Matthias Blübaum gewinnt das erste GRENKE Chess Open


Was für ein spannendes Finale! Nach neun Runden stehen sechs Spieler mit 7,5 Punkten an der Tabellenspitze und lediglich ein Buchholzpunkt trennt den ersten vom vierten Platz. Verdienter Sieger ist Matthias Blübaum – wahrscheinlich der bisher größte Erfolg des 18-Jährigen.

Sieger des A-Opens: Matthias Blübaum
Sieger des A-Opens: Matthias Blübaum

Auch andere Spieler hätten den Turniersieg verdient. Zum Beispiel Milos Perunovic, der lange Zeit die Tabelle anführte und am Ende gemeinsam mit Nikita Vitiugov auf dem geteilten dritten Platz landete. Zweiter wurde Vladimir Fedoseev. Dass es am Ende für Matthias aufgrund der leicht besseren Buchholzwertung zum Turniersieg reichte, ist natürlich auch ein bisschen Glück. Vor allem ist es aber seiner soliden und dennoch kämpferischen Partieanlage zu verdanken. Wer sich schon einmal gegen Matthias vorbereitet hat weiß, dass er stets „seinen“ Eröffnungen treu bleibt und lediglich innerhalb der einzelnen Varianten variiert. Das ist für Spitzenspieler eher ungewöhnlich. Normalerweise darf man sich als e4-Spieler gegen Spieler mit 2500+ stets gegen verschiedene Sizilianisch-Systeme, Französisch, 1…e5 und Pirc vorbereiten. Bei Matthias weiß man immer ziemlich genau was aufs Brett kommt. Man weiß aber auch, dass er seine Systeme unglaublich gut kennt und jede vermeintlich ausgeglichene Stellung gnadenlos knetet. So ist es wenig überraschend, dass er beim GRENKE Chess Open keine Partie verloren hat und dennoch Siege unter anderem gegen Alexei Shirov (Elo: 2685) und Borki Predojevic (Elo: 2647) einfahren konnte. Ich bin mir sicher, dass das nicht Matthias letzter Turniersieg gewesen ist und vermute stark, dass er in nicht allzu langer Zeit seinen Einstand in der deutschen Nationalmannschaft geben wird.

 

Die anderen Nationalmannschaftsanwärter der jüngeren Generation, Dennis Wagner, Alexander Donchenko und Rasmus Svane, landeten mit jeweils Punkten 6,5 auf den Plätzen 39, 41 und 49.

 

Ein Blick auf das Abschneiden des weiblichen Nationalmannschaftskaders zeigt ein durchwachsenes Bild. Elisabeth konnte ihrer Favoritenrolle gerecht werden und mit 6,5 Punkten den Damenpreis gewinnen. Dahinter folgt Sarah Hoolt, die mit einem eindrucksvollen Schlussspurt das Turnier mit 6,0 Punkten abschließen konnte. Eine IM-Norm und den dritten Damenpreis gab es für Elena Levushkina, die ein hervorragendes Turnier spielte. Zufrieden dürfte auch Josefine Heinemann mit 5,5 Punkten sein. Judith, Filiz und ich kamen am Ende auf 5,0 Punkte. So richtig glücklich sind wir damit aber vermutlich alle drei nicht.

 

 

Die besten Frauen des A-Opens: Elisabeth Pähtz (mitte), Sarah Hoolt (links), Elena Levushkina (rechts)
Die besten Frauen des A-Opens: Elisabeth Pähtz (mitte), Sarah Hoolt (links), Elena Levushkina (rechts)

Mein zuvor gestecktes Ziel (Elogewinn) konnte ich nicht erreichen. Meine Wertungszahl hat sich sogar eher in die falsche Richtung bewegt. Das Ausmaß des Verlusts werde ich aber erst mit den neuen Elozahlen erfahren. Naja, zwei Turniere bis zur Nominierung der Nationalmannschaft spiele ich noch – hoffentlich dann mit etwas mehr Erfolg.

 

Bevor ich gleich noch ein paar Sätze zum B- und C-Open verliere, hier zunächst noch die Auswertung meiner Prognosen zum A-Open:

Prognose 1: Richard Rapport gewinnt mit einem halben Punkt Vorsprung vor Li Chao und Markus Ragger das Turnier. Weit gefehlt: keiner der drei landete auch nur unter den ersten 5. Für Markus Ragger reichte es am Ende für den geteilten siebten Platz. Richard Rapport und Li Chao landeten auf den Plätzen 13 und 15. Richard war dennoch geschmeichelt, als er nach einer spannenden Partie gegen Niko von meinem Vertrauen erfuhr :-).

Prognose 2: Einer der „Prinzen“ (Matthias Blübaum, Dennis Wagner, Alexander Donchenko, Rasmus Svane) schafft es unter die TOP 10. Ich würde sagen mit Matthias‘ Turniersieg wurde die Prognose mehr als erfüllt.

Prognose 3: Beste Frau im Turnier wird Elisabeth Pähtz. Auf die Frauen ist halt Verlass J!

Prognose 4: Niko und ich holen zusammen 12 Punkte, spielen mindestens 1000 Züge und höchstens 5 Remis. Unsere Ausbeute: 10 Punkte, 770 + x Züge, 4 Remis. Bis auf die Remisquote haben wir die Prognose also nicht erfüllt, wobei die „geringe“ Zugzahl nicht an mir lag. Niko hat exakt 364 Züge gespielt, ich habe 406 Züge aufgeschrieben und in drei Partien schätzungsweise je 10-15 zusätzliche Züge ohne Notation ausgeführt.

 

Die Entscheidung im B-Turnier fiel nicht ganz so knapp wie im A-Open aus. 1,5 Buchholzpunkte trennten den Erstplatzierten Mesut Altok von seinem Verfolger Camilo Ospina Ocampo mit ebenfalls 8 Punkten. Bosiljko Jurkic landete auf dem dritten Platz.  Jasmin Mangel landete als beste Frau im Feld mit 7,0 Punkten auf Platz 7. Auch im C-Open landete eine Frau ganz weit vorne: Valerie Janssen erspielte sich mit 6,5 Punkten den 5. Platz. Erster wurde Erik Wu vor Alexander Doll und Sabari S. Nair.

Platz 2 – 6 des B-Opens. Der Erstplatzierte ist nicht zur Siegerehrung erschienen.
Platz 2 – 6 des B-Opens. Der Erstplatzierte ist nicht zur Siegerehrung erschienen.

Mein Gesamtfazit zum Turnier: Das GRENKE Chess Open ist ohne Zweifel das größte und hochwertigste Open, das Deutschland zu bieten hat und lohnt schon allein deswegen einen Besuch. Trotz der Größe des Opens und des relativ kleinen Organisationsteams, lief (fast) alles reibungslos ab. Die verspätete Auslosung hatte ich schon in meinem letzten Bericht bemängelt, auch hätte ich mir mehr Live-Übertragungen gewünscht. Ansonsten kann man nur sagen: Daumen hoch!

 

Ich persönlich bevorzuge dennoch kleinere Turniere, wie z.B. das VMCG Schachfestival in Lüneburg, wo noch mehr Liebe ins Detail gesteckt werden kann. Dort trifft man dann aber auch keine Weltklassespieler wie Li Chao, Alexei Shirov, Gata Kamsky… So oder so finde ich, dass der Ortswechsel dem Open gut getan hat. Karlsruhe ist wesentlich leichter zu erreichen als Deizisau und hat in meinen Augen auch mehr zu bieten. Wie es aussieht, wird es im nächsten Jahr eine Fortsetzung geben. Ich bin gespannt, wer dann alles den Weg nach Karlsruhe finden wird!

 

Eure Melanie