Ausblick auf die DEM 2012


Liebe Schachfreunde, liebe Schachfreundinnen,

morgen wird die erste Runde der Deutschen Einzelmeisterschaft der Herren, eines der wohl wichtigsten Turniere in Deutschland, beginnen. Aus diesem Grund befinde ich mich gerade im Zug nach Osterburg, in der das Ereignis dieses Jahr stattfinden wird. Ich schätze mal, dass die meisten von euch nicht unbedingt viel mit dem Ortsnamen anfangen, geschweige denn ihm eine geografische Position zuordnen können. Das ist auch nicht verwunderlich, da es sich bei ihm mit seinen 11000 Einwohnern nicht gerade um eine Weltmetropole handelt. Aber eine Besonderheit ist Osterburg auf jeden Fall zuzuschreiben: es handelt sich um den am weitesten von einer Autobahnzufahrt entfernten Ort in Deutschland… na wenn das mal nichts ist! Aber das ist wohl das Los der Schachturniere, dass sie meist in abgelegenen und unbekannten Orten ausgetragen werden. Als Beispiel ist hier unter anderem die Olympiade 2010 in Khanty-Mansijsk, Sibirien zu nennen. Dieser Umstand hat bestimmt seine Gründe und stellt für mich persönlich eigentlich auch kein großes Problem dar. Ich glaube nur, dass das nicht der richtige Weg ist, um die Öffentlichkeit und die Medien auf Schach aufmerksam zu machen.

Nach langer Anreise erreichten wir dann endlich die Landessportschule, die für die nächsten zehn Tage unsere Unterkunft sein wird. In meinem Zimmer fühlte ich mich zuerst an frühere Klassenfahrten erinnert. Der Raum wirkt irgendwie kalt und schlicht und erinnert somit eher an eine saubere Jugendherberge als an ein Hotel. Seife gab es nicht und eine Fernbedienung konnte für 20 Euro an der Rezeption ausgeliehen werden. Aber es ist immerhin genug Platz und ich denke, dass man es hier durchaus ein paar Tage aushalten kann. Ein großes Manko ist jedoch der fehlende bzw. mangelhafte Internetzugang. W-Lan gibt es nicht. Die Spieler können sich höchstens über ein Kabel im Analyseraum einloggen und ich weiß wirklich nicht, wie ein (!) Kabel für alle Spieler ausreichen soll.

Die Eröffnungsveranstaltung fand im Spielsaal statt. Groß, hell, Einzeltische – was will man mehr: der Raum ist einer Deutschen Meisterschaft auf jeden Fall angemessen. Nach der technischen Besprechung wurden alle Spieler in den „Fuchsbau“ eingeladen – einer kleinen zur Anlage gehörenden Gaststätte. Bevor das Buffet eröffnet wurde, blieb den Spielern das übliche Eröffnungsprogramm nicht erspart. Besonders der Vertreter der Stadt sorgte mit Sätzen wie „Inoffiziell gibt es bei Schachspielern ja so etwas wie eine Elo“ für amüsierte Gesichter. Man merkte zwar, dass er versucht hat, sich mit dem Thema auseinanderzusetzen; man merkte jedoch noch viel mehr, dass es ein erfolgloser Versuch gewesen war. Aber das Essen war zumindest meiner Meinung nach ganz gut und der Ausrichter konnte mit einem Freigetränk pro Spieler punkten. Auch die Tatsache, dass die Auslosung schon während des Abendessens bekannt gegeben wurde, sorgte allgemein für Anerkennung.

An dieser Stelle scheint es angebracht, ein paar Worte über das Turnier und die Teilnehmerliste zu verlieren. Auf einer vorläufigen Rangliste konnte ich 42 Spieler mit Wertzahlen zwischen 2100 und 2660 entdecken. Angeführt wird das Teilnehmerfeld von Daniel Fridman, der im Herbst letzten Jahres einen wichtigen Beitrag zum sensationellen Abschneiden der Herren bei der Europameisterschaft in Porto Carras leisten konnte. Auch der an drei gesetzte Rainer Buhmann (2614) war maßgeblich mit an diesem Erfolg beteiligt und konnte sich durch seine Leistung einen Platz im A-Nationalkader sichern. Mit Igor Khenkin (Startnummer 2, 2632) ist auch der Deutsche Meister des letzten Jahres mit unter den Teilnehmern vertreten. Der frischgebackene Großmeister und Sieger der DEM 2010 Niclas Huschenbeth (2509) folgt auf Platz vier der Setzrangliste und hat somit ebenfalls gute Chancen auf einen Medaillenplatz. Ich bin als einzige Vertreterin des weiblichen Geschlechts an 14 gesetzt. Besonders hohe Ziele habe ich mir eigentlich nicht gesteckt. Ich möchte spannende Partien spielen und vielleicht einer Elozahl von 2400 etwas näher rücken. Toll wär natürlich eine weitere IM-Norm. Ich hab aber die Erfahrung gemacht, dass man Normen nur erreicht, wenn man nicht damit rechnet…also versuch ich lieber nicht dran zu denken. :-) Besonders gespannt bin ich auf das Abschneiden der Schachprinzen Matthias Blübaum, Dennis Wagner, Rasmus Svane und Alexander Donchenko, die mit ihren letzten Turnieren stets für positive Überraschungen gesorgt haben.

Ich bin auf jeden Fall sehr gespannt, wer sich dieses Jahr den Titel holen wird und hoffe, dass es eine spannende und hart umkämpfte Meisterschaft geben wird. Damit auch ihr mitfiebern könnt, werde ich wieder täglich vom Turniergeschehen berichten und euch auch hin und wieder mit Bildern und Partieauszügen versorgen.

 

Viel Spaß beim Lesen

wünscht

Melanie