Wir brauchen auch einen Magnus Carlsen!


In Norwegen boomt Schach, da konnte ich mich mit eigenen Augen von überzeugen. Auf dem Hinflug blätterte der Mann neben mir in einer norwegischen Zeitschrift. Wer guckt mir mit einem grimmigen Gesichtsausdruck entgegen? Magnus Carlsen! Auf der nächsten Seite? Eine kommentierte Partie und Schachaufgaben! Jeder spricht über Schach. Fast jeder interessiert sich dafür. Kurz nach der Begrüßung: „Hast du schon gesehen, Magnus hat heute schon wieder verloren!“ Während der Autofahrt: ein kurzer Anruf an einen Freund um sich zu versichern, wie sich Magnus gegen Mamedyarov schlägt. „Er steht bedrängt? Bist du dir sicher? Hast du Houdini gefragt?“ Und nach der Ankunft wurde dann selbst auf dem Smartphone gecheckt, ob der Bekannte die Wahrheit gesagt hat. Als Carlsens Sieg feststand, wurde schließlich die Partie komplett angeschaut und kommentiert. Ich habe mit einem Vater geredet, dessen Kinder (weiblich und männlich) vor dem Frühstück das Schachbrett auspacken. Ich habe schwarz-weiß-karierte Briefkästen entdeckt und ich habe kurz vor meinem Abflug Magnus‘ Namen auf einem großen Bildschirm am Flughafen aufleuchten sehen. Und das alles sagt mir, dass wir auch einen Magnus brauchen. Oder noch besser: eine Magna. Wenn das nicht geht, dann müssen wir auf anderem Wege versuchen, Schach in Deutschland populärer zu machen. Denn mit Schach kann man so viel bewegen, und Schach ist so eine wundervolle Beschäftigung. Uuuund es tut auch einfach verdammt gut, wenn man sich mit Nicht-Schachspielerin über Schach unterhalten kann ohne alle Rahmenbedingungen, Namen und Begriffe vorher erklären zu müssen :-).

Am Samstag konnte ich meine Norwegen-Reise mit ein bisschen Sightseeing und einer Tasse Tee in netter Gesellschaft ausklingen lassen. Es liegen sehr erlebnisreiche und eindrucksvolle Tage hinter mir. Ich habe tolle Landschaften gesehen, viele interessante Menschen kennengelernt und eine Menge Spaß gehabt. Ich habe das Gefühl, dass wir viel geschafft haben und die Norwegisch-Deutschen-(Schach-)Beziehungen noch etwas vertiefen konnten. Ich freue mich sehr darauf, spätestens im August zurückzukommen, und ich bin mir sicher, dass wir alle eine eindrucksvolle und gut organisierte Olympiade in Tromsö erleben werden.