Auf geht's nach Reykjavik


Da hat man schon mal Urlaub und muss trotzdem um 05.45 Uhr aufstehen… klasse! Aber so richtig gut konnte ich eh nicht schlafen. Denn dieses Gefühl der freudigen Erwartung überkommt mich vor jedem wichtigen Turnier - angefangen bei der ersten Deutschen Meisterschaft über die Jugend-Weltmeisterschaften bis hin zu den Einsätzen in der Nationalmannschaft. Dieses Gefühl lässt sich wie eine Mischung aus Vorfreude auf Weihnachten und Respekt vor einer wichtigen Prüfung beschreiben und begleitet mich in Form eines angenehmen Kribbelns während des gesamten Turniers.

Um das Gefühl mehr in Richtung Weihnachtsvorfreude und weg von Prüfungsnervosität zu lenken, habe ich über die Jahre mehrere „Strategien“ entwickelt. Die wichtigste ist natürlich die schachliche Vorbereitung. Dazu gehörte in den letzten Monaten durchschnittlich eine Stunde Training pro Tag (jaaaa das klingt jetzt nicht allzu viel, ist für meine Verhältnisse aber durchaus beachtlich :-)) und ein Powertraining direkt vor Beginn der Meisterschaft mit GM Vladimir Baklan.

Nicht zu vergessen ist auch der Trainingslehrgang mit meinen Kolleginnen aus der Nationalmannschaft, bei dem wir neben dem Schachprogramm auch jede Menge Ausgleichssport betrieben haben.

Wo wir auch schon bei dem nächsten Punkt auf der EM-Vorbereitungs-to-do-Liste wären: Sport. Ich muss gestehen, dass ich mir hier keinen besonderen Trainingsplan überlegt habe. Ehrlich gesagt habe ich mich im letzten Jahr hauptsächlich mit morgendlichen Kraftübungen und Fahrradfahren fit gehalten. Immerhin komme ich dank meiner abseits gelegenen Wohnung mit dem Fahrrad auf fast  100km pro Woche – eine Strecke auf die ich schon ein bisschen stolz bin :-). Und erst heute Morgen habe ich gelesen, was Biken mit „moderater Intensität“  alles Tolles bewirken kann (die wissenschaftliche Fundiertheit der Quelle lassen wir jetzt einfach mal außer Acht):

Okay, zurück zu meinem Weihnachtsvorfreude-Feeling-Plan. Die nächste Dimension der EM-Vorbereitung ist die Klamottenauswahl – kein Scherz! Die fängt mit dem Kofferpacken an und hört bei der Auswahl des Outfits vor jeder Runde auf. So banal und oberflächlich das klingt, so wichtig ist doch das Selbstbewusstsein während der Partie – und das kann man (oder frau) nun mal mit der Kleidung beeinflussen.

Ganz wichtig ist für mich auch eine Turnier-Playlist mit Songs, die mich vor der Runde motivieren und nach der Runde wieder runterkommen lassen, wobei die Auswahl der Songs ggf. je nach Turnierverlauf angepasst werden muss :-).

Die Stimmung im Team spielt während der Meisterschaft natürlich auch eine essentielle Rolle. Deswegen werde ich auch dieses Jahr wieder nichts über meine Mannschaftskolleginnen in meinem Blog schreiben. Nicht weil ich sonst böse Sachen schreiben würde, sondern weil es immer passieren kann, dass Äußerungen anders verstanden werden als sie gemeint sind und das unnötiges Konfliktpotential mit sich bringt. In den letzten Jahren habe ich das auch schon so gemacht und die Methode hat sich – zumindest meiner Meinung nach – ganz gut bewährt.

So viel möchte ich vorab aber noch loswerden: Ich glaube wir sind dieses Jahr wieder ein tolles Team mit Potential eine vordere Platzierung zu erreichen. Wir haben meiner Meinung nach eine gute Mischung aus starken, erfahrenen und jungen, motivierten Spielerinnen. Ich selbst bin zwar weder richtig stark noch richtig jung, habe inzwischen aber auch schon einige Einsätze mit der Nationalmannschaft „hinter mir“ und gehöre quasi schon zu den alten Hasen :-). Wir gehen mit folgender Aufstellung an den Start: Elisabeth Pähtz, Filiz Osmanodja, Zoya Schleining, Melanie Ohme, Josefine Heinemann.

Das alles schreibe ich übrigens gerade auf meiner Fahrt von Braunschweig nach Frankfurt – von wo aus um 13.35 Uhr unser Flieger gehen wird. Ich hoffe nur, dass sich die Streiks nicht allzu sehr auf den Flugbetrieb auswirken – denn auch wenn wir nicht mit Lufthansa fliegen, ließen die Bilder in den Nachrichten schon ein gewisses Chaos vermuten…

I’ll keep you informed :-)