Tag 6 - Schlecht-Wetter-Stimmung in beiden deutschen Teams


Und dabei hatte ich mich so auf den heutigen Tag gefreut... Ich durfte auch mal aussetzen und hatte schon ausführlich geplant, was ich alles, mit der plötzlich verfügbaren freien Zeit anstellen wollte. Nicht dass ich nicht gerne spiele. Ganz im Gegenteil: Ich habe zurzeit noch mehr Freude als sonst am Schach und genieße eigentlich jede Partie. Aber so ein freier Tag ist auch was Schönes – vor allem wenn jeden Tag die Sonne scheint und man sonst eigentlich nur im Zimmer sitzt und sich vorbereitet. Auf meiner To-do-Liste für heute standen neben ein paar Unisachen eben auch Joggen, Schwimmen (draußen) und vor allem in der Sonne sitzen und lesen. Schon als ich heute Morgen auf den Balkon trat wusste ich, dass der Tag doch nicht so toll werden würde. Statt warmem Sonnenschein erwarteten mich dunkle Wolken und ein kühler Wind. Na toll! Ich versuchte das Beste draus zu machen und beschäftigte mich zunächst mit meinen Büchern und Skripten, die ich bei einem plötzlichen Anfall guter Vorsätze in meinen Koffer gepackt hatte. Dann versuchte ich die positiven Seiten zu sehen und versuchte mir einzureden, dass Joggen bei Sonnenschein gar nicht so viel Spaß macht und ein kühles Lüftchen doch ganz angenehm sein kann. Ich schlüpfte also in meine Turnschuhe und machte mich mit meiner Stoppuhr auf den Weg eine geeignete Jogging-Route zu finden. Dies stellte sich als äußerst schwierig heraus. Zunächst suchte ich einen Weg am Strand entlang und musste bald feststellen, dass ich in einer Sackgasse gelandet war. Auch die andere Richtung erwies sich als wenig erfolgsversprechend und so musste ich wohl oder übel an der Straße entlang rennen und schließlich meine Runden auf einem nahgelegenen Golfplatz drehen. Zu allem Übel wartete Uwe dann auch noch mit seiner Kamera auf mich, als ich völlig k.o wieder in der Hotelanlage eintraf. :-)

Naja, wenigstens hatte ich heute mal die Gelegenheit die Partien der Männer etwas genauer zu verfolgen. Bereits nach einer Stunde zeichnete sich ab, dass das Match gegen Bulgarien kein leichtes werden würde. Die Live-Übertragung zeigte an, dass unsere Männer bereits nach wenigen Zügen wesentlich mehr Zeit verbraucht hatten als ihre Gegner. Allerdings meinte Raj später, dass das zumindest in Jans Partie nicht der Fall gewesen sei, was vielleicht auf eine mangelhafte bzw. fehlerhafte Übertragung schließen lässt. Nach einer Stunde hatte Arkadij gegen Topalov eine ausgeglichene Stellung erreicht und auch bei Jan war alles im grünen Bereich. Daniel und Georg hatten beide leicht schlechtere Stellungen und mussten zunächst erst mal um Ausgleich kämpfen. Als ich mich das nächste Mal ausführlicher den Partien widmete, hatte Jan bereits Remis gespielt. Anscheinend war alles nach Vorbereitung verlaufen und der halbe Punkt niemals in Gefahr gewesen. Daniel musste sich weiterhin gegen das starke Läuferpaar seines Gegners verteidigen und bei Arkadij war noch nicht so viel Aufregendes passiert. Georgs Partie versprach spannend zu werden. Mit den schwarzen Steinen versuchte er den Angriff von Ivan Cheparinov (2650) zu stoppen und es sah eigentlich auch so aus, als ob ihm das gelingen würde. Das war der Stand, als ich mich auf den Weg in den Turniersaal machte. Als ich dort ankam sah ich gerade noch, wie Arkadij und Georg kurz hintereinander aufgeben mussten. Arkadij war mit Blick auf die anderen Stellungen einer Zugwiederholung ausgewichen und hatte kurz darauf die Partie eingestellt. Georg konnte dem ständigen Druck durch die weißen Figuren schließlich doch nicht standhalten. Der Mannschaftskampf war also schon verloren und Daniels Remis war nur ein kleiner Trost für die deutsche Männer-Mannschaft, die sich nach dem gestrigen Erfolg bestimmt mehr erhofft hatten.

Nach dem ersten Blick auf die Stellungen meiner Mannschaft war ich noch ganz guter Dinge. Sarah hatte zwar gerade etwas Gegenspiel zugelassen, stand aber immer noch ganz gut und die Positionen von Lena und Lise sahen auch vielversprechend aus. Einzig Martas Stellung bereitete mir etwas Sorgen… allerdings ist es bei ihr nicht ungewöhnlich, dass sie schlechtere Gegner einfach so lange aussitzt, bis diese einen Fehler machen. Dann ging jedoch alles ganz schnell: Sarah und Marta stellten quasi gleichzeitig ihre Partien ein und plötzlich stand es 0:2 gegen uns. Lena hatte in Zeitnot ihre Gegnerin etwas entkommen lassen, stand aber immer noch besser und Lise hatte auch einen leichten Vorteil. Am Ende reichte es leider nur bei Lena für einen Sieg und wir verloren das Match leider mit 1,5:2,5. Als Krönung des heutigen Unglücks-Tages wurde uns soeben auch noch die Auslosung präsentiert. Mit Rumänien haben wir gewiss keinen einfachen Gegner bekommen und dass wir morgen gewinnen ist wirklich bitter nötig. Die Männer haben dagegen etwas Glück, was die Paarung der nächsten Runde angeht. Sie spielen gegen Italien – eine durchaus schlagbare Mannschaft.

Achja, fast hätte ich es vergessen zu berichten: Manch einer wird sich wohl über das schnelle 2:2 der Aserbaidschaner gegen die Franzosen gewundert haben. Dieses Unentschieden hat leider eine traurige Ursache: der aserbaidschanische Spieler Gashimov bekam mitten während der Partie einen epileptischen Anfall und die Franzosen waren so fair nicht nur seine, sondern auch alle restlichen Partien Remis zu geben. Inzwischen geht es Vugar jedoch schon wieder besser.