20-Stunden Blitzschachturnier in Kirchlengern


Mit der Teilnahme an dem 20-Stunden-Blitzturnier in Kirchlengern habe ich dieses Wochenende nicht nur meine schachlichen, sondern vor allem auch meine körperlichen Grenzen kennengelernt und ganz neue Einblicke in die Psychologie des Schachs und die Kunst des Blitzens gewinnen können.

Für alle, die wie ich vorher noch nie an einem solchen Turnier teilgenommen haben: Es wird mit normaler Blitzschachbedenkzeit (fünf Minuten) ein 20-stündiger Wettkampf ausgetragen, bei dem es vor allem darum geht nicht einzuschlafen :-) Denn die wenigsten sind es gewohnt ca. 100 Partien am Stück zu spielen und dabei dann auch noch die erforderlichen kognitiven Leistungen zu erbringen.

Ich machte mich am Samstag mit gemischten Gefühlen auf den Weg nach Kirchlengern. Zum einen war ich voller Vorfreude und Neugierde, zum anderen hatte ich aber auch etwas Angst vor dieser neuen Herausforderung. Ich bin keine besonders gute Blitzerin und bin ehrlich gesagt auch kein großer Fan von Blitz- und Schnellschachturnieren, weshalb ich solche Veranstaltungen in der Vergangenheit wenn möglich stets vermieden habe. Deshalb machte ich mir auch keine großen Hoffnungen auf eine vordere Platzierung, auch wenn ich laut Eloliste an fünf gesetzt war.

Kurz vor 17.30 Uhr hatten sich die meisten der 82 Teilnehmer bereits vor dem Spielsaal versammelt. Man erkannte sie an vollgepackten Lidl-Tüten und einem mitgebrachten Vorrat an alkoholischen Getränken, deren Genuss während des Turniers erlaubt war und somit auch in großem Ausmaß betrieben wurde. Auch der Kaffeekonsum stieg gegen Ende des Turniers in utopische Höhen, was wohl auch an der kostenlosen Bereitstellung dieses Getränks durch den Organisator lag.

Das Turnier begann um 18.00 mit einer Vorrunde in drei gleichstark besetzten Gruppen. Innerhalb der Gruppen wurde ein Rundenturnier ausgetragen, sodass jeder Teilnehmer zunächst 27 Partien spielte. Anschließend folgten vier Durchgänge, in welchen das Teilnehmerfeld nach bisher erreichten Punkten in sechs Gruppen eingeteilt wurde. Jede dieser Gruppen bestand aus ungefähr 14 Spielern, sodass jedes Mal 13 Partien pro Spieler ausgetragen wurden. Die Zusammensetzung der Gruppen wurde nach jedem Durchgang gemäß dem aktuellen Punktestand aktualisiert und gegebenenfalls verändert. Zum Schluss erfolgte noch einmal ein Durchgang mit vier Gruppen und 17 Partien.

Aufgrund der Gruppenbildung kam es vor, dass man gegen einen Spieler drei oder vier Mal antreten musste. Das eröffnete einerseits die Möglichkeit zur Revanche, andererseits sorgte es aber auch für eine gewisse Eintönigkeit, die meiner Meinung nach vermieden werden sollte. Außerdem handelt es sich bei diesem System sicherlich nicht um die fairste Variante, da man in Gruppe A wesentlich stärkere Gegner bekam als in Gruppe B, dies bei der Berechnung der Punkte aber nicht berücksichtigt wurde.

Allerdings muss man natürlich auch beachten, dass es keine leichte Aufgabe ist so viele Partien und so ein großes Teilnehmerfeld in einem sinnvollen Ablauf zu vereinen.

Meine schachlichen Leistungen lassen sich mit dem Ausdruck „durchwachsen“ ganz gut beschreiben. Generell hatte ich meist viel weniger Zeit als mein Gegner, sodass ich klar gewonnene Stellungen oft nicht mehr verwerten konnte und auf diese Weise viele Punkte abgab. Ganz klar bemerkbar machten sich meine Müdigkeitserscheinungen im dritten Durchgang, in welchem ich 2/13 Punkte holte. Mit einem kleinen Schlussspurt konnte ich mir jedoch den 21. Platz und damit den Damenpreis sichern und das Turnier somit zu einem zufriedenstellenden Ende bringen. Überrascht war ich von meinem körperlichen Durchhaltevermögen. Ich hatte nie das Bedürfnis aufhören zu wollen und auch meine Müdigkeit hielt sich in Grenzen (sie machte sich nur in der Qualität der Partien bemerkbar). Ich habe jedenfalls nur einen einzigen Kaffee und keinen Alkohol während des gesamten Turniers zu mir nehmen müssen :-)

Den Turniersieg holte sich der Internationale Meister Mikhail Zaitsev mit 76,5 Punkten, gefolgt von IM Karl-Heinz Podzielny (73,5 Punkte) und IM Patrick Zelbel (67,5 Punkte). Den Jugendpreis erhielt Maurice Gulatz.

Abschließend lässt sich sagen, dass das Turnier für mich eine lohnenswerte Erfahrung war. Die Veranstalter haben sich sehr große Mühe gegeben und ich denke, dass die Veranstaltung allen Teilnehmern gut in Erinnerung bleiben wird. Blitzen wird jedoch trotzdem nicht meine Lieblingsdisziplin werden…