Brett 1 spielte ich gegen Falko Bindrich und kam leider nicht recht in die Partie. Ich wollte die Partie früh kompliziert gestalten, aber letztendlich habe ich nur meine eigene Stellung kompliziert gemacht. Und zwar kompliziert zusammenzuhalten. Eine ganze Weile ging es auch dank einiger verpasster Chancen von Falko gut, doch in der Zeitnot ging mir der Faden verloren.

Melanie Lubbe gegen Martin Petr
Melanie Lubbe gegen Martin Petr

Melanie spielte wie gewohnt an Brett 2 gegen den Großmeister Martin Petr. Gegen die solide französische Eröffnung erreichte sie zwar problemlos eine angenehme Stellung mit Raumvorteil und Aktivität, dann aber verkalkulierte Melanie sich bei einem Damenfang. Sie bekam zwar die schwarze Dame, musste jedoch mehr Figuren als beabsichtigt dafür geben und bald die Waffen strecken.

An Brett 3 spielte Siar Wahedi mit Schwarz gegen den Großmeister Neuman. Aus dem Augenwinkel hätte ich die Partie als nicht schlecht eingeschätzt, jegliche Details entziehen sich aber meiner Kenntnis. Damit hatten wir an den ersten 3 Brettern leider nicht einmal ein Remis verbuchen können. Eine Wende musste her, und die konnte unser Zauber-Künstler Christian bescheren. Ich werde euch nun aber nicht mit viel Geschwafel behelligen, stattdessen bekommt ihr direkt seine Partie zu sehen:

[Event "2.BL-Ost"] [Site "?"] [Date "2016.03.12"] [Round "3"] [White "Künstler, Christian"] [Black "Cech, Pavel"] [Result "1-0"] [ECO "D17"] [WhiteElo "2250"] [BlackElo "2384"] [Annotator "CK"] [PlyCount "71"] [EventDate "2016.??.??"] 1. d4 d5 2. c4 c6 3. Nf3 Nf6 4. Nc3 dxc4 5. a4 Bf5 6. Ne5 (6. e3 {[%cal Gf1c4] ist die andere Alternative.}) 6... Nbd7 7. Nxc4 Qc7 8. g3 {[%cal Gc1f4]} e5 9. dxe5 Nxe5 10. Bf4 Nfd7 11. Bg2 f6 {Festigt den Se5.} ({Laut der Megadatabase 2016 wird} 11... g5 {[%cal Yg5f4,Ye5c4] noch häufiger gespielt:} 12. Ne3 gxf4 13. Nxf5 O-O-O 14. Qc2 {[%csl Yf4,Yf7,Yh7]}) 12. O-O O-O-O 13. Rc1 $1 {[%cal Yc1c8] Die einzige Fortsetzung, die Schwarz vor ernsthafte Probleme stellt. Nach anderen Fortsetzungen gleicht der Nachziehende relativ problemlos aus:} ( 13. Nxe5 Nxe5 14. Qb3 Qf7 15. Qxf7 Nxf7 $11) (13. Qc1 Nc5 14. Bxe5 fxe5 15. Qe3 Nb3 16. Rad1 Bc5 17. Qxe5 Qxe5 18. Nxe5 Rhe8 19. Rxd8+ Rxd8 $11) (13. Ne3 Be6 14. Qc2 g5 15. Bxe5 Nxe5 16. Ne4 Be7 $11) 13... Nc5 14. Qe1 Kb8 {Geht prophylaktisch aus der c-Linie.} (14... a5 {[%cal Ga5b4,Gb2b4]} 15. Nb5 cxb5 16. axb5 b6 17. b4 axb4 18. Qxb4 $16 {[%csl Yc8][%cal Gf1d1,Gc1a1,Gg2c6] mit sehr starkem Angriff für die geopferte Figur.}) 15. b4 $1 Nb3 16. Rb1 $1 { Der Schlüsselzug in dieser Stellung: nach dem Qualitätsopfer erhält Weiß sehr starken Angriff gegen den schwarzen König.} Bxb1 17. Qxb1 Nd4 18. Bxe5 fxe5 19. e3 $1 {[%cal Re3d4]} Ne6 {[%csl Ye6]} 20. Rc1 {[%cal Yc1c8]} Re8 $2 { [%csl Yb7,Yc6][%cal Ye6d8,Yd8c6] Das verliert bereits. Besser war:} (20... a6 21. b5 cxb5 22. Nd5 Rxd5 23. Bxd5 bxc4 24. Bxe6 Ba3 25. Rxc4 Qe7 26. Bd5 Rd8 $16) 21. b5 $1 Nd8 22. bxc6 Nxc6 23. Nb5 Qd7 24. Rd1 $6 {Lässt eine gute Möglichkeit aus:} (24. Bxc6 $142 $1 Qxc6 (24... bxc6 25. Nxa7+ Kxa7 26. Qb6+ Ka8 27. Qa6+ Qa7 28. Qxc6+ $18) 25. Nxe5 Rxe5 26. Rxc6 bxc6 27. Nd6+ Kc7 28. Nf7 $18 {[%csl Re5,Rh8] Die Springergabel hatte ich in der Vorausberechnung übersehen. Ohne 28.Sf7 bringt die Fortsetzung 24.Lxc6 nicht viel.}) 24... Qc8 25. Nbd6 Bxd6 26. Nxd6 Qd7 27. Nxe8 Qxe8 28. Qb5 Kc7 $2 (28... Rf8 $142 29. Rb1 Nd8 30. Qb4 Rf7 31. Rc1 Rc7 32. Rxc7 Kxc7 33. Qc5+ Kb8 34. Qd6+ Ka8 (34... Kc8 35. Bh3+ $18 {[%cal Rh3c8]}) 35. Qc7 Nc6 36. Qxg7 $18) 29. Rb1 $1 Nd8 30. Rc1+ Kb8 31. Qc5 a6 32. Qc7+ $6 (32. Qd6+ $142 $1 Ka7 33. Rc8 $18) 32... Ka7 33. Qc5+ {Korrigiert die ungenaue Fortsetzung im 32. Zug} Ka8 (33... Kb8 34. Qd6+ Ka7 35. Rc8 $18 {[%cal Rd6b8,Rc8h8]}) (33... b6 34. Qc7+ Nb7 35. Qxb7#) 34. Qb6 {[%cal Rc1c8]} Kb8 $2 {Das verliert direkt. Zäher war:} (34... Qd7 35. Qxa6+ Kb8 36. Qb6 Re8 37. a5 Re6 38. Qc5 $18) 35. Rc7 {[%cal Rc7b7]} e4 36. Bh3 { [%cal Rc7c8] Fazit: Schlussendlich konnte mein Gegner kein adäquates Mittel gegen die Fortsetzung 14.Tc1 finden. Nach dem Qualitätsopfer war die schwarze Stellung bereits sehr schwierig, allerdings noch nicht direkt verloren. Mit 24. Lxc6 ließ ich eine gute Möglichkeit verstreichen, konnte die Partie aber im weiteren Verlauf für mich entscheiden. Leider hat es für die Mannschaft insgesamt nicht für den Klassenerhalt gereicht. Allerdings freue ich mich schon auf die neue kommende Saison, in der wir hoffentlich in gleicher Besetzung antreten und um den Aufstieg mitspielen werden.} 1-0

Dieser tolle Sieg war leider der einzige des ersten Tages. Ihr überschlagt es beim Lesen vermutlich schon und ja, so ist es: 1:3 gegen uns und kein weiterer Sieg, verheißt nichts Gutes! Klaus-Jürgen, Christopher und Hendrik spielten Remis, Dennis Hankel verlor an Brett 8.
Damit mussten wir uns nach langem Kampf mit 2,5:5,5 gegen unsere starken Kontrahenten von Bindlach-Aktionär geschlagen geben.

Doch zurück zum Revolver: War diese Niederlage schon ein Knall? Nein, sogar weit davon entfernt. Unsere Niederlage gegen Bindlach war sehr wahrscheinlich und 2,5 erspielte Brettpunkte nicht übel. Nur noch ein paar kleine Brettpunkte mehr und selbst bei einem Unentschieden unseres Abstiegskonkurrenten gegen einen weit überlegenen Gegner wären wir auf der sicheren Seite. Also: Die Situation war immer noch vielversprechend, es waren nun vielleicht 2 oder 3 Patronen in dieser 25 Patronen umfassenden Revolvertrommel. Ob uns ein lauter Knall wieder zurück in die Oberliga katapultieren oder wir unseren Klassenerhalt feiern würden, lest ihr in Melanies Zusammenfassung von Tag 2.

Tag 2: Nickelhütte Aue - Neuberg

Am Sonntag folgte der Tragödie zweiter Teil. Man muss schon stark überlegen, um etwas Positives über diesen Tag schreiben zu können. Ich versuche es mal: Es gab Kuchen. Die Sonne schien. Ich habe gegen GM Peter Prohaszka Remis geschafft. Wir hatten keinen Stau auf der Rückfahrt. Und dann hört es auch schon auf. Auf der anderen Seite der Waagschale stand dagegen: Niko hat verloren. Siar hat verloren. Christian hat verloren. Christopher hat verloren. Klaus-Jürgen hat verloren. Hendrik hat verloren. Dennis hat verloren. Forchheim hat 4-4 gegen Göggingen geschafft. Wir sind abgestiegen. Mit einem Brettpunkt Rückstand. Bäääääm!

Was soll ich sagen? Dieses Ergebnis kann man nicht schön reden. Dennoch war es wieder mal eine tolle Saison mit einem großartigen Team. Wir freuen uns schon sehr auf nächstes Jahr. Dann gerne mit weniger Kuchen und weniger Sonnenschein, dafür aber mit mehr Glück am Ende :-)