Mit den Gedanken in Paris


Es fühlt sich komisch an, einen Bericht über den Alltag in Reykjavik zu schreiben, wo doch alle mit ihren Gedanken in Paris sind und einem mal wieder klar wird, dass es so viele wichtigere Dinge als den Ausgang eines Mannschaftskampfes gibt.  

Die ersten Meldungen erreichten uns kurz vor Beginn der Mannschaftssitzung. Im Laufe der Nacht häuften sich die schrecklichen Nachrichten und aus anfänglichem Mitgefühl wurde fassungsloses Entsetzen und tiefste Trauer.

Auch während der Runde war die bedrückte Stimmung spürbar: vor Beginn der Partien wurde in einer Schweigeminute der vielen Opfer gedacht und viele Spieler trugen zum Zeichen der Solidarität und Anteilnahme eine schwarze Armbinde.

Gegen die Schweizerinnen konnten wir heute mit 3,5-0,5 souverän gewinnen. Ich habe zum ersten Mal Schottisch gespielt und bekam natürlich genau die Variante aufs Brett, die ich nicht noch mal wiederholt hatte … ist ja irgendwie immer so! Zum Glück hatte ich meine Gegnerin Laura Stoeri (2115) mit meiner Eröffnungswahl überrascht, so dass wir uns beide bald in unbekannten Gewässern befanden. Nach und nach konnte ich meine Stellung verstärken und am Ende den Materialvorteil verwerten.

Morgen geht es gegen Spenien. Die Partien könnt ihr live auf chess24 verfolgen: https://chess24.com/de/watch/live-tournaments/european-team-championship-women-2015/3/1/1