Hochzeitsglocken


Heute haben wir in Reykjavik einen freien Tag – Zeit um auch mal über andere Themen (siehe Überschrift) zu berichten. Zunächst aber noch ein Rückblick auf den gestrigen Tag.

Meine Partie gegen die erst 15-jährige Anna-Maja Kazarian aus den Niederlanden war grauenvoll. Nach der Eröffnung stand ich direkt schlecht, musste dann auch eine Qualität geben um wenigstens ein bisschen Gegenspiel zu bekommen. In Zeitnot konnte ich sie dann austricksen und sogar eine Gewinnstellung erreichen. Den Gewinnweg konnte ich allerdings mit knapper Bedenkzeit nicht finden und wickelte stattdessen in ein Turmendspiel mit Mehrbauern ab. Grandioser Weise wurde aus dem Turmendspiel mit Mehrbauern innerhalb weniger Züge ein Endspiel, das nur meine Gegnerin noch auf Gewinn spielen konnte. Am Ende wurde es dann doch remis – vermutlich ein gerechtes Ergebnis. Den Kommentar von Maxime Vachier-Lagrave, dass es sich ja um eine ganz normale Frauen-Partie gehandelt habe, würde ich trotzdem nicht unterschreiben wollen :-).

Guter Trost: das Remis sicherte uns den 2,5-1,5 Mannschaftssieg gegen die Niederlande und bescherte uns einen guten fünften Platz vor dem Ruhetag. Angeführt wird die Tabelle von der russischen Mannschaft, die im gesamten Turnier erst eine Partie verloren hat, gefolgt von der Ukraine, Georgien und Frankreich.

Bei den Männern sieht es an der Spitze sehr ähnlich aus: Russland führt vor Frankreich, der Ukraine und Georgien. Das deutsche Team hat sich nach einem glanzlosen Start auf einen guten siebten Platz vorgekämpft.

Magnus hat zwar schon drei Mal gespielt, seine Einsätze waren bisher aber nicht von Erfolg gekrönt: gestern musste er bereits seine zweite Niederlage einstecken. Trotzdem war er gestern Abend bei der traditionellen Vor-Ruhetags-Party mit dabei und konnte mich mit seinen guten Deutschkenntnissen beeindrucken.

Ansonsten ist aber nicht viel Spannendes passiert. Zuerst waren wir beim Pub Quiz, bei dem es 30 Fragen zur Schachgeschichte und Schach im Allgemeinen zu beantworten galt. Ich konnte davon genau zwei beantworten: die Teamaufstellung der deutschen Mannschaft als sie 2011 Europameister geworden sind und die ersten Züge des Leipziger Gambits (wobei ich mir hier immer noch nicht sicher bin, ob ich mich richtig erinnert habe). Zum Glück hatten wir Laurent Fressinet in unserem Team, der die meisten Fragen beantworten konnte. Die Auswertung und Bekanntgabe unseres glorreichen 5.Platzes habe ich leider verpasst, da ich mein Kleid von Rotweinflecken befreien musste, die ein zu euphorisches Teammitglied versehentlich verursacht hatte :-).

Nach einer Stunde Kaltwasser-Salz-Behandlung ging es dann wieder zurück in den Pub und später noch in die Hotel-Lobby, mehr Highlights habe ich von dem Abend aber nicht zu berichten.

Ein Highlight was demnächst ansteht, vermeintlich jedoch nichts mit Schach zu tun hat, ist Nikos und meine standesamtliche Trauung am 05.12.2015. Wir konnten uns lange nicht entscheiden, welchen gemeinsamen Nachnamen wir tragen werden. Deswegen haben wir uns - verrückt wie wir sind - dazu entschieden, diese Entscheidung mit einer Schachpartie herbeizuführen. Wir haben beide die Partie in einem Video kommentiert. Das Ergebnis könnt ihr euch bei chess24 oder auf youtube anschauen :-): https://chess24.com/de/lesen/news/melanie-und-nikolas-heiraten-und-klaeren-ihren-ehenamen-am-brett

Passend zu dem bevorstehenden Ereignis, enden viele Straßennamen hier in Reykjavik mit „braut“.

In diesem Sinne: euch allen einen schönen Tag! Ich werde den restlichen freien Tag in der „Blue Lagoon“ verbringen :-)