Heino stellt sich... und beeindruckt am Schachbrett!


Wenn ich an Schach spielende Promis denke, fallen mir zuerst Felix Magath, Vitali und Wladimir Klitschko sowie Marco Bode ein. Die genannten Persönlichkeiten habe ich im Rahmen der Schacholympiade, bei einem Simultan gegen Garry Kasparov oder beim Bremer GM-Turnier bereits treffen dürfen. Dass es auch einen bekannten deutschen Musiker gibt, der sich in seiner Freizeit mit Schach beschäftigt, war mir bis vor kurzem nicht bekannt. Und ich stelle einfach mal die Hypothese auf, dass die meisten Deutschen nichts von diesem Hobby der volksmusikalischen Ikone wussten. Die Rede ist von Heino – dem Mann mit der Sonnenbrille und der eindrucksvollen Stimme.

Mit Marco Bode beim GM-Turnier in Bremen 2013
Mit Marco Bode beim GM-Turnier in Bremen 2013

Entsprechend erstaunt war ich, als ich vor einigen Wochen die Anfrage erhielt bei der Show „Ich stelle mich“ gegen Heino eine Partie Schach zu spielen. Ich war sofort begeistert. Wann bekommt man schon mal die Chance einer so interessanten Person gegenüber zu sitzen – und dann auch noch am Schachbrett! Voller Vorfreude fuhr ich am 09.06.2015 nach Köln, wo die Sendung aufgezeichnet werden sollte. Der Fahrt zum WDR-Studio stellte die erste Hürde dar. Am Bahnhof wurde ich von einem Fahrer abgeholt, der sich jedoch auf dem Produktionsgelände nicht allzu gut auszukennen schien. So mussten wir beispielsweise mehrmals wenden, da die Lindenstraße aufgrund laufender Dreharbeiten gesperrt war. Für mich waren die Orientierungsschwierigkeiten des Fahrers natürlich super … so konnte ich in eine Welt eintauchen, die ich abgesehen von meinem kurzen Auftritt beim Fernsehgarten noch nie so kennengelernt hatte.

Vor Ort wurde ich dann zunächst in den Aufenthaltsraum der Überraschungsgäste gebracht. Das Format der Sendung sieht nämlich vor, dass die Hauptperson – in unserem Fall Heino – im Laufe der Sendung auf verschiedene Gäste trifft, die in seinem Leben eine signifikante Rolle – sei es als Kritiker, Freund, oder Bandmitglied – gespielt haben. Auf mich traf das natürlich nicht zu. Ich gehörte zum letzten Teil der Sendung, in welcher der Kandidat immer eine besondere Herausforderung zu meistern hat.  Bei Heino bestand diese Herausforderung in einer Blitzpartie gegen mich. Aber bis zum Aufeinandertreffen am Schachbrett war es noch ein langer Weg…

Mit GM Helmut Pfleger im WDR-Studio
Mit GM Helmut Pfleger im WDR-Studio

Dieser Weg führte zunächst in die Maske (5 Minuten fürs Make-up aber ca. 20 Minuten für die Frisur) und dann ins Studio, wo ein paar technische Sachen und ein erster Durchlauf (natürlich ohne Heino) geprobt wurden. Sehr spannend, wie viele Leute in so eine Sendung involviert sind und wie viele Kleinigkeiten beachtet werden müssen. Bei allem dabei aufkommenden Stress blieb das Team um Moderatorin Sandra Maischberger jedoch stets höflich und zuvorkommend. Grund zur Aufregung gab es also nicht, zumal mir mit Helmut Pfleger eine wahre Schachlegende zur Seite stand. Helmut ist nicht nur aufgrund seiner Spielstärke (vielfacher deutscher Nationalspieler, Großmeister seit 1975) sondern auch aufgrund seiner zahlreichen Fernsehauftritte bekannt. Und zwar bei weitem nicht nur unter Schachspielern, wovon ich mich in Köln überzeugen konnte. Helmut übernahm in der Show den Part des Schachmoderators. Eine Tätigkeit, bei der er schon unzählige Male seine Kompetenz unter Beweis stellen konnte – unter anderem auch bei der Weihnachtsfeier von ChessBase im Jahr 2013, wo ich in einem Match gegen Vlastimil Hort chancenlos unterging und Helmut trotzdem noch nette Wort für meine klägliche Leistung fand :-).

ChessBase Weihnachtsfeier 2013 mit Vlastimil Hort und Helmut Pfleger (Quelle: ChessBase)
ChessBase Weihnachtsfeier 2013 mit Vlastimil Hort und Helmut Pfleger (Quelle: ChessBase)

Nach den Proben war dann erst mal warten angesagt. Da wir erst ganz zum Schluss an die Reihe kamen, konnten wir fast die gesamte Show im Aufenthaltsraum auf einem Bildschirm verfolgen. Obwohl es keine Live-Sendung war, musste eigentlich alles auf Anhieb klappen. Schließlich gab es auch ein Publikum, welches einen reibungslosen Ablauf erwartete. Ca. 10 Minuten vor unserem Auftritt wurden wir dann nach unten begleitet, wo wir vor dem Eingang ins Studio noch mal gepudert wurden. Ein letzter Check des Mikros und dann ging es auch schon in den Saal.

Das Studio war so aufgebaut, dass die Zuschauer von den Rängen aus auf die Bühne und eine dahinter angebrachte Leinwand schauen konnten. Die Tür zu der wir den Saal betraten, befand sich oberhalb der Zuschauersitzplätze im Dunkeln. So konnten wir unbemerkt bis zum oberen Absatz der Treppe gehen und dort noch einen kurzen Augenblick das Geschehen verfolgen. Gerade wurden Heino einige Bilder von bekannten Persönlichkeiten (z.B. Dieter Bohlen) gezeigt und er sollte spontan ein paar Worte zu den Personen verlieren. Als letztes wurde ein Bild von mir gezeigt. Als Heino meinte, er würde diese Person leider nicht kennen, antwortete Frau Maischberger, dass sich das gleich ändern würde. Das war unser Stichwort… Wie lang so eine Treppe sein kann, wenn Scheinwerfer und Augen auf einen gerichtet sind… :-). Unten angekommen war ich erst mal froh, dass ich es ohne zu stolpern geschafft hatte und nach einer kurzen Begrüßung ging es direkt ans Schachbrett, das in der Mitte der Bühne aufgebaut war. Helmut erklärte kurz die Regeln – Blitzschach mit 1 gegen 4 Minuten – und los ging es.

Heino war natürlich nicht an Blitzschach gewöhnt und vergaß nach fast jedem Zug die Uhr zu drücken. Deswegen wurde diese Aufgabe spontan von Helmut übernommen, der die Doppelbelastung des Kommentierens und Uhrendrückens aber gut meisterte. Auf dem Schachbrett konnte Heino aber sehr gut mithalten. Je länger die Partie dauerte, desto erstaunter war ich über die Züge meines Gegenübers. Denn nicht nur in der Eröffnung, sondern auch darüber hinaus überzeugte Heino mit harmonischen und guten Zügen. Lange Zeit war die Stellung völlig unklar, bis sich dann gegen Ende der Partie das Blatt zu meinen Gunsten wendete. Am Ende war Heinos Zeit abgelaufen und die Stellung vermutlich auch verloren. Ich bin mir dennoch sicher, dass er mit seinem Auftritt am Schachbrett nicht nur mich positiv überrascht hat.

Nach der Show gab es noch Zeit für Fotos und ein kleines Get-together mit der gesamten Crew und allen Mitwirkenden. Heino berichtete mir, dass er regelmäßig gegen den Computer spielt, was die Herkunft seines Schachkönnens zumindest teilweise erklärt … Hannelores Begeisterung darüber hielt sich aber in Grenzen :-).

Gegen 20.30 Uhr machte ich mich dann auf den Heimweg (bzw. erst mal nach Hannover, denn nach Braunschweig gab es keine Verbindung mehr). Mit im Gepäck: unzählige Haarklemmen (ich wusste nicht, dass für einen fernsehtauglichen Pferdeschwanz so viele Hilfsmittel benötigt werden) und lebhafte Erinnerungen an einen interessanten und aufregenden Tag.

Die Ausstrahlung erfolgte am 09.08.2015 um 21.45 Uhr im WDR.

Und hier das Spektakel in bewegten Bildern: