Resümee


Tja, die letzte Runde der Schacholympiade haben wir uns irgendwie anders vorgestellt. Mit 16/20 Mannschaftspunkten lagen wir vor der letzten Runde auf Rang 4 und hatten noch gute Medaillenchancen. Auch für mich persönlich war noch eine Medaille drin: nach 10 Runden konnte ich an Brett 4 die zweitbeste Performance nachweisen. Und auch eine IM-Norm (die bei der Olympiade doppelt zählt) wär mir bei einem Unentschieden sicher gewesen. Also lautete der Masterplan mindestens 2,5 Brettpunkte gegen Georgien und am besten auch einen Sieg für mich. In der Realität sah es dann eher ernüchternd aus: mit einer fast chancenlosen 0:4-Niederlage wurden wir unsanft auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt.

Trotzdem: mit unserem neunten Platz können wir sehr zufrieden sein. Wir hatten mit Russland, Frankreich, Ungarn, Rumänien und Georgien sehr starke Gegner und haben gezeigt, dass wir auch ganz vorne mitspielen können. Und was noch viel wichtiger ist: wir sind als echtes Team aufgetreten. Wir haben zusammen gelacht, miteinander mitgefiebert und die ganze Zeit zusammengehalten. Das ist nicht selbstverständlich wenn man bedenkt, dass so eine Olympiade enorm anstrengend ist und die Nerven meist bereits nach wenigen Runden blank liegen. Mir hat es super viel Spaß gemacht in dieser Mannschaft zu spielen und das war glaube ich auch ein Hauptgrund für mein gutes Abschneiden: 6,5/9, Performance 2407, Elogewinn von 30 Punkten. Auch mit meinen Partien bin ich im Großen und Ganzen zufrieden. Ein echter Lichtblick also nach der EM, die eher suboptimal verlaufen war :-): European Individual Women's Chess Championship

Auch Elisabeth und Sarah haben ein sehr gutes Turnier gespielt. Elisabeth hat an Brett 1 6,5/10 geholt und war damit sozusagen der Fels in der Brandung. Besonders bemerkenswert: ihr wettkampfentscheidender Sieg gegen die ehemalige Europameisterin Hoang Thanh Trang in der neunten Runde. Sarah hat sich schnell den Spitznamen „die Punktemachine“  erworben. 7/10 und ein solides Eloplus war ihr hervorragendes Resultat. Ich würde einfach mal die Behauptung aufstellen, dass unser Zimmer das mit der größten Punkteausbeute war (schon allein deswegen, weil die meisten in Einzelzimmern untergebracht waren).

© chess24.com/Georgios Souleidis
© chess24.com/Georgios Souleidis

Zoya und Tatjana konnten dieses Mal leider nicht ganz ihre Spielstärke zeigen. Aber auch sie lieferten natürlich wichtige Punkte und das nächste Mal wird es bestimmt wieder besser laufen!

Ein großes Lob und Dankeschön gilt unserem Mannschaftskapitän Philipp Schlosser, sowie Bundestrainer Dorian Rogozenco, Eröffnungstrainer Vladimir Baklan und der gesamten Männermannschaft, die tatkräftig bei der Vorbereitung geholfen und moralische Unterstützung geleistet haben.

Insgesamt eine gut organisierte und spannende Olympiade, die mir sehr positiv in Erinnerung bleiben wird. Nur ein tragisches Ereignis überschattete die letzte Runde: während Sarah und ich noch unsere Verluststellungen gegen Georgien verwalteten, brach im Spielsaal plötzlich ein Tumult aus. Die Uhren wurden angehalten, wir wurden aufgefordert den Spielsaal zu verlassen und irgendwie wusste zunächst keiner so richtig was los war. Später erfuhren wir, dass ein Spieler einen Herzinfarkt erlitten hatte und inzwischen auch verstorben ist. Auf Susan Polgars Website habe ich zudem heute gelesen, dass noch ein weiterer Spieler am letzten Tag tot in seinem Hotelzimmer aufgefunden wurde.

Die nächste Olympiade wird 2016 in Baku stattfinden… ich hoffe, dass ich dann noch Teil der Mannschaft bin und vielleicht klappt es ja dann doch mal mit einer Medaille :-).