Baba


Und schon wieder ist ein Turnier zu Ende gegangen ohne dass ich so richtig angekommen bin. Die Zeit vergeht auf Turnieren immer sooooo schnell und auf einmal ist wieder eine Woche rum. Bevor ich meine Abschiedsstimmung aber zu sehr zum Ausdruck bringe, zunächst noch eine Zusammenfassung der letzten beiden Runden.

Die Partie gegen Georg Fröwis (Runde 8) begann mit einem kleinen Highlight. Ich habe zum ersten Mal in meinem Leben ernsthaft 1.d4 gespielt! Ich war so aufgeregt, dass könnt ihr euch gar nicht vorstellen. Ich habe sogar etwas gezittert und es hat sich so angefühlt, als ob ich 1.e4 betrügen würde. Aber irgendwann ist immer das erste Mal, also warum nicht in der 8. Runde des Casino Open Graz. Ich erreichte dann sogar schnell eine leicht angenehmere Stellung. In Zeitnot konnte ich dann leider keinen Gewinnplan finden und nahm das Remisangebot meines Gegners an.

Am vorletzten Tag habe ich auch endlich mal etwas von Graz gesehen. Andrea nahm sich dankenswerterweise die Zeit, mich ein bisschen rumzuführen und mir einige Sehenswürdigkeiten zu zeigen. Etwas kurzfristig haben wir dann auch noch meinen Rückflug nach Deutschland gebucht (zurück nach Groningen geht es erst nächste Woche). Statt des Zugs nehme ich also diesmal das Flugzeug. Das geht wesentlich schneller, ist aber mit einer 12-stündigen Wartezeit am Wiener Flughafen verbunden. Naja, so habe ich wenigstens genug Zeit, um diesen Bericht hier fertig zu stellen :-).

Die 9. Runde begann bereits 10 Uhr vormittags, weshalb nicht so viel Zeit für die Vorbereitung blieb. Bis spät in die Nacht habe ich noch an meinem Repertoire gefeilt nur um dann von IM Andreas Diermair (2459) 1.b3 vorgesetzt zu bekommen. War aber alles nicht so schlimm: nach 15 Zügen hatte ich bereits eine Gewinnstellung erreicht. Nur leider kam mir dann (mal wieder) meine fehlende Zeit in die Quere… Am Ende wurde es leider nur ein Remis :-(.

Trotzdem ein versöhnlicher Abschluss: 5,5/9, Platz 20 und eine Performance von 2366. Das Ganze ergibt ein Eloplus von 8 Punkten und somit einen Schritt in die richtige Richtung. Mit meinen Partien bin ich im Großen und Ganzen zufrieden. Lediglich Partie Nummer 3 war außerordentlich schlecht. Ansonsten konnte ich einige schöne Ideen finden und mit deutlich stärkeren Gegnern mithalten. Als Problem erwies sich in fast allen Partien meine Zeitnot, die häufig aus Unsicherheiten zu Beginn der Partie resultierte. Aber wenn ich dieses Problem noch in den Griff bekomme, dann wird es hoffentlich weiter aufwärts und im August dann hoffentlich nach Tromsö gehen.

Das Turnier gewann souverän GM Hrant Melkumyan (7.5) vor GM Markus Ragger (6.5), IM Ankit Rajpara, GM Li Chao  und GM Andrei Istratescu. Beste Dame wurde Lei Tingije, für mich gab es aber netterweise auch noch einen Preis :-).

So, jetzt kann ich noch meine Abschiedsstimmung zum Ausdruck bringen. Auch wenn ich mich sehr auf meinen Freund freue, der leider selbst nicht mitspielen konnte, bin ich doch sehr traurig, dass das Turnier vorbei ist. Die Atmosphäre war super herzlich und von Spielsaal über Liveübertragung bis hin zu Unterkunft und Verpflegung war alles sehr gut organisiert. Zu jeder Partie erhielt jeder Spieler eine Wasserflasche und ich wurde großzügig mit Essensgutscheinen eingedeckt. Ich habe mich total wohl gefühlt und würde nächstes Jahr gerne wiederkommen. Tausend Dank, Andrea, für die super Organisation. In diesem Sinne: baba (tschüss auf Österreichisch) und bis zum nächsten Mal!