1. Drehtag in Malangen


Nach sechs Stunden Schlaf musste ich mich auch schon wieder von meinem kuscheligen Bett trennen. Gardinen auf … woooooow … ich blickte direkt aufs Meer! Und in weiter Ferne: schneebedeckte Berge, klarer Himmel, etwas Sonnenschein … wie im Märchen. Meine ersten beiden Tage in Norwegen waren für den Dreh eines Werbefilms zur Schacholympiade bestimmt. In einem kurzen Video soll sowohl die Umgebung als auch meine Person vorgestellt werden. Ein bisschen Filmerfahrung habe ich schon, aber das war trotzdem noch mal etwas ganz anderes. Für unser erstes Shooting wollten wir noch ein bisschen höher hinauf zu einem kleinen Camp fahren. „Wollen“ trifft es hier ganz gut, denn zunächst versagten die Räder unseres Autos in den Schneemassen. Der Hotelmanager konnte aushelfen und bald fanden wir uns auf einer kleinen Anhöhe wieder. Mehrere Hütten boten dort Unterschlupf vor der Kälte und lockten mit kuscheligen Sitzecken und einer Feuerstelle.

Zunächst musste aber gearbeitet werden. Das hieß in meinem Fall: Interviews geben, Schlittenfahren, Eisfischen und die Umgebung bestaunen. Natürlich alles vor der Kamera. Häufig war es so, dass ich in der Drehpause ein Gespräch mit einem der anwesenden Guids führte und wir plötzlich von unserem Kameramann unterbrochen wurden: „Stopp! Das bitte alles noch mal genauso vor der Kamera!“ Naja, und plötzlich war man sich dann nicht mehr sicher, wohin mit den Händen, wie einzelne Wörter ausgesprochen werden oder wie man den bitteschön einen möglichst interessierten Gesichtsausdruck hinbekommt. Insgesamt hatten wir aber super viel Spaß und es wurde auch gar nicht so viel schauspielerisches Talent von mir verlangt. Denn die Umgebung war wirklich einzigartig und meine Begeisterung beim Schlittenfahren war nicht gespielt. Es war ein unglaubliches Erlebnis, von vier Hunden durch den Schnee gezogen zu werden. Am Anfang hatte ich etwas Respekt, da ich selbst fahren durfte und die Hunde soooo aufgeregt waren. Aber nach einer anfangs sehr holprigen Phase konnte ich die Fahrt und die Landschaft richtig genießen. Nur einmal, als es einen steilen Hang hinunter ging, muss ich wohl etwas verängstigt geguckt haben … aber ich hoffe einfach mal, dass die Kamera da nicht gerade auf mein Gesicht gezoomt hat.

Abends wurden wir mit kulinarischen Köstlichkeiten verwöhnt. Und natürlich war auch hier die Kamera wieder mit dabei. Total merkwürdig, wenn man sich plötzlich Gedanken über das Essen macht. Eine eigentlich automatisierte Handlung erscheint einem auf einmal ganz schön kompliziert. Erst das Aufspießen der richtigen Menge an Essen, dann der Transport des Essens vom Teller zum Mund ohne dabei die Hälfte zu verlieren. Und schließlich das Kauen. Oh ja das Kauen. Nicht zu schnell (man will ja schließlich nicht verfressen aussehen) und nicht zu langsam (sonst wirke ich noch wie eine wiederkäuende Kuh). Und was, wenn man dabei auch noch etwas sagen soll?

Um 02.00 Uhr Nachts fiel ich erschöpft aber glücklich in mein Bett. Ich hoffe, dass von den unzähligen Stunden Filmmaterial auch etwas Brauchbares dabei ist. Für mich persönlich war es aber auch so ein toller Tag. Denn wann hat man sonst schon mal die Möglichkeit Hundeschlitten zu fahren und Eisfischen zu gehen? In Deutschland mit einer Ausbeute von gefühlten 10 Schneeflocken pro Jahr wohl kaum.