9. Runde


Juhu, endlich mal wieder ein Sieg! Auch wenn dadurch das Turnier nicht mehr gerettet wird, ist so eine Partie doch ein versöhnlicher Abschluss. Mit Schwarz hatte ich bereits nach wenigen Zügen eine angenehme Stellung und konnte wenig später durch eine hübsche Kombination in ein deutlich besseres Endspiel abwickeln. So war ich bereits nach zwei Stunden fertig und kam dadurch sogar noch in den Genuss eines warmen Mittagessens, das für die meisten Teilnehmer heute wohl ausgefallen ist. Vielleicht war die Aussicht auf das Mittagessen auch der Grund für die vielen Kurzremisen, die heute gemacht wurden. Ich persönlich verstehe immer nicht, warum die letzte Runde an vielen Brettern oft nicht ausgekämpft wird. Selbst wenn es um nichts mehr geht (wie zum Beispiel bei mir) kann man doch auch zum Schluss noch mal alles geben oder?

Andre, Gordon (2384) - Ohme, Melanie (2387) [E81]

Deutsche Einzelmeisterschaft 2012 (9), 10.03.2012 [MO]

 

In der letzten Runde der DEM 2012 traf ich auf Gordon Andre (2384), der genau wie ich mit seinem bisherigen Abschneiden nicht gerade zufrieden sein wird. Eigentlich erstaunlich, dass man auch mit 3/8 noch so einen guten Gegner bekommt. Ich sah die Auslosung jedoch als Chance in der neunten Runde noch mal alles zu geben und eine spannende Partie zu spielen. Ein Kurzremis kam für mich also nicht in Frage, auch wenn ich das Turnier möglichst schnell vergessen möchte :-). 1.c4 Sf6 2.Sc3 g6 Königsindisch gehört seit einigen Jahren zu meinem Repertoire. Mir gefallen die Stellungsbilder, die meist mit beiderseitigem Angriff und vielen taktischen Möglichkeiten verbunden sind, sehr. Allerdings gibt es ein paar Varianten, die bei guter weißer Vorbereitung langweilig oder unangenehm für Schwarz sind. Deshalb habe ich vor einiger Zeit auch noch Wolga-Gambit, Nimzo-Indisch und 1....d6 in mein Repertoire aufgenommen. Heute entschied ich mich jedoch für die Königsindische Variante, um möglichst scharfe Stellungen zu bekommen. 3.d4 Lg7 4.e4 d6 5.f3 Sämisch gehört zu den populärsten Abspielen in dieser Stellung. Nach 5.Sf3 ist 5.f3 immerhin der am zweithäufigsten gespielte Zug. 5...0-0 6.Le3 Eigentlich hatte ich nicht mit der Hauptvariante, sondern eher mit 6.Lg5 gerechnet. 6...c5 Das Bauernopfer ist meiner Meinung nach die beste Möglichkeit für Schwarz aktiv zu spielen. Wenn Weiß das Opfer annimmt, kommt es zu einem Endspiel, in dem Schwarz gute Kompensation für den Bauern hat und meist mindestens Ausgleich erreicht. 7.Sge2 [7.dxc5 dxc5 8.Dxd8 Txd8 9.Lxc5 Sc6 10.Sd5 Sd7 11.Lxe7 (11.Sxe7+ Sxe7 12.Lxe7 Lxb2 13.Tb1 Lc3+ 14.Kf2 Ld4+ 15.Kg3 Te8=; 11.La3 e6) 11...Sxe7 12.Sxe7+ Kf8 13.Sd5 Lxb2 14.Tb1 Lg7 15.Sh3 Sc5=] 7...Da5 Hauptvariante ist eigentlich 7...Sc6. Ich finde den Einschub der Damenzüge jedoch ganz nützlich. 8.Dd2 [Eine interessante Alternative stellt auch 8.Sc1 dar. 8...cxd4 9.Sb3 Dh5 10.Sxd4 Sc6 11.Dd2 Sxd4 12.Lxd4 Le6 13.Le2 Da5 14.b3 Tac8 15.Td1 Tfe8 16.0-0 Sd7 17.f4 Lxd4+ 18.Dxd4 Sf6 19.f5 Ld7 20.fxg6 hxg6 21.Txf6 exf6 22.Sd5 Te6 23.Sxf6+ Txf6 24.Dxf6 Dxa2 25.Tf1 Tf8 26.Lh5 gxh5 27.Dg5+ Kh8 28.Dxh5+ Kg7 29.Dg5+ Kh8 30.Df6+ Kg8 31.Dg5+ Kh8 32.Dh4+ Kg7 33.Dg3+ Kh7 34.Dxd6 Lh3 35.Dg3 Le6 36.Dh4+ Kg7 37.Dg5+ Kh7 38.Dh5+ Kg7 39.Dg5+ Kh7 40.Dh4+ Kg7 41.h3 Tg8 42.Dg5+ ½-½ Khenkin,I (2632)-Ohme,M (2326)/Germany 2011/EXT 2012] 8...Sc6 9.d5 Se5 10.Sg3 [10.Sc1 a6 11.Sb3 Db4 Und Schwarz bekommt gutes Spiel am Damenflügel. Über den Verlust der Dame muss man sich eigentlich keine Gedanken machen, da die weißen Figuren nicht gut genug koordiniert sind.] 10...a6 mit der Idee irgendwann b5 durchzudrücken. Meist kann Schwarz den Bauern auch opfern, um dann in günstige Wolga-Stellungen zu kommen. [Auch möglich ist 10...h5 ] 11.f4 Weiß will es wissen. Man hätte auch ruhiger mit 11. Le2 fortsetzen können. 11...Seg4 12.Lg1 h5 Um sich Ideen mit h4 offen zu halten. Natürlich kann der Bauernvorstoß auch irgendwann mal eine Schwäche darstellen; auf der anderen Seite muss Weiß aber auch aufpassen, dass der Sg3 nicht in einem günstigen Moment vertrieben wird. 13.h3 Sh6 14.Ld3 Nun liegen Ideen wie e5-e6 mit der Schwächung des Bauern g6 in der Luft. Schwarz muss schnell handeln, um nicht überrannt zu werden. 14...b5 Eine gute Möglichkeit, um Gegenspiel am Damenflügel zu erzeugen. 15.cxb5?

Nicht die richtige Methode, um auf Sieg zu spielen. Jetzt hat Schwarz keine Probleme mehr und verfügt bereits über einen beträchtlichen Vorteil. [In der Partie Plaschetka (2422)- Timoscenko (2513) kam 15.Le3 bxc4 16.Lxc4 Tb8 17.Tc1 Sd7÷ mit späterem Unentschieden.] 15...axb5 16.Sxb5 Nimmt den vergifteten Bauern. Nach z.B. Lf2 kann Weiß noch auf Ausgleich hoffen. 16...h4 17.Se2 Sxe4!

18.Dxa5 [18.Lxe4 Dxb5-+] 18...Txa5 19.Sbc3 Sxc3 20.Sxc3 Lf5 Der beste Zug in dieser Stellung. Entwickelt den Läufer mit Tempo und macht Platz für den schwarzen Turm auf f8. Wenn Weiß den Läufer schlägt, gelangt der schwarze Springer endlich wieder ins Spiel. Auch auch nach 21.Kd2 ist die weiße Stellung hoffnungslos. 21...Tb8 22.b3 [22.Tb1 Lxc3+ 23.Kxc3 Lxd3 24.Kxd3 Txa2 25.Kc3 Sf5-+] 22...Txb3 23.axb3 Txa1 24.Lc4 Lxc3+ 25.Kxc3 Le4 0-1

Im Moment ist es 14.00 Uhr und der Turniersieger steht noch nicht fest. Khenkin und Kotainy haben sich bereits vor einiger Zeit friedlich getrennt und Fridman hat gegen Jorczik eine bessere Stellung, die aber auch erst mal gewonnen werden muss. Aufgrund der leicht schlechteren Wertung muss Fridman voll auf Sieg spielen, um das Turnier noch gewinnen zu können. Auch das Spiel um Platz drei ist noch völlig offen. Huschenbeth und Siebrecht haben beide ausgeglichene Stellungen … es bleibt also spannend!

 Heute Abend findet dann noch eine feierliche Siegerehrung statt, auf der nicht nur die ersten Plätze, sondern auch die Gewinner der Schönheitspreise geehrt werden. Ich bin sehr gespannt, welche Partie die Jury zur Partie des Turniers wählen wird. Ich werde euch jedenfalls in meinem morgigen Abschlussbericht über die letzten Ereignisse informieren und die DEM 2012 noch einmal Revue passieren lassen.

 

Liebe Grüße

Melanie